Machen sich für das Wachsen des Waldorfkindergartens Bad Vilbel stark (von links): Maike Lübert, Irmhilde Huther und Leonardo Langheim. 	FOTO: JANA KÖTTER
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Machen sich für das Wachsen des Waldorfkindergartens Bad Vilbel stark (von links): Maike Lübert, Irmhilde Huther und Leonardo Langheim. FOTO: JANA KÖTTER

Waldorfkindergarten investiert

Bad Vilbeler Waldorfkindergarten investiert eine halbe Million Euro

Corona hat auch den Waldorfkindergarten Bad Vilbel getroffen: Bewusst hatte man hier zeitweise die Elternbeiträge ausgesetzt - während Kosten eines 500 000-Euro-Umbaus zu stemmen waren.

Helles Holz dort, wo vor kurzem noch graues Linoleum lag. Große Dachfenster durchfluten den Raum mit Licht, der vor wenigen Wochen nur zwei kleine Fenster hatte. Dass hier langsam Leben einzieht, beweisen nicht nur die Schlafzelte im Nebenraum, die während der Mittagszeit schon »bewohnt« sind, sondern auch das Kinderlachen im Treppenhaus. Anfang der Woche ist die dritte Gruppe des Waldorfkindergartens in das frisch umgebaute Gebäude eingezogen, schon bald soll eine vierte Gruppe hier, im Obergeschoss des früheren »Spielhauses« der Stadt, ein neues Zuhause finden.

Das frühere »Spielhaus« ermöglicht dem Waldorfkindergarten aktuell, der Nachfrage entsprechend zu wachsen. Bis vor einem Jahr noch wurden zwei Kindergarten- und zwei Krippengruppen betreut, »doch wir haben zunehmend Nachfragen«, erklärt Leonardo Langheim, Vorstand des Vereins zur Pflege der Waldorfpädagogik Bad Vilbel. So setzt sich eine Schulgründungsinitiative rund um Mutter Maike Lübert aktuell sogar dafür ein, dass eine eigene Waldorfschule in Bad Vilbel entsteht.

Waldorfkindergarten Bad Vilbel: Als erste Einrichtung im Kreis wieder voll in Betrieb

Für die jüngeren Kinder hat das »Spielhaus« nun eine einzigartige Chance der Erweiterung am Standort geboten: Auf den ersten Blick von außen ohnehin eine Immobilie, waren die zwei Häuser im Inneren jedoch bislang getrennt. Seit das »Spielhaus« als Betreuungsangebot der Stadt endete, stand es zunehmend leer. »Faktisch haben wir ein 30 Jahre altes, runtergewirtschaftetes Haus übernommen«, erklärt Langheim.

Dabei hat der Umbau die Einrichtung vor bedeutende Herausforderungen gestellt. Die Kosten in Höhe von 500 000 Euro waren eigens vorfinanziert worden - in der Erwartung eines Programms der Bundesregierung, dessen Topf dann jedoch deutlich schneller geleert war als gedacht, sagt Langheim. Nun wolle das Land Hessen zwar einen Topf aufsetzen, aus dem der Umbau unterstützt werden könnte - doch dieser lasse auf sich warten. Sprich: Die 500 000 Euro lasteten zuletzt noch immer auf den Schultern des Kindergartens. »Die Stadt ist uns aber toll zur Seite gesprungen«, lobt Langheim. Sie habe finanziell unter die Arme gegriffen, »sodass wir nun gemeinsam auf das Land Hessen warten können«. Ohnehin unterstütze die Stadt die Vorhaben »vorbildlich«, sagt Langheim. Nicht zuletzt ist für sie der Ausbau der Betreuungsplätze (siehe Kasten) wichtig.

Waldorfkindergarten Bad Vilbel: Kurzarbeit angemeldet, um Geld zu sparen

Dabei kam die Ablöse der Vorfinanzierung in einer Zeit, die das Coronavirus noch deutlich erschwert hatte. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen (diese Zeitung berichtete) hat der Waldorfkindergarten während der coronabedingten Schließung im April und Mai die Elternbeiträge komplett ausgesetzt. »Wir haben sehr zügig Kurzarbeit für unsere Mitarbeiter angemeldet, um unsere Liquidität zu erhalten.« Mit dem Ausbau der Notbetreuung sei dann wieder Stück für Stück aufgestockt worden, erklärt Waldorfpädagogin Irmhilde Huther.

Ohnehin, erklärt Langheim, stehe der Waldorfkindergarten als freier Träger auf drei Beinen: Rund ein Drittel trage das Land, rund ein Drittel die Stadt, rund ein Drittel machten die Elternbeiträge aus. Um dieses Drittel abzufedern, hatte man offen um Spenden gebeten. »Die Lücke war am Ende minimal«, sagt Langheim. Tatsächlich, erklärt der Vater von drei Kindern, stehe man sich in der Waldorfpädagogik sehr nah, die Verbindung zur Einrichtung sei hoch.

Waldorfkindergarten Bad Vilbel:Architektur hilft bei Hygienekonzept

Bereits seit Juni läuft der Waldorfkindergarten wieder im vollen Betrieb - »als erster Kindergarten im Wetteraukreis«, betont Langheim.

Vor allem der Druck der Eltern, wieder auf eine Betreuung zurückgreifen zu können, habe zu dem Schritt motiviert. Also hat sich das Team ein entsprechendes Konzept überlegt: Eine Gruppe wurde etwa kurzerhand zur »Waldgruppe« ernannt, um Platz im Haus zu schaffen, die Eltern wurden per Videochat informiert, erzählt Huther. Darüber hinaus ist es aber gerade die Architektur des Hauses, die den problemlosen Rückkehr zur »Normalität« ermöglicht hat: Jede Gruppe verfügt - so wie es die Corona-Auflagen vorsehen und vielen Einrichtungen Kopfschmerzen bereiten - ohnehin über ein eigenes Bad, eine eigene Küche, eigene Ein- und Ausgänge. Nicht zuletzt das »Spielhaus« hat eine weitere Tür geschenkt.

Im Waldorfkindergarten werden aktuell rund 80 Kinder in drei Gruppen sowie der Kinderkrippe betreut. Die Einrichtung wächst: Die dritte Gruppe kam erst vergangenes Jahr hinzu; sobald Betreuerinnen gefunden sind, kann im neu renovierten Anbau die vierte Gruppe starten. So ist ein Ausbau auf bis zu 120 Betreuungsplätze geplant. Im Jahr 2022 wird der dann gewachsene Waldorfkindergarten am Standort Bad Vilbel seinen 40. Geburtstag feiern. jkö

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