Wetteraukreis

Bad Vilbel: Seniorenheim muss Corona-Ausbruch bewältigen – bislang ohne Schnelltests 

  • vonJürgen Schenk
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Corona-Schnelltests fehlen in den Altenheimen der Wetterau weiterhin. Das Alloheim in Bad Vilbel muss vorerst andere Mittel finden, um dem Infektionsgeschehen Herr zu werden.

  • Seit dem 15. Oktober erlaubt das Bundesgesundheitsministerium Corona-Schnelltests in Altenheimen.
  • In den Altenheimen in der Wetterau gibt es noch keine Spur von angekündigten Corona-Schnelltests.
  • In einem Seniorenzentrum in Bad Vilbel ist die Lage nach einem Ausbruch angespannt.

Bad Vilbel - Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus liegt in Bad Vilbel permanent auf hohem Niveau. Vor etwas mehr als einer Woche kam dann ausgerechnet aus dem AGO-Seniorenzentrum in Dortelweil eine weitere Hiobsbotschaft: 26 Menschen haben sich in der Einrichtung mit dem Virus infiziert, darunter auch mehrere Mitarbeiter. Betroffen ist der Demenzbereich. Insgesamt hatte das Gesundheitsamt 160 Tests in der Einrichtung durchgeführt. Wie es zu dem Ausbruch kommen konnte, soll weiter untersucht werden.

»Seit Beginn der Pandemie hat der Schutz der Bewohner und Mitarbeiter vor einer SARS-CoV-2-Infektion oberste Priorität«, verkündete die Pressestelle der Alloheim Senioren-Residenzen SE in der vergangenen Woche. In Bad Vilbel habe man »ein von den Behörden abgenommenes, umfassendes Hygiene- und Besuchskonzept umgesetzt«. Es seien nach Bekanntwerden des Virus-Eintrags Isolations- und Schutzmaßnahmen eingeleitet worden. »Positiv getestete Mitarbeiter haben sich unverzüglich in häusliche Quarantäne begeben. Alle infizierten Bewohner sind zusammen auf einem Wohnbereich und dort unter Schutzisolation gestellt.«

In den Wetterauer Pflegeheimen sollen Schnelltests zur Erkennung des Coronavirus eingesetzt werden, die dazugehörige Verordnung ist schon am 15. Oktober in Kraft getreten. Doch noch müssen sich Bewohner und Angehörige gedulden: Laut Kreisverwaltung sind noch keine dieser Tests in Einrichtungen verteilt worden.

Wetterau: Keine Spur von angekündigten Corona-Schnelltests für Altenheime

Trotzdem scheint die Bekämpfung des Infektionsgeschehens vor Ort schwierig zu sein. Gerade im Demenzbereich unterlägen die Betroffenen kognitiven Veränderungen. Dennoch seien sie mobil und könnten andere anstecken, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. »Eine Maßnahme ist, dass die Mahlzeiten vornehmlich nur noch auf den Zimmern ausgegeben werden.« Nach aktuellem Stand sind bisher mindestens drei der Infizierten der Senioren-Residenz in Bad Vilbel im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Bei elf Personen wurde das Virus noch nachgewiesen.

Da stellt sich die Frage nach den von der Politik angekündigten Corona-Schnelltests für Seniorenheime. Schneller, billiger und in größeren Mengen verfügbar sollen sie sein. Die Rede ist von den sogenannten Antigen-Schnelltests, die im Gegensatz zum PCR-Test innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis liefern. Laut Bundesgesundheitsministerium sollen sie eine große Hoffnung für den Herbst und Winter darstellen. Die Gefahr einer Virus-Einschleppung von außerhalb, zum Beispiel durch Besucher, soll damit auf ein Minimum reduziert werden. Im Ergebnis wäre das für Heimbewohner und ihre Angehörigen sicher eine große Erleichterung.

Derzeit scheint eine solche Erleichterung noch ein Stück weit entfernt zu sein. Die Pressesprecherin der Alloheim Senioren-Residenzen teilte dieser Zeitung dazu mit: »Aktuell werden in unserer Einrichtung noch keine Schnelltests durchgeführt. Alle Pflegeeinrichtungen müssen ein umfangreiches Testkonzept erarbeiten und entwickeln, das vom jeweiligen Gesundheitsamt genehmigt werden muss. Unser unternehmensweites Testkonzept befindet sich aktuell in der Finalisierung. Da in der Allgemeinverfügung des Bundes gewisse einrichtungsbezogene Fragenkomplexe nicht definiert wurden, warten wir noch auf entsprechende Antworten der Behörden.«

Corona in der Wetterau: Schnelltests für Altenheime müssen beim Sozialministerium bestellt werden

Interessant ist auch die unterschiedliche Handhabung des Schnelltest-Verfahrens in Deutschland. So meldete ein Seniorendomizil in Niederbayern kürzlich, dass es die Antigen-Schnelltestung noch nicht verwenden dürfe, weil es dazu von der bayerischen Staatsregierung keine Information erhalten habe. Die Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums ist jedoch schon am 15. Oktober in Kraft getreten.

Es soll weiter untersucht werden, wie es zum Corona-Ausbruch im AGO-Seniorenzentrum kommen konnte.

Für den Wetteraukreis gab Petra Schnelzer vom Fachdienst Kommunikation bekannt, Corona-Schnelltests seien noch nicht in den Senioren- und Pflegeheimen verteilt worden. »Die Verteilung läuft nicht über die Gesundheitsämter, sondern über das Hessische Sozialministerium, bei dem die Einrichtungsträger die Schnelltests bestellen können.« (Jürgen Schenk)

Ein neuer Corona-Schnelltest einer Firma aus Gießen könnte in wenigen Minuten ein Testergebnis liefern.

Rubriklistenbild: © DPA Deutsche Presseagentur

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