Weiter Weg zu den Impfzentren

  • vonPatrick Eickhoff
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Bad Vilbel (wpa). Bad Vilbeler müssen für die zwei Nadelstiche der Corona-Impfung entweder 33 Kilometer nach Büdingen oder mehr als 60 Kilometer nach Heuchelheim Bei Gießen fahren - obwohl das Impfzentrum in Frankfurt keine zehn Kilometer entfernt ist. Das hat die Vilbeler SPD veranlasst, einen Antrag zur »Aufhebung der örtlichen Gebundenheit bei der Corona-Impfung« in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung zu stellen.

Bernd Hielscher (SPD) sagte: »Es ist ein unzumutbarer Zustand.«

Sozialdezernent Jörg-Uwe Hahn (FDP) und Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) hatten bereits im Haupt- und Finanzausschuss über die Bemühungen berichtet, diese Gebundenheit aufzuheben beziehungsweise sie insofern zu ändern, dass Vilbeler keine umständlichen Wege auf sich nehmen müssen. Hahn sagte: »Es ist dem Katastrophenschutz unterstellt, um gewisse Strukturen zu nutzen. Unsere Bemühungen sind bisher ins Leere gelaufen.«

Deshalb hatten die Sozialdemokraten ihren Antrag insofern abgeändert, dass die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat nicht mehr dazu auffordert sich einzusetzen, sondern in diesen Bemühungen unterstützt.

Katrin Anders: Kreis hat Grenzen

Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Kathrin Anders (Grüne) leistete »Aufklärungsarbeit«. Die Anordnung komme nicht vom grünen hessischen Sozialminister Kai Klose, sondern vom Innenministerium und damit von Peter Beuth (CDU). »Deshalb hat auch Herr Hahn es im Innenausschuss besprochen und nicht ich im Sozialausschuss.«

Die Begründung für die Einteilung sei simpel. »Ein Kreis hat Grenzen«, sagte Anders. »Natürlich ist für Bad Vilbeler Frankfurt näher, für Rosbacher Bad Homburg und für Butzbacher Gießen. Die Impfdosen werden aber nach Kreisen ausgeliefert. So hat Frankfurt beispielsweise 5200 Dosen bekommen und der Odenwald 280.« Würde man das aufheben, wäre das ein ziemliches Chaos. »Deshalb muss man es bei dieser Zuordnung belassen.«

SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Kühl sagte: »Es ist typisch deutsch. Da wird nicht geguckt, was praktikabel ist, sondern einfach eingeteilt. Wir sprechen hier von Menschen über 80. Da kann es nicht sein, dass ein Vilbeler nach Heuchelheim muss und ein Erlenbacher nach Frankfurt fährt. Das ist weltfremd und ein Desaster.« Hielscher fügte an, es sei erstaunlich, dass man aus einem Risiko für die ältere Gruppe ein Logistik-Problem mache. Kathrin Anders entgegnete: »Es war Ihre Stephanie Becker-Bösch, die sich für Büdingen entschieden hat.« Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) stimmte der SPD zu und betonte, dass er das Thema häufiger schon - erfolglos - angesprochen habe. »Da gibt es Verbesserungspotenzial.« Derzeit bleibe nur die Bitte an die Bevölkerung, das Impfen und die Möglichkeit dazu wahrzunehmen.

Bei Zustimmung von CDU, SPD, FDP und Raimo Biere (Bürgerliche Aktive) sowie Gegenstimmen der Grünen wurde der Antrag angenommen.

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