Der gute alte Plakatwahlkampf lebt auch bei diesen Kommunalwahlen, wie man an den riesigen Plakten entlang der Bahnhofstraße in Karben sehen kann. Die Wahl findet am 14. März statt.
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Der gute alte Plakatwahlkampf lebt auch bei diesen Kommunalwahlen, wie man an den riesigen Plakten entlang der Bahnhofstraße in Karben sehen kann. Die Wahl findet am 14. März statt.

Kommunalwahl

Wahlkampf in Bad Vilbel und Karben: Mehr digital, aber auch noch analog

Volle Säle und Straßenwahlkampf mit Händeschütteln? Wegen Corona unmöglich. Doch die Parteien haben sich etwas einfallen lassen. So läuft der Corona-Wahlkampf in Bad Vilbel und Karben.

Übereinstimmend haben alle befragten Parteien erklärt, sie nutzten jetzt verstärkt die digitalen Kanäle. Aber was genau lassen sie sich einfallen? Der Vorsitzende der stärksten Partei in Bad Vilbel, Tobias Utter von der CDU, sagt dazu: »Auf Facebook und Instagram sind wir aktiver als je zuvor. Dort stellen wir unser 45-Punkte-Kurzwahlprogramm vor, präsentieren unsere Kandidaten und kommen mit den Menschen ins Gespräch. Unser Neujahrstreffen haben wir mit Jens Spahn als Videokonferenz durchgeführt, und weitere werden folgen.« Zudem zeige die Union in Videos unter dem Motto »#VilbelLiebe« auf, wie gut sich die Stadt entwickelt habe.

Außerdem sei man über »VilbelFon« unter der Rufnummer 01 57/33 89 57 00 für alle Bürger per WhatsApp für Fragen und Anmerkungen erreichbar. »Das wird sehr gut genutzt«, betont Utter.

Corona-Wahlkampf in Bad Vilbel und Karben: „Fragenhagel“ und Facebook-Treffen

Parallel dazu bietet die CDU Verteil-Aktionen und Wurfsendungen in die Briefkästen an. Hinzu käme die CDU-Zeitung »Die Quelle«. Auf der Straße sei man trotzdem präsent, wenn auch anders als sonst: »Unsere Kandidaten verteilen gefüllte ›#VilbelLiebe‹-Tüten. Darin finden sich ein Info-Paket und kleine Werbegeschenke. »Mithilfe eines Kleiderständers und viel Abstand geht das völlig kontaktlos, betont der Vorsitzende.

Eine andere Form des digitalen Wahlkampfs nennt der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Kühl. Seit Samstag biete die Partei »virtuelle Infostände an, in denen sich die Bürger entweder per Zoom oder per Telefon mit den Parteimitgliedern austauschen können. Außerdem sei man in Facebook sehr aktiv. Schon vor Weihnachten habe die SPD mit einem »virtuellen Adventskalender« die ersten 23 Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung sowie die Spitzenkandidaten für die Ortsbeiräte Kernstadt und Dortelweil vorgestellt. Ebenso habe man den »Fragenhagel«, wo sich die SPD-Kandidaten Fragen stellen. Die Internetseite www.spd-badvilbel informiere ausführlich über die Bewerber und die politischen Ziele für die nächsten Jahre. Kühl verweist zudem auf die virtuellen Veranstaltungen im Dezember mit dem Landtagsabgeordneten Tobias Eckert, den Neujahrsempfang mit dem Offenbacher Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke und eine Veranstaltung mit Rouven Kötter.

Corona-Wahlkampf in Bad Vilbel und Karben: Virtuelle Veranstaltungen mit großer Reichweite

Als Vorteile einer virtuellen Veranstaltung sieht Kühl vor allem die Reichweite, die man über eine Präsenzveranstaltung sehr wahrscheinlich nicht erreichen würde, sowie die Möglichkeit, sich die Veranstaltungen jederzeit über Youtube noch einmal in Ruhe anschauen zu können. Weil eine virtuelle Veranstaltung niemals eine Präsenzveranstaltung ersetzen könne, gebe es weiterhin intensive Pressearbeit, Flyer und eine Zeitung, die die SPD flächendeckend verteile.

Clemens Breest und Kathrin Anders weisen für die Grünen darauf hin, dass sie ein digitales Info-Treffen bieten. Samstags von 12 bis 15 Uhr könne man sich in die Videokonferenz einwählen und mit den Grünen-Kandidaten sprechen. Zudem würden in digitaler Form Kandidaten und deren Themen in Filmchen präsentiert. Klassische Wahlwerbung wie Wahlplakate und Printmedien setzen die Grünen nach eigenen Angaben maßvoll ein. Breest erklärt: »Wir glauben nicht, durch eine Materialschlacht die Gunst der Wähler zu gewinnen. Wir achten bei der Wahlwerbung auf Ressourcenschutz, indem möglichst wenig Plastik und viel Recyclingmaterial zum Einsatz kommt.«

Manfred Manthey, Vorsitzender der Vilbeler Freien Wähler, sagt, man komme »nicht mit Unmengen von Plakaten, mehrseitigen Hochglanzbroschüren und aufwendigen Internetauftritten. Wir informieren die Interessierten seit langer Zeit mit einer Bürger-Info als E-Mail und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.« Die Kandidaten seien in der Regel in Bad Vilbel bekannt, würden aber auch auf den Plakaten vorgestellt. Wie Manthey weiter mitteilt, sei für Filme kein Geld vorhanden; digitale Versammlungen fänden zurzeit nicht statt. »Die Rentner informieren sich bei uns über die Weitergabe der Bürger-Info, auch mal über Fax oder Kopien und die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda und die vorhandenen persönlichen Kontakte zu den Mitgliedern und Kandidaten. »Mit Flyern kann man aus unserer Sicht keine großen Erfolge erzielen bzw. Wähler überzeugen, hier zählen Taten«, sagt der FW-Vorsitzende.

Corona-Wahlkampf in Bad Vilbel und Karben: Digital und analog zugleich?

Ein ähnliches Bild wie in Bad Vilbel zeigt sich auch in Karben. CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzender Mario Beck sagt, der Wahlkampf finde diesmal viel digitaler statt als früher - aber nicht nur. »Wir verteilen auch Broschüren in die Briefkästen.« Außerdem plakatiere die Partei, das seien die beiden klassischen Instrumente. Laut Beck stellen sich die Kandidaten via kurzer Videoclips in den sozialen Medien vor. Digitale Versammlungen habe man sowohl intern als auch extern. Bereits vor rund zehn Monaten habe die CDU mit Live-Chats begonnen, »die teils Tausende Aufrufe haben. Der zum Thema Continental hat mit über 5000 Aufrufen alle Rekorde gebrochen.« Man sei begeistert, wie viele Menschen die Partei über diese Formate erreiche - »viel mehr als früher bei Versammlungen«. Deshalb werde man auch nach der Wahl und nach Corona diese Live-Chats fortsetzen. Die CDU werbe bei den Senioren klassisch mit Broschüren und zahlreichen Pressemitteilungen.

Ganz anders die Grünen. Deren Sprecher Lindon Zena betont, derzeit finde der Wahlkampf rein digital statt. Man stelle Teile des Wahlprogramms und andere für die Kommunalwahl relevanten Aktivitäten auf Facebook und Instagram. Zudem verweist Zena auf die Webseite der Partei.

Corona-Wahlkampf in Bad Vilbel und Karben: Flyer, Plakate und digitale Wahlstände

Im Gegensatz zur CDU haben die Grünen indes nicht geplant, digitale Veranstaltungen durchzuführen. Die Bürger, vor allem Senioren, die man nicht über das Internet erreichen könne, werde man über die klassischen Medien wie Flyer, Pressemitteilungen sowie Plakaten zu erreichen versuchen.

Auf digitale Wahlstände verweist der Karbener FDP-Vorsitzende Oliver Feyl. Anstelle eines Wahlstandes werde ein Plakataufsteller vor Ort stehen, und dann werden die interessierten Bürger über Videochat, Telefon oder WhatsApp in einem bestimmten Zeitraum direkt mit den Kandidaten in Kontakt treten können. Darüber hinaus bestehe rund um die Uhr die Möglichkeit, Fragen per E-Mail zuzusenden.

Speziell für Senioren habe man bei den digitalen Wahlständen die Möglichkeit des Anrufs vorgesehen. Sowohl Feyl als auch Beck verweisen darauf, dass Senioren im Bezug auf digitale Medien enorm aufgeholt haben und sich mindestens im Bereich E-Mail und WhatsApp gut auskennen. »Aber auch das Medium Flyer, der noch verteilt wird, wird den Zielgruppen gerecht, die es weniger digital haben möchten.«

Corona-Wahlkampf in Bad Vilbel und Karben: Straßenwahlkampf nicht mehr zeitgemäß?

Auch der Wahlkampf der Karbener SPD findet »primär in digitalisierten Formaten und weniger in konventioneller Form« statt, sagt Vorsitzende Nora Zado. Von den Spitzenkandidaten für die Stadtverordnetenversammlung und die sieben Ortsbeiräte habe man Bilder und Kurzfilme erstellt, die die SPD auf ihrer Homepage und auf den Facebook- und Instagram-Seiten über Youtube veröffentlichen.

Zudem habe man digitale Versammlungen mit der Bundesvorsitzenden Saskia Esken und dem Bezirksvorsitzenden Kaweh Mansoori gestaltet und öffentlich zugänglich gemacht. Mit der Resonanz sei man zufrieden; es habe viel positives Feedback geben, »auch wenn wir uns eine noch höhere Beteiligung gewünscht hätten«.

Auf einen Straßenwahlkampf habe die SPD abgesehen von einigen Plakaten ganz verzichtet. Es seien einzelne Flyer verteilt worden. »In Zeiten des Klima- und Umweltschutzes erscheinen viele Print-Formate nicht mehr zeitgemäß«, sagt Zado. Bei den Pressemitteilungen halte sich die SPD stark zurück und bringe auch so gut wie keine Kandidatenbilder und großspurigen Wahlversprechen.

Die SPD-Senioren, die über keinen Internetzugang verfügen, informiere man durch persönliche Benachrichtigung in Schriftform, »wofür wir einen eigenen Verteilerkreis geschaffen haben«.

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