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Ganz entspannt kann der Bus auf eine Lücke im Gegenverkehr warten, denn dank der roten Mittelspur gibt es hinter ihm keinen Stau.

Rote Mittelspur

Bad Vilbel: Was hat es mit den roten Streifen in der Friedberger Straße auf sich?

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Die Friedberger Straße, die sich von Dortelweil aus quer durch Bad Vilbel zieht, ist geprägt von den auffällig roten Mittelstreifen. Warum sind sie dort?

Jeder Bad Vilbeler kennt sie und jeder Bad Vilbeler nutzt sie. Die roten Mittelstreifen auf der Friedberger Straße. Diese auffällige Straßenbemalung liegt zwischen beiden Fahrspuren, beginnt in Dortelweil am Kreisel Theodor-Heuss-Straße, ist auf der Brücke zur Kernstadt kurz unterbrochen und beginnt vor der Kreuzung an der Büdinger Straße erneut. Vor dieser Ampel verwandelt sich der Streifen außerdem kurz in die linke Abbiegespur.

Stehen die Autos wieder einmal Schlange, können Fahrer, die links abbiegen wollen auf dem roten Streifen an den Geradeausfahrern vorbei und auf den Parkplatz von ATU, Rewe Kaffenberger oder auf die Abbiegespur in die Büdinger Straße fahren. Doch ist das eigentlich erlaubt?

Jeder Vilbeler hat sich in seinem Auto sitzend diese Frage schon mehrmals gestellt. Im morgendlichen Verkehr zumindest, sind sich die Fahrer nicht ganz sicher, wofür die Streifen genutzt werden dürfen: "Ich komme von weiter her und fahre nicht so oft in Bad Vilbel", sagt eine Fahrerin, die gerade an der Aral-Tankstelle ihr Auto betankt. "Aber ich versuche, diese roten Streifen weitgehend zu vermeiden, weil ich mir einfach nicht sicher bin", berichtet sie.

Ratlos an der Tankstelle

Auch zum Abbiegen traue sie sich nicht wirklich darauf. Ein vorbei kommender Bad Vilbeler schaltet sich in das Gespräch ein. Auch er gibt zu: "Ich habe keine Ahnung, wofür diese roten Mittelstreifen eigentlich gedacht sind." Doch findet er: "Die funktionieren super. Gerade was das Linksabbiegen angeht, hält das nicht mehr den gesamten Verkehr auf, weil die Spur blockiert ist." Er würde die Streifen dafür nutzen.

Dass die Streifen Abbiegerstaus verhindern, dürfte jedem Autofahrer in den vergangenen Jahren positiv aufgefallen sein.

Doch ist es an dieser Stelle Zeit, mal die ganz offizielle Seite zu hören: "Die Einführung einer entsprechenden Mischspur erfolgte erstmalig in Bad Vilbel bei der Umgestaltung der Friedberger Straße in Dortelweil", berichtet der Erste Stadtrat Bad Vilbels und Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki (CDU).

Ideal zum Ausweichen

Damals sei mit Hessen Mobil die Einführung einer solchen Mischspur abgestimmt worden. Die Friedberger Straße in Dortelweil wurde zu dieser Zeit in ganzer Länge als Stadtstraße ausgebaut. "Es gibt eine Vielzahl an Grundstücks Ein- und Ausfahrten zu dieser Straße. Aus diesem Grund wurde zwischen den Geradeausspuren eine Mehrzweckspur ausgewiesen, die farblich abweichend gestaltet wurde und die abschnittsweise unterschiedliche Funktionen übernehmen kann", schildert Wysocki.

Die Spur erlaube Linksabbiegern das Ausscheren und Warten. Außerdem können im Verlauf der Spur Fahrbahnteiler angeordnet werden, die als Querungshilfe für Fußgänger und Radler dienen können.

Auf der Friedberger Straße, die zur Kernstadt führt, befinden sich geschätzt alle 50 Meter solche kleinen Verkehrsinseln auf der Mischspur. Wysocki betont: "Es handelt sich bei der rot markierten Fläche nicht um eine Sperrfläche." Und die roten Streifen können angeblich noch mehr. So würden sie auch für eine optische Gliederung und Einengung des Fahrbahnquerschnitts sorgen und dadurch die Durchgangsgeschwindigkeiten der Autos vermindern. Auch bei Ausweichmanövern kann der Streifen überfahren werden, richtungsgebunden ist er an keiner Stelle.

"Eine explizite Richtlinie für Mehrzweck- streifen existiert nicht", erklärt Sebastian Wysocki. Doch heißt das nicht, dass auf den Streifen alles erlaubt sei. "Hier gilt Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung", erläutert der Verkehrsdezernent und zitiert: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr als nach den Umständen vermeidbar behindert oder belästigt wird." Wertvolle Grundregeln, die zum Glück auf allen Bad Vilbeler Straßen gelten, nicht nur auf denen mit dem großen roten Mittelstreifen.

Das Konzept der Mischspur scheint erfolgreich zu sein. So erfolgreich, dass die Stadt Bad Vilbel dieses auch auf die Homburger Straße angewendet hat. Seit dem Umbau der Straße im vergangenen Jahr befindet sich auch dort ein entsprechender roter Mittelstreifen. Doch alles hat einen Preis: Zugunsten der Mittelstreifen musste eine Fahrradspur weggelassen werden, die der Radfahrclub ADFC gefordert hatte. Aus Platzgründen war nicht beides machbar.

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