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Das Etikett der Eistee-Flaschen wird sich demnächst nocheinmal verändern. Schritt für Schritt entwickelt Paul Sahm seine Firma weiter.

Privatmann kreiert neuen Eistee

Bad Vilbeler Eistee: Zuckerfrei und trotzdem süß

Bisher ist Bad Vilbel bekannt als Stadt der Quellen und des Mineralwassers. Geht es nach Paul Sahm, soll diese Aufzählung in einigen Jahren um ein Getränk ergänzt werden: Eistee. Der Trick: Der Tee ist zuckerfrei und trotzdem süß.

Geht es um Getränke, gilt in Bad Vilbel eigentlich das ungeschriebene Gesetz "Es kann nur einen geben". Doch selbst der größte Konzern hinterlässt irgendwo eine kleine Nische, die ausgefüllt werden will. Der Dortelweiler Paul Sahm hat sie gefunden: Bio-Eistee. Das Zaubermittel, auf das der 22-Jährige dabei zurückgreift, ist Stevia, eine in Südamerika beheimatete Pflanze, deren Blätter vor allem eines sind: sehr süß.

Das Business hat den jungen Geschäftsmann inzwischen nach Frankfurt verschlagen. Entspannt in einem alten Sessel zurückgelehnt, den Laptop auf den Knien, lenkt er die Geschäfte seines jungen Unternehmens. Start-Ups ohne Sofamöbel sind heutzutage nicht mehr denkbar. Dort, im dichtbebauten Herzen Seckbachs lebt Sahm mit fünf weiteren Studierenden in einer Wohngemeinschaft. Mit trendiger Kurzhaarfrisur, einem leichten Dreitagebart und einem sportlichen Adidas-Shirt sieht Sahm aus wie ein gewöhnlicher Student, fernab jeglichen Klischees über Bio-Produkte.

Aauch ohne Batik-Shirt und Häkelnadeln, ein gesunder und nachhaltiger Lebensstil ist Sahm wichtig: "Ich finde es traurig, was es für schlechte Lebensmittel auf dem Markt gibt", sagt der Betriebswirtschafts-Student. In viel zu vielen Erfrischungsgetränken gebe es nur all zu überflüssige Zusätze. Rückblickend taugt es da als Anekdote, dass Sahm als Kind eine kleine Stevia-Pflanze geschenkt bekam. Noch heute steht ein solches Gewächs solide gehegt in der WG.

Bad Vilbeler Eistee: Tage in der Teeküche

Ausgehend von dieser Pflanze entstand im Jahr 2016 eine Idee: Bio-Eistee, kalorienfrei, natürlich und dennoch süß. Etliche Stunden, Tage und Wochen verbrachte Sahm damals in seiner Dortelweiler Teeküche, brühte Tee auf, pflückte Stevia-Blätter, entwickelte Rezepte und verfeinerte sie. Parallel dazu gründete er Ende 2016 die MainTea GmbH.

Noch keine 20 Jahre alt, war es bereits die dritte Firmengründung für den Self-Made-Men. "Ich wollte schon immer etwas eigenes machen", erklärt er sich. Doch während die Messebaufirma und sein Garten- und Landschaftsbauunternehmen nur Mittel zum Zweck waren, um etwas Geld nach dem Fachabitur zu verdienen, steckt in der MainTea GmbH seine ganze Leidenschaft.

Zwei Produkte der Marke "Steavia" konnte Sahm bereits in die Getränkemärkte und Gastronomien bringen: die Geschmacksrichtungen Ingwer-Zitronengras und Granatapfel-Rooibos. Letztere ist bereits ausverkauft, soll aber vorerst aus dem Sortiment gestrichen werden, stattdessen komme in Kürze ein Himbeer-Eistee auf den Markt. Sahm hat noch etliche weitere Ideen, doch er bevorzugt ein gesundes Wachstum für sein Start-up und geht behutsam die nächsten Schritte an.

Wichtiger als schnelle Expansion ist ihm dabei die Qualität: "Für meinen Himbeereistee arbeite ich mit einem Direktsaft, meine BWL-Professoren würden da vermutlich nur mit dem Kopf schütteln." Doch auch wenn die Rohstoffe teuer sind, Sahm ist es das wert: "Der Geschmack soll greifbar sein", ist seine Devise. Ein Blick auf das Etikett verdeutlicht seine Worte: Wasser, Ingwer, Zitronengras, Steviablätter, Zitronensaft - mehr ist in seinem würzig-süßen Eistee nicht zu finden.

Bis dieser Geschmack so vollendet wurde, war es ein langer Weg: "Es gab einiges zu lernen", blickt der Gründer zurück. So einiges was er in seiner kleinen Teeküche ausgetüfftelt hatte, erwies sich in der großen Abfüllanlage als nicht umsetzbar. Doch die meisten Hindernisse seien nun überwunden.

Gemeinsam mit einer Werkstudentin, einem Mitgesellschafter und natürlich der tatkräftigen Unterstützung von Freunden und Verwandten soll das Unternehmen nun weiter wachsen. Einen zusätzlichen Investor sucht er und der Vertrieb soll ausgebaut werden. Denn selbst mit Flaschen im Rucksack von Getränkehandel zu Restaurant ziehen und das Produkt anpreisen, diese Zeiten sind notgedrungen vorbei: "Es gibt zu viel zu tun."

Konkurrenz sieht Sahm dabei keine. Die Frankfurter Getränkefirma "TeeFee", die bereits vor einigen Jahren Stevia für sich entdeckt hat, produziert Kindergetränke, Sahm sieht seinen Eistee hingegen als Lifestyle-Produkt. Und Hassia? "Für die sind wir viel zu klein", betont er, wenngleich er den Getränkegiganten "sehr spannend" findet.

Bad Vilbeler Eistee: In vielen Läden erhältlich

In zahlreichen Regalen der Gegend, etwa bei Rewe Fuchs und Kaffenberger seien seine Eistees bereits zu finden, in Kürze kündigt er eine Listung in den Alnatura-Märkten an. Seinem Traum, eine Produktpalette mit sechs Produkten deutschlandweit etabliert zu haben, kommt er dabei Stück für Stück näher. Doch eine goldene Regel werde er bei all dem Wachstum nie missachten, verspricht er: "Egal was die anderen sagen, es muss immer mir selbst schmecken, sonst kommt es nicht auf den Markt."

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