Vilbus

Vilbeler Stadtbusse sind aus dem Takt geraten

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Wer auf die Bad Vilbeler Stadtbusse angewiesen ist, braucht eiserne Nerven und warme Kleidung. Vor allem auf der Dortelweil-Linie kommt es zu ständigen Verspätungen. Auch andere Linien sind aus dem Takt.

An der Haltestelle Vilbeler Straße in Gronau steht ein gutes Dutzend Fahrgäste. Die wollen mit dem Kleinbus der Linie 62 in die Kornsiedlung. Der trifft zwei Minuten verspätet dort ein, fährt die Schleife in die Siedlung und ist dann vier Minuten zu spät an der gegenüberliegenden Haltestelle, von wo aus es in die Vilbeler Innenstadt geht. Nachdem der Bus angefahren ist, geht die Schranke runter, denn die Niddertalbahn fährt ein. Kurz danach geht es weiter, auf der Landesstraße 3008 gibt die Fahrerin Gas. Überraschenderweise kein Stau bis zur Kreuzung mit der Friedberger Straße. Trotz zügiger Fahrt kann sie die Verspätung nicht aufholen. »Die S-Bahn ist wohl weg«, meint schulterzuckend eine Gronauerin. Sie fahre nicht oft, aber wenn sie fahre, sei der Bus »nie pünktlich«.

"Hier sind zehn Minuten Verspätung normal"

Gemessen an der Linie 64 ist die Verspätung der Gronau-Linie marginal. Vor dem Rathaus in Dortelweil lächelt eine Wartende mitleidig: »Hier sind zehn Minuten Verspätung normal«, sagt sie. Kein einziger Bus komme hier pünktlich. In der Tat: Mit elf Minuten Verspätung trifft ein älterer Midibus ein. »Wir kommen gerade vom Betriebshof«, sagt eine Passagierin. Der Bus, in den sie in der Anton-Bruckner-Straße in Dortelweil-West eingestiegen war, fuhr sie zum Betriesbshof, wo sie in das ungeheizte Fahrzeug umsteigen musste. Grund laut Stadtwerke: Ein Unfall mit einer geplatzten Scheibe.

Info

Das sagen die Stadtwerke

Die Stadtwerke Bad Vilbel betreiben den städtischen Busverkehr. Damit fahren sie ein jährliches Defizit von rund 600 000 Euro ein, Tendenz steigend. Die aktuellen Probleme sehen der kaufmännische Leiter Rüdiger Mielke und der ÖPNV-Beauftragte Marc Hebbel im zunehmenden Individualverkehr. Morgens gebe es Staus von und nach Dortelweil, in denen auch die Busse stecken. Ab kommender Woche soll ein zusätzlicher Bus für Entlastung sorgen, und es gebe »in den Hauptverkehrszeiten einen leicht veränderten Fahrplan für die Linie 64«. Die Anzeigen in den Bussen würden nachgebessert, das Vilbus-Tracking werde künftig per GPS auch auf die Anzeigetafeln am Bahnhof geschickt. Mielke gibt zu, dass die Fahrpläne »schon immer eng gestrickt« seien. Aber sie seien auf Grundlage der Erkenntnisse von Prof. Rüdiger Storost erstellt worden. Dass sie funktioneren, zeige sich an der Linie 61. Mielke: »Die fährt pünktlich.«

»Nur bis Südbahnhof«, sagt der Fahrer in gebrochenem Deutsch. Alle müssen raus, Umstieg in die Linie 60 zum Heilsberg. Der 60er fährt dort die Schleife, ist aber gleichfalls verspätet wieder am Südbahnhof. Dabei hat er noch nicht einmal an allen Haltestellen halten müssen. So geht das weiter. Am Bahnhof Ausstieg, warten auf die Linie nach Gronau. Auf den modernen Anzeigentafeln immer wieder Informationen, wann welche Buslinie an welchem Bussteig abfährt. Das Display ist zwar nett anzuschauen, aber es stimmt nur bei den Bussen der anderen Gesellschaften. Die Linie 30 nach Frankfurt verkehrt so, wie es dort angezeigt wird, die Linie 551 und die Schnellbuslinie X 97 nach Offenbach ebenfalls. Nur die Vilbusse kommen nicht: Linie 61 Bussteig E: nicht zu sehen; Linie 64 nach Dortelweil: »sofort« leuchtet auf, aber sie ist zehn Minuten später, Linie 62 nach Gronau: sieben Minuten später.

Rauchende Fahrer, lange dauernde Übergaben

Während die großen Tafeln repräsentativ alles anzeigen, was im Fahrplan steht, hat der Gast in den Fahrzeugen selber keine Infos. Durchsagen: In einem Bus sehr leise, in den anderen überhaupt nicht.

Warum es zu den Verspätungen kommt, bleibt unerklärlich, zumal an diesem Montagvormittag die üblichen Staus ausbleiben und die von uns benutzten fünf Busse auf ihren Touren nur an wenigen Haltestellen halten. An vielen steigt weder jemand ein noch aus.

Allerdings fallen noch drei Dinge auf. Ein Fahrerwechsel am Weitzesweg in Dortelweil dauert fünf statt nur zwei Minuten, und in Massenheim raucht der Fahrer erstmal eine Zigarette, obwohl er schon Verspätung hat. Und bei der Anfahrt zur Westseite des Bahnhofs muss der Bus eine Umleitung fahren, denn dort hat die Bahn ihre Baustelle zur Gleiserweiterung aufgebaut.

Stadtwerke: Fahrplan derzeit nicht einzuhalten

Auf ihrer Homepage räumen die Stadtwerke ein, dass »aufgrund von verkehrsbedingten Verzögerungen« der veröffentlichte Fahrplan für die Haltestellen zwischen Stadastraße und Kreisstraße »nicht mehr einzuhalten« sei. Die Stadtwerke erhoffen sich ab nächste Woche eine Verbesserung vom Einsatz eines zusätzlichen Busses zu den Hauptverkehrszeiten (siehe Kasten).

Meinung

Kommentar: Nicht attraktiv genug

Mit großen Vorschusslorbeeren haben die Bad Vilbeler Stadtwerke zum Fahrplanwechsel für ihre neuen Vilbusse geworben. Alles sollte besser werden, so der offizielle Tenor. Wunsch und Wirklichkeit sind noch weit voneinander entfernt. Zum Teil fahren alte statt neue Busse, auch sieben Wochen nach dem Start funktionieren weder Durchsagen noch Displays. Die Fahrpläne sind eng gestrickt, die Fahrer unter Druck. Viele Dinge, wie etwa Umleitungsstrecken, summieren sich zu Verspätungen. Die Unpünktlichkeit hat sicher auch mit dem zunehmenden Individualverkehr zu tun. Bad Vilbel erstickt in Autos. Und demnächst kommen noch Großbaustellen für Kurhaus/Stadthalle, Hotel und Kombibad hinzu. Dies alles wird auch den Busverkehr weiter behindern. In dieser Form ist der städtische Busverkehr leider alles andere als attraktiv. Da nützen auch die nagelneuen Vilbusse nicht viel. (Von Holger Pegelow)

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