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Sabine Lehmann schließt die "Weinliebe".

An Weihnachten ist Schluss

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Bad Vilbel(cf). "Regen lässt das Gras wachsen, Wein das Gespräch." Dieser Spruch aus Schweden ziert eine Wand im Bad Vilbeler Lokal "Weinliebe". Wirtin der Vinothek mit Bistro am Marktplatz gegenüber dem Alten Rathaus ist Sabine Lehmann-Remshagen. Im Oktober 2010 erfüllte sie sich mit der "Weinliebe" einen Traum.

"Ich wollte schon als Kind in die Gastronomie." Doch die Eltern hatten andere Pläne für ihre Tochter. Sie sollte "etwas Anständiges" lernen. Und so studierte sie Betriebswirtschaft mit Fachrichtung Bankwesen. Und jobbte neben dem Studium in der Gastronomie. Nach dem Studium arbeitete die gebürtige Stuttgarterin bei Brokern und Banken. Bis zur Finanzkrise war sie eine von zwei weiblichen Direktorinnen der BHF-Bank. Während eines Auslandsaufenthaltes in Chile beschloss sie, nach ihrer Rückkehr eine Weinhandlung zu eröffnen. Gesagt, getan. Eingerichtet hat sie ihre Weinbar, Vinothek und Weinhandlung mit dunklen Holzmöbeln. "Die Weinbar läuft gut, ich habe viele Stammgäste." Gründe für die Schließung habe sie gleich drei, sagt Lehmann-Rehmshagen. "Private, gesundheitliche und den Hessentag. Ich freue mich zwar auf den Hessentag in Bad Vilbel; das wird aber eine Hardcore-Veranstaltung, und ich bekomme schon heute keine Aushilfen."

Ganz aus dem Berufsleben zurückziehen will sich die 56-Jährige aber nicht. "Ich werde einen Online-Shop für Weinhandel eröffnen, bei Metzger Lukarsch ein Regal mit meinen Weinen zum Verkauf bestücken und wie bisher Sektempfänge im Standesamt anbieten." Und sie sucht für ihre Weinhandlung einen kleinen Laden, aber kein Lokal mehr wie bisher.

Ihre Stammgäste bedauern die Schließung. Niklas Kehl sagt: "Ich komme gern auf einen Wein hierher. Vermissen werde ich die liebevolle Art von Sabine. Hier ist es wie zu Hause." Übersetzerin Lorenza Mazzocato sagt: "Ich bin Italienerin, gehe gern abends zum Essen aus. Ich liebe hier die Salate, Flammkuchen und veganen Schokowaffeln. Vermissen werde ich aber vor allem unsere Gespräche über Literatur. Wir haben uns oft über Bücher ausgetauscht, die von starken Frauen und Feminismus handelten." Stammgast Gisela Broßner sagt: "Ich werde den Nachtisch vermissen, die schöne Atmosphäre und die sehr guten Weine." Für Wolf-Dieter Utschak geht mit der Schließung ein "Stück urbanes Leben verloren". "Ich habe im Sommer gern vor dem Lokal gesessen, gegessen, getrunken und das Treiben um mich herum beobachtet."

Bekannt ist die "Weinliebe" nicht nur für ihre Weine und das kulinarische Angebot, sondern auch für Weinproben, Tastings, Verkostungen, Livemusik und Lesungen. An diesem Abend ist Autorin Jasmin Meranius zu Gast. Sie liest den Gästen aus ihrem noch unveröffentlichten Crowdfunding-Buch "Liebeskummer plus - erfolgreich versagt" vor. Damit der Roman gedruckt wird, muss sie vorab 500 Exemplare à 13 Euro verkaufen. Erste Station ihrer Lesetour ist die "Weinliebe". "Sabine gehört zu meinen Testleserinnen. Ich habe hier bereits meine vier Krimis vorgestellt", sagt Meranius. Protagonistin ihres neuen Buches ist die von Liebeskummer geplagte Junior-Texterin Anna. Sie entwirft die beste Version von sich selbst, um ihre große Liebe zurückzuerobern. Wie hoch der Preis dafür ist, erfahren die Leser.

Lehmann-Rehmshagen lädt am Donnerstag, 28. November, ab 19 Uhr zu einer weiteren Lesung ein. Dann wird die in Goslar geborene Kriminalroman-Autorin Stella Fontana, die mit ihrer Familie in Barcelona lebt, ihren Krimi "Geltungstod" vorstellen. Es ist der zweite Fall für die Frankfurter Ermittlerin Anouk Bernstein. In ihrem neuen Wohnort Goslar ermittelt sie im Mordfall eines Lokalpolitikers auf dem Weihnachtsmarkt. Während sich Anouk im Netzwerk von patriarchalischer Macht und Gewalt vertieft, holt sie die Vergangenheit ein. (Foto: cf)

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