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Monika Rudolph hat gelernt, mit Hochsensibilität umzugehen. In ihrer Bad Vilbeler Praxis möchte sie nun anderen Betroffenen helfen.

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Wenn der Alltag zu laut wird

  • vonNiklas Mag
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Die andauernde Corona-Pandemie sorgt oft für Ängste. Aber sie löst bei manchen Menschen sogar schlimmere Probleme mit der Psyche aus. Für Menschen mit Hochsensibilität ist die Situation nicht einfach, weiß Monika Rudolph. Sie ist selbst betroffen und hilft Menschen mit Hochsensibilität in ihrer Praxis in Bad Vilbel.

Monika Rudolph ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hat im vergangenen August ihre Praxis in der Frankfurter Straße eröffnet. Ein Hauptgrund dafür ist, dass sie Menschen mit Hochsensibilität helfen möchte. »Bis vor wenigen Jahren war das noch sehr unbekannt. Wer damit geboren ist, war immer schnell der Sonderling, und die Probleme, die damit einhergehen, werden vom sozialen Umfeld oft nicht anerkannt.« ,

Sie wolle bei der Thematik nicht das Wort Krankheit verwenden, denn das treffe es nicht. »Hochsensibilität ist eher eine Eigenschaft, wenn es im Alltag auch zu Problemen führt«, weiß sie und erklärt, worum genau es sich dabei handelt: »Bei Menschen mit Hochsensibilität sind sozusagen die Filter deutlich durchlässiger.« Während Menschen ohne die Eigenschaft Reize gefilterter wahrnehmen, laute und stressige Situationen deshalb gut bewältigt werden können, kommt es bei Menschen mit Hochsensibilität schnell zur Überforderung. »Umwelteindrücke, Geräusche, Gefühle werden allesamt viel stärker wahrgenommen. Das führt dann zu einer Überbelastung. Auch ein Helfersyndrom ist bei Menschen mit Hochsensibilität sehr oft vorhanden.«

Die negativen Effekte dieser starken Wahrnehmung mache Betroffene besonders anfällig für Depressionen oder andere psychische Erkrankungen. Burnouts und soziale Probleme, die mit der Eigenschaft einhergehen, verstärken diese Gefahren noch. Rudolph möchte Informationen über Hochsensibilität so weit wie möglich nach außen tragen, denn Betroffenen könne gut geholfen werden. »Man muss eben nur erst einmal wissen, dass da etwas ist. Ich bin vor etlichen Jahren im Internet auf Menschen mit Hochsensibilität gestoßen, und was dort stand, hat meine Probleme perfekt beschrieben.«

Rudolph habe bereits erlebt, wie glücklich Betroffene sind, wenn sie erfahren haben, was los ist, warum alltägliche Situationen sie häufig so stark überfordern und sie nicht allein sind. »Gerade sich in Gruppen darüber zu unterhalten, ist für viele eine große Stütze.«

Mit Kreativität verknüpft

Neben den beschriebenen Negativ-Effekten bringe Hochsensibilität aber auch Positives mit. »Viele Talente und hohe Kreativität gehören dazu. Spannend ist auch, dass die Vitas von Menschen mit Hochsensibilität sich immer sehr ähneln.« Meistens gebe es bei diesen früher oder später eine explosionsartige Entwicklung. »Mir ist es aber auch gerade wegen der Pandemie jetzt besonders wichtig, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Denn Corona ist da ein Brandbeschleuniger.«

Ängste hätte aktuell jeder Mensch, doch bei Menschen mit Hochsensibilität könnten diese schnell überhand nehmen. »Es gibt Strategien, wie man die Eigenschaft gut in den Griff bekommt. Eine gewisse Achtsamkeit und die Stärkung der eigenen Resilienz beispielsweise.« Sich in stressigen Situationen ausreichend abzugrenzen, gehöre auch dazu. »Das kann man alles lernen.«

Wird es zu viel und zu laut, ist es für Menschen mit Hochsensibilität wichtig, sich Erholungsphasen zu gönnen. »Auf diese Weise lernt man den Umgang damit«, weiß die Therapeutin. Die Forschung zum Thema sei noch recht jung. Die amerikanische Psychologin Elaine Aron habe Hochsensibilität erstmals beschrieben. In ihrer Theorie heißt es, »dass es ein zugrunde liegendes Unterscheidungsmerkmal dafür gibt, wie einige Personen Reize verarbeiten, was eine größere sensorische Verarbeitungssensitivität, Reflektivität und Erregbarkeit mit sich bringt.« Allerdings gibt es bisher noch keine feste Definition zu dem Phänomen, ebenso wenig wie ein einheitliches Diagnoseverfahren.

Wenn Hochsensibilität auch noch eher unbekannt ist und noch nicht viel geforscht wurde, können Menschen Hilfe finden. Chatrooms und Gesprächsgruppen seien ein gutes Mittel für ersten Kontakt mit Betroffenen. Dazu kommen Menschen wie Monika Rudolph, die gelernt haben, mit der Eigenschaft gut zu leben und anderen helfen möchten. Rudolph ist unter Tel. 0 173/531 40 06 oder per E-Mail an mail@monika-rudolph.de zu erreichen. nma

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