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Warum der Ausbau der S6 Bad Vilbel eine neue Straße beschert

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Die S-Bahn-Linie 6 bekommt zwei eigene Gleise - eine Baumaßnahme mit erheblichen Auswirkungen auf die Verkehrsführung in Bad Vilbel.
Die S-Bahn-Linie 6 bekommt zwei eigene Gleise - eine Baumaßnahme mit erheblichen Auswirkungen auf die Verkehrsführung in Bad Vilbel. © Symbolfoto: dpa

Auch ohne Therme wird Bad Vilbel ab Herbst ein Teilstück der Thermen-Zufahrt bekommen. Klingt unlogisch, ist es aber nicht: Die Bauarbeiten zum S6-Ausbau sind die Ursache.

Eine lange Schlange an Autos brummt morgens zum Georg-Büchner-Gymnasium und der John-F.-Kennedy-Schule. Und mittags wieder zurück. Dazwischen fahren Blechkarossen mit Ziel Berufsförderungswerk, zur Polizei, zur Feuerwehr, zur TV-Sporthalle, zum Freibad, zum Stadion und zum Tennisclub. Als Zufahrt ist die Straße Am Sportfeld enorm wichtig. Sie bindet das Quartier nahezu alleine an die Stadt an.

Ab dem kommenden Jahr wird es eng. Entlang des Bahndamms rückt die Bahn an, um die Main-Weser-Bahn auszubauen. Die S-Bahn-Linie 6 bekommt zwei eigene Gleise. Dafür muss nicht nur auf der Seite der Kasseler Straße ein Gleis angebaut werden - was dort platzmäßig kein Problem ist, auf der Sportfeld-Seite aber schon. Zwar wird der Bahndamm nach dem Ausbau nicht wesentlich mehr Platz benötigen. Stützwände statt der Böschungen sparen Platz. Für die Bauzeit benötigt die Bahn erheblich mehr Raum - konkret die Hälfte der Breite der Straße Am Sportfeld.

»Wir bohren durch den Bahndamm hindurch«, erläutert Julian Fassing, Projektleiter für den S6-Ausbau bei der Bahn-Tochter DB Netz. Die beiden Stützwände sollen miteinander verbunden werden. So können sie ineinander verankert werden. Das hält die Strecke obenauf fest. Wegen des Gestänges lasse sich die Baustelle auf der Straße technisch nicht schmaler gestalten. Die Straße halbseitig zu sperren, funktioniere wegen des Verkehrs nicht. »Wenn dann die Feuerwehr ausrücken muss, hat sie keine Chance.«

Pragmatische Lösung

Deshalb haben die Ingenieure der Bahn und die Fachleute der Stadt lange beraten. Selbst den Bau eines Übergangsquartiers für die Feuerwehr sei diskutiert worden. Letztlich haben sich beide Seiten auf eine pragmatische Lösung geeinigt. »Wir haben ein neues Verkehrssystem für das Gebiet entwickelt«, sagt Fassing. Konkret: Die Bahn baut eine zusätzliche Straße, um einen Ringverkehr zu ermöglichen. Diese Einbahnstraße soll die schon vorbereitete Ausfahrt aus dem oberen der beiden Kreisverkehre der Homburger Landstraße nutzen. Der soll später einmal als Zufahrt zur Therme dienen. Nördlich an der Bebauung entlang soll die neue Straße führen und damit zu den Schulen und bis zum Niddablick. Damit ist der Weg frei, dass die Straße Am Sportfeld entlang des Bahndamms ebenfalls zur Einbahnstraße wird - in Fahrtrichtung Kreisverkehr.

Bad Vilbels Verkehrsdezernent, Erster Stadtrat Sebastian Wysocki, erklärte noch gebe es keine vertragliche Vereinbarung. »Wir sind aber in konstruktiven Gesprächen.« Die zwischen Stadt und Bahn getroffene Verkehrsregelung sei ein Kompromiss. Die Bahn habe Baurecht zur Erweiterung der S6 und dürfe die Straße Am Sportfeld nutzen. Mit der geplanten Ringstraßenlösung könne das Wohngebiet vernünftig erschlossen werden.

Wysocki sagte, dass die Straße Am Sportfeld für die Feuerwehr und die Polizei jederzeit nutzbar sei, sodass es zu keinen Verzögerungen bei den Einsätzen kommen werde. Die Straße werde neben dem vorhandenen Massenheimer Weg als Provisorium gebaut. Die Wegeführung ende hinter dem Schulgelände. Hier gebe es einen beleuchteten Fußgängerüberweg. Der eigentliche Ausbau des Weges erfolge erst für die Therme, dann mit dem Leitungsbau. Die Bahn übernehme für das Provisorium sämtliche Kosten. Die Einbahnstraßenregelung solle aufgehoben werden, wenn der S-Bahn-Ausbau fertig ist.

Der neue Schulweg (Massenheimer Weg) ist laut Stadtrat Klaus Minkel bereits vergangenes Jahr inklusive Beleuchtung ausgebaut worden. Die Bahn will bereits im Herbst mit dem Straßenbau loslegen. Ihr Zeitplan ist straff. Anfang kommenden Jahres soll die Ringstraßenlösung in Betrieb gehen. Ab Ende 2022 soll die S6 auf der ausgebauten Strecke rollen.

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