Tim Wegge (links) und Braumeister Christian Depré haben 1000 Flaschen Vilbeler "Pirate Porter" kreiert. Ein Bier, das in ausgedienten Rumfässern reift, und den Fässern so ein zweites Leben einhaucht.
+
Tim Wegge (links) und Braumeister Christian Depré haben 1000 Flaschen Vilbeler »Pirate Porter« kreiert. Ein Bier, das in ausgedienten Rumfässern reift, und den Fässern so ein zweites Leben einhaucht.

Lokales Bier

„Pirate Porter“ aus Bad Vilbel: Das macht die neue Biersorte besonders

  • VonNiklas Mag
    schließen

Eine Bad Vilbeler Koproduktion ermöglicht eine ganz neue Form von heimischem Bier. „Pirate Porter“ heißt das Bier der Felwila-Brauerei, das in Rumfässern von Tim Wegges Genusserie reift.

Bad Vilbel – Pirate Porter heißt das Bier, dass die Felwila-Brauerei nun anbietet. 1399 lautet die Jahreszahl auf der Flasche, denn damals hatte der in Bad Vilbel ansässige Raubritter Bechtram ein Warenschiff aus Frankfurt überfallen. »Außerdem reift das Bier in leeren Rumfässern. Auch da haben wir einen Piratenbezug«, erzählt Tim Wegge von der Genussserie.

Mit einer Craftbierbrauerei, die eine Zeit lang in Bad Vilbel ansässig war, hatte er vor Jahren schon einen Versuch gestartet. Damals war die Arbeit zu viel für eine eher geringe Abfüllmenge. Nun hat sich das geändert. Mit der Felwila-Brauerei bietet sich jetzt eine neue Chance und eine weitere Möglichkeit für eine Vilbeler Kooperation.

„Pirate Porter“-Bier aus Bad Vilbel (Wetterau): Englisches Dunkles als Vorbild

»Ich fand die Idee sehr charmant, dass das Bier das Aroma des Rums bekommt. So können wir auch das Handwerk hinter der Bierherstellung etwas zeigen«, erklärt Bernd Kaffenberger. Er ist Kaufmann und leitet in Bad Vilbel die Rewe-Filialen, hat die Brauerei Felwila mitgegründet und konnte während der Pandemie ein Auffangnetz für die in die Krise gerutschten Gastronomen bieten. Dritter im Bund ist Christian Depré. Der Braumeister ist fürs Technische zuständig und weiß: »Es muss dunkles Bier sein. Das passt zu dem historischen Charme des Ganzen.«

Ein Vorbild sei das englische Bier gewesen. »Ich habe also Bier gebraut mit etwas anderer Rezeptur als das dunkle Felwila-Bier. Es ist etwas stärker geworden.« Es sei auch für ihn als Experten schwer gewesen einzuschätzen, wie sehr das Bier den Rumgeschmack annehme, der noch im Holz der Fässer hängt. »Das wurde in den beiden Fässern, die ich von Tim Wegge bekommen hatte, auch recht unterschiedlich, deshalb habe ich in einem Edelstahltank alles homogenisiert.« Das Ergebnis riecht und schmeckt deutlich nach Rum. Die bisherigen Urteile der Tester seien allesamt positiv, erzählen die drei Männer.

Nachhaltiger Kreislauf geplant: „Pirate Porter“-Bier in Bad Vilbel (Wetterau) aus Rumfässern

Noch ist das Produkt nur ein Teil der Zusammenarbeit des Trios, denn auch ein nachhaltiger Kreislauf sollte geschaffen werden. »Die Rumfässer, die aufwendig von Hand hergestellt und nach Europa transportiert werden, erhalten auf diese Weise ein zweites Leben. Danach sind sie für Getränke nicht mehr zu benutzen.«

Doch auch ein drittes Leben wird dem Fass geschenkt: »Die Firma Energieholz von Henrik Jakobi macht die Fässer danach klein. Das Holz kann zum Räuchern von Fleisch oder Fisch verwendet werden und wird zukünftig verkauft«, erklärt Tim Wegge.

„Pirate Porter“-Bier aus Bad Vilbel: Graffiti-Künstler gestaltet Ettiket

Für das Etikett der Flasche hat die Kooperation einen bekannten Künstler gewinnen können: Akut, der aus dem international tätigen Duo Herakut bekannt ist, hat dieses entworfen und gezeichnet. Herakut ist für viele der überall in Bad Vilbel sichtbaren Graffitis und Wandbilder verantwortlich. Ein enormer Aufwand für ein Bier: »Das ist etwas ganz Besonderes zum Genießen. Wir werden 1000 Flaschen davon abfüllen, denn mehr geben die beiden Fässer nicht her«, sagt Kaffenberger. Wegge ergänzt: »Sobald wieder Rumfässer bei mir verfügbar sind, können wir erst neues brauen. Das kann etwa ein Jahr dauern.« Wegen der vielen Arbeitsschritte, der komplizierten Logistik und dem Organisationsaufwand beläuft sich eine Flasche Pirate Porter auf acht Euro. Handarbeit hat ihren Preis. (nma)

Verbunden mit Bad Vilbeler Geschichte

Das Pirate Porter ist in der Genusserie bei Tim Wegge oder im Rewe-Kaffenberger Getränkemarkt zu bekommen. Felwila ist der Ur-Name Bad Vilbels, die Brauerei wurde im vergangenen Jahr gegründet und versorgt die Quellenstadt seitdem mit eigenen Biersorten. Die Jahreszahlen auf den Etiketten spielen auf wichtige Daten in der Geschichte der Stadt an. nma

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare