Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sortieren das angelieferte bzw. abgeholte Obst und Gemüse, das am Nachmittag an die Tafel-Kunden ausgegeben wird. Christa Jobst freut sich, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter dank des ausgefeilten Hygienekonzepts wieder mitarbeiten können. FOTO: ANNE-ROSE DOSTALEK
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Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sortieren das angelieferte bzw. abgeholte Obst und Gemüse, das am Nachmittag an die Tafel-Kunden ausgegeben wird. Christa Jobst freut sich, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter dank des ausgefeilten Hygienekonzepts wieder mitarbeiten können. FOTO: ANNE-ROSE DOSTALEK

Tafel Bad Vilbel

Bad Vilbeler Tafel ist von der Pandemie "überfallen" worden

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Die Corona-Pandemie hat die Lebensmittelausgabe der Bad Vilbeler Tafel kurz ins Stocken gebracht. Dank eines ausgefeilten Hygieneplanes ist sie nun aber gut in den Herbst gestartet.

Mittwochvormittags ist im Hof der Lebensmittelausgabe Hochbetrieb. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sortieren das angelieferte Obst und Gemüse. Es sind Kisten mit Karotten und Kohlköpfen, Tomaten, Salat und Radieschen, Bananen und Orangen. Drin stehen schon abgepackte Tüten gefüllt mit haltbaren und frischen Lebensmitteln wie Nudeln und Reis, Milch und Eier, Mehl, Tee und Backwaren.

"Wir sind seit Juni wieder da und nehmen auch Neuanmeldungen an", sagt Christa Jobst, Leiterin der Bad Vilbeler Tafel. Die engagierte Frau atmet tief durch in der Erinnerung, wie es damals war, als sie im Frühjahr von der Pandemie regelrecht "überfallen" wurden. "Wir hatten keine Masken, keine Desinfektionsmittel und vor allem keinen Plan, wie es weitergehen könnte", sagt sie. Doch das habe sich komplett geändert.

Tafel Bad Vilbel: Wartebereiche und Zeitkarten

"Hier vor dem überdachten Lagerraum stellen wir unsere Ausgabetische und Obstkisten quer als Absperrung auf, damit der Abstand eingehalten wird", sagt sie und schildert den neuen Ablauf der Lebensmittelausgabe: Die Kunden kommen in den Innenhof und folgen den Absperrbändern, die ihnen die Wege und Wartebereiche anzeigen. Damit es nicht zu unwillkommenen Ansammlungen kommt, ist ein Zuteilungssystem mit Zeitkarten für jeden einzelnen Kunden bzw. Haushalt eingeführt worden. "Pro Viertelstunde kommen fünf bis sechs Kunden und holen sich ihre Tüten, Frischgemüse und Obst ab", erklärt Jobst. Anders als früher, also vor der Pandemie, gebe es keine Stationen mehr, bei denen sich die Kunden selber aussuchen können, was sie brauchen.

Jobst begrüßt an einem separaten Tisch mit "Spuckschutz" aus Plexiglas die Kunden, die ihre Zeitkarten vorzeigen und den Obolus von einem Euro bezahlen. Jeder Kunde ist gelistet, also registriert mit seinen Kontaktdaten. Wer sich neu anmeldet, den Nachweis über Bedürftigkeit mitbringt - also etwa einen Rentenbescheid oder Hartz-IV-Bescheid des Jobcenters - kann in der Woche drauf zum ersten Mal Lebensmittel abholen. "Wir hatten gedacht, dass vielleicht aufgrund der Corona-Krise mehr Menschen kommen, aber dem ist nicht so. Unser Kundenstamm ist bislang gleich geblieben", sagt Jobst. Es seien viele Rentner darunter, etwa zu einem Viertel. Aber auch Familien und Alleinstehende, die aus unterschiedlichsten Gründen wenig Geld in der Kasse haben und dank der Tafel besser über die Runden kommen.

Tafel Bad Vilbel: Wunsch-Karten-Aktion für Kinder an Weihnachten

"Alle akzeptieren die Hygiene-Regeln und sind einfach froh, dass wir wieder da sind", sagt Jobst. Denn Mitte März musste bei den ansteigenden Infektionszahlen die Tafel geschlossen werden. Erst Anfang Mai konnte wieder mit der Ausgabe begonnen werden - dank der Hilfe von städtischen Mitarbeitern. Seit Juni sind es die Ehrenamtlichen wieder selbst, die durch den ausgefeilten Hygieneplan wieder alles im Griff haben, nur mit Maske arbeiten und streng darauf achten, Ansteckungsgefahren zu vermeiden.

"Früher hatten wir mehr Gespräche mit unseren Kunden", bedauert Jobst. Weil die Kontaktzeiten möglichst kurz gehalten werden sollen, käme das in Corona-Zeiten leider zu kurz. Was sich zum Glück nicht verändert habe, seien die Lebensmittelspenden. Die Supermärkte, Backbetriebe , Handelsketten und Privatleute würden wie sonst auch immer Lebensmittel abgeben und spenden.

Etwa 150 Bedürftige hat die Tafel gelistet, darunter viele Haushalte mit Kindern. "Wir sind froh, dass die Aktion mit den Kinder-Wunsch-Karten auch dieses Jahr wieder läuft", sagt Jobst. Das Georg-Büchner-Gymnasium wird die Kinder-Wunschkarten der Bad Vilbeler Tafel an die Schulgemeinschaft weitergeben. "Familien erfüllen die aufgeschriebenen Wünsche der Kinder, packen ein schönes Päckchen und geben es uns, damit wir es dann ausgeben können", erklärt Jobst und freut sich jetzt schon auf die strahlenden Kinderaugen zu Weihnachten.

Die Tafel Bad Vilbel wird von der Nachbarschaftshilfe getragen. Neben Lebensmitteln benötigt die Tafel immer Geld für Miete oder Benzin der Fahrer. Das Spendenkonto ist unter der IBAN DE47 5185 0079 0027 0406 91 | BIC HELADEF1FRI und dem Verwendungszweck: TAFELBV zu finden. Anmeldung und Information zur Ausgabe der Bad Vilbeler Tafel in der Ritterstraße 34 erfolgt unter Telefon 0 61 01/8 02 72 72 oder per E-Mail an tafel@nachbarschaftshilfe-bv.de. Die Bürozeiten sind mittwochs von 9 bis 12 Uhr. dos

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