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Walter Renneisen begeistert die Zuschauer in der Wasserburg auch als Trompeter.

Hessisch für Fortgeschrittene

Walter Renneisen präsentiert Eigenheiten der Hessen

  • VonChristine Fauerbach
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Walter Renneisen brillierte auf der Bühne der Bad Vilbeler Wasserburg mit seinem Programm »Hessisch für Fortgeschrittene«. Singend, rezitierend, plaudernd und babbelnd überzeugte er.

F ür mich ist es das größte Glück, wenn die Leute lachen«, hat Walter Renneisen einem Journalisten in einem Interview verraten. Bei seinem Gastspiel in der Wasserburg lachte das Publikum oft und herzhaft. Und bescherte so dem bekannten Schauspieler und Entertainer viele Glücksmomente. Der revanchierte sich für Lacher, Applaus und später auch Zugaberufe mit weiteren Perlen aus seiner Sammlung von Anekdoten, Gedichten, Kurzgeschichten und Kürzest-Geschichten aus dem Alltag der Hessen.

Mit seinem Programm »Hessisch für Fortgeschrittene« wirbt Walter Renneisen zudem gekonnt für die »großartige deutsche Sprache«, die vom Amerikanischen erdrückt zu werden droht. »Wie schön ist unser Hessisch«, schwärmte der vielseitige Künstler. Und bekennt: »Ich schätze diesen trockenen, zutreffenden, hessischen Humor.«

Kampf gegen die Sprach-Schieflage

Gegen die in Schieflage geratene deutsche Sprache, kämpft er mit seinem neuen Programm erfolgreich an: »Dagegen muss ich etwas tun!« In eigenen oder fremden Texten lässt er Hessen - und Nichthessen - zu Wort kommen. Er rezitiert Texte von Tacitus, Grimmelshausen, Goethe, Stolze, Heinz Erhardt, Jakob Falk, Ernst Schildger oder Fritz Ulrich. Der 81-Jährige entreißt literarische Zeitdokumente dem Vergessen, ruft sie ins Gedächtnis seiner Zuhörer zurück. Und er bricht immer wieder gekonnt eine Lanze für den »hessischen Dialekt«, besser gesagt den fünften der vier hessischen Dialekträume, das im Rhein-Main-Gebiet gesprochene Neu-Hessisch, aber auch Darmstädterisch und Frankforderisch. Aber auch der Wetterauer Zungenschlag mit dem rollenden »r« - »der Oberhesse hat das angelsächsische ›r‹ übernommen« - gehört zu den gern zitierten Klassikern seiner unterhaltsamen, musikalischen Dialektreise durch die »himmlische Sprache«.

Die nordatlantische Konsonantenverschiebung in der Wetterau erkläre, warum Elvis gleich nach der Landung in Bremerhaven weiter nach Friedberg in die Wetterau gefahren sei. »Da haben die Leute ihn verstanden!«

Selbstverständlich gab er Tipps zum Verstehen hessischer Redewendungen, die teils »wahnsinnig schön«, aber manchmal auch unfreiwillig komisch sind wie »Wo gehen Sie heute Abend hin?« »Ei, isch mach ins Bett!«

Andere hessische Mundarten erinnern je nach Tempo und Aussprache teilweise ans Chinesische wie Walter Renneisen gekonnt deklamierte. Kurz gesagt: »Dialekt sprechen ist wie eine zweite Fremdsprache sprechen.«

Hessische Volkslyrik bot er mit den beiden Gedichten »Bettnässer« und »Konzertbesuch« des Rüsselsheimer Mundartdichters Jakob Falk dar. Der in Mainz geborene und in Raunheim aufgewachsene Renneisen begeisterte seine Zuhörer nicht nur mit Mundarttexten, sondern auch auf Hochdeutsch. Obwohl er zuvor gewarnt hatte: »Man merkt es mir immer an, dass ich in Hessen aufgewachsen bin.«

Hessische Heiratsannoncen

Mit seinem mitten aus dem Leben gegriffenen Geschichten, trifft er auf breite Zustimmung beim Publikum. Um dann gleich wieder ein sensationelles Beispiel dafür zu geben, dass mit Hessisch sogar die Überbevölkerung gebremst werden könnte. Zwar ist beim Anbandeln das Hessische laut Walter Renneisen sehr gefragt, doch nicht immer trifft der Dialekt auf kundige Ohren. So wie bei einer seiner Kolleginnen, die nach einem seiner Dialoge mit einem Jugendfreund trocken feststellt: »Manche Männer verhüten ohne es zu wollen.« Renneisen kündigt an, dass er einen Band über Ernst Schildger herausgeben will, wie bereits zuvor über Jakob Falk geschehen. In seinem neuen Programm beleuchtet Renneisen mal humorvoll, mal kryptisch, mal kritisch, das Verhältnis von Männern und Frauen, wirft einen Blick in Familien, auf Kinder und Schule, auf hessische Heiratsannoncen, Autos, ihre Fahrer und deren Verwandlung hinter dem Steuer.

Danach rockte Walter Renneisen die Burg als Sänger, Pianist, Kontrabassist, Trompeter und Schlagzeuger mit Jazz und Rock’n’Roll. Das Programm endete mit Louis Armstrongs Klassiker »What A Wonderful World«.

Beim Verlassen der Burg nach mehreren Zugaben lautete der häufigste Kommentar der Fans - im passenden Dialekt: »Ach, was war des widder schee!«

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