Ärger über Vilbusse

Bad Vilbeler Stadtbusse kommen später statt pünktlicher

  • Holger Pegelow
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Schneller und pünktlicher sollten die Vilbeler Stadtbusse werden. Wenige Tage nach dem Fahrplanwechsel zeigt sich: Vieles ist Makulatur. Dafür gibt es gravierende Ursachen.

Wer im Berufsverkehr in Bad Vilbel von der Kernstadt oder vom Heilsberg in Richtung Dortelweil will, steht im Stau. Auch wer aus Richtung Gronau kommt und zur Nordumgehung will, braucht viel Geduld. Tägliche Staus sind die Regel. In den Tagen und Wochen vor Weihnachten und bei nassen Straßen umso mehr. Mit in den Blechlawinen stehen die Vilbusse. Erst vor wenigen Tagen sind sie mit großen Vorschusslorbeeren an den Start gegangen (die WZ berichtete): Weniger und andere Haltestellen, teilweise neue Linienführung. Das sollte »die Betriebsqualität verbessern«, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Ralph Franke. Aber die den Busbetrieb verantwortenden Stadtwerke haben große Probleme. Die Linie 64 fährt massive Verspätungen ein, ebenso die Linie 63. Der letztgenannte Bus quält sich mit dem Verkehrsstrom aus dem Wetterauer Ostkreis und dem Main-Kinzig-Kreis bis zur Kreuzung der Büdinger mit der Friedberger Straße und der Nordumgehung. »Hier ist ein regelrechter Engpass«, sagt Franke zur WZ. Also kommt nicht nur die Linie 63 aus Gronau zu spät am Bahnhof an, sondern auch die Linie 64. Die kommt als Linie 60 vom Heilsberg und fährt als 64 durch die Kernstadt nach Dortelweil.

Massive Verspätungen

Dort kommt sie im Berufsverkehr aber praktisch nie pünktlich an. »Die Probleme sind so massiv, dass wir schon ein zweites Fahrzeug von und nach Dortelweil einsetzen«, sagt der Geschäftsführer. Eigentlich hatte ihn die Redaktion nur nach der Kritik der Dortelweiler SPD fragen wollen, die moniert, dass die Busse nur noch alle zwei Umläufe die Haltestellen in Alt-Dortelweil anfahren. Das gehört mit zum neuen Fahrplankonzept. Würde man wie zuvor alle Haltestellen im Halbstundentakt anfahren, »wäre jede Zeitveränderung für den Gesamtumlauf noch schlimmer«, seufzt Franke. Man habe im Fahrplan der Linie 64 »schlicht keine Spielräume mehr«. Die Situation auf der Dortelweil-Linie sei »aktuell schlechter geworden«.

Lange Staus

Was sich bei der Linie 63 als Vorteil erweisen sollte, nämlich der eine Stunde frühere Start, schlägt wegen der heftigen Staus ins Gegenteil um. »Der erste Zyklus ist schon zu spät, danach sind es auch die weiteren«, sagt Franke. Gemeinsam mit der Verkehrsbehörde sei man im Gespräch, die Situation zu verbessern, etwa durch eine Vorrangschaltung für Busse an der Kreuzung.

Weitere Probleme

Aber mit den Vilbussen gibt es nach dem Start noch weitere Probleme. Der Seniorenbeirat beklagt, dass die Busse zu weit weg von den Kanten der Haltestellen halten. Laut Auskunft eines Fahrers geschehe dies deshalb, weil die Türen nicht verkratzt werden sollten. Hierzu hatte der ÖPNV-Beauftragte der Stadtwerke, Marc Hebbel, schon bei der Jungfernfahrt der Busse Stellung bezogen. Die EU schreibe andere Kanten für die Hochborde vor. Die seien jetzt einige Zentimeter höher. Franke dazu: Technisch sei vorgesehen, dass sich die Fahrzeuge deswegen extra anheben sollen. »Das klappt aber bisher nur bei den hinteren Türen, vorn leider nicht.« Man sei dabei, das Problem abzustellen.

In diesen Tagen sei es auch gelungen, die Liniennummern in das Frontdisplay einzuspielen. Bislang hatten Pappschilder die Liniennummern gezeigt. Franke sagt, ein Spanungsabfall habe die Übertragung der Infos aufs Display verhindert. Wenigstens das Problem ist gelöst.

Kommentar

Vor dem Kollaps

Bad Vilbel steht vor einem Verkehrskollaps. Wer morgens in die größte Wetterau-Stadt hinein will, steht aus allen Richtungen im Stau. Neuralgischster Punkt: die Kreuzung Friedberger-/Büdinger Straße/Nordumgehung. Wenn Kritiker die Verkehrsmisere der wachsenden Stadt anprangern, kontern die Regierenden mit den von ihnen beauftragten, also bezahlten Gutachten. Denen zufolge verkraftet das Straßennetz sogar den Verkehr von und zur künftigen Mega-Therme. Bereits jetzt, wo kurz vor Weihnachten niemand im Urlaub ist und noch keine Therme steht, halten Kreuzungen dem Ansturm kaum stand. Das wirkt sich massiv auf die Vilbusse von und nach Dortelweil und Gronau aus. Die mit viel Vorschusslorbeeren gestartete Neuausrichtung der Stadtbusse bereitet schon kurz nach ihrem Start massive Probleme. Die Stadt täte gut daran, die Probleme anzuerkennen und zu handeln, damit wenigstens die Busse gut vorankommen. (pe)

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