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Bad Vilbeler Schule in Afghanistan wird bereits gebaut

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Bad Vilbel (cf). Ein Fensterbild vom Alten Rathaus wird künftig in der »Bad Vilbel Schule« im Ort Danjoo hängen. Der Ort in Afghanistan ist rund 42 Kilometer von Herat und etwa 1000 Kilometer von Kabul entfernt. Das Dorf liegt wie allen anderen Orte, in denen die 2003 gegründete und bundesweit agierende Hilfsorganisation Grünhelme Schulen baut, in einem Distrikt, in dem bis zu 300 000 Menschen leben. Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr überreichte das Fensterbild an Grünhelme-Vorstand Rupert Neudeck und dessen afghanischen Bauleiter Zobair Alkhi.

»Das älteste Gebäude der Quellenstadt soll die künftigen Schüler an den Namensgeber ihrer Schule erinnern«, wünscht sich das Stadtoberhaupt. Die Stadt hatte mit einenem namhaften Betrag die Spendenaktion der örtlichen Aktion »Schule für Afghanistan« angestoßen.

Ehrenbürgermeister Günther Biwer überreichte an diesem Abend einen Scheck über 42 186,65 Euro zum Bau der 32. Schule an Neudeck. Die Schule erhalte auch noch einen afghanischen Namen, sagte Alkhi. »Der Schulname des Spenders wird von den Afghanen geschätzt«, betonte er.

Mit dem Bau der Schule, die über zwölf Räume verfügen wird, wurde Anfang Januar begonnen. Im September werde Einweihung gefeiert. Im Schulbau ist Platz für neun Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer, eine Bibliothek und ein Labor. »Der Bau der Schule kostet rund 40 000 Euro. Der Mehrbetrag wird in die Einrichtung investiert«, sagten die Spendenempfänger. Um Hilfe für den Bau einer Schule zu erhalten, muss die Dorfgemeinschaft einem Zehn-Punkte-Katalog zustimmen, erklärte der Bauleiter. Die Dorfgemeinschaft schütze den Bau der Schule und die Helfer vor Übergriffen der Taliban. Nach der einstimmigen Zusage der Dorfgemeinschaft beginne der Genehmigungsmarathon durch den Behördendschungel.

»Momentan haben wir eine gute Phase. Es gibt seit einem halben Jahr wieder mehr Hoffnung in Afghanistan« berichtete Alkhi, der in Deutschland Architektur studierte. Zuvor sei es »grauenhaft« gewesen und er habe alles hinwerfen wollen. »Die Taliban waren in allen Dörfern präsent, obwohl wir noch nie direkten Kontakt mit ihnen hatten.«

Der Bauleiter ist strikt gegen Verhandlungen mit den Taliban. »Sie sind Diebe, Drogenhändler, Bankräuber. Sie finanzieren mit illegalen Geschäften ihren Terror.« Um sich vor ihren Übergriffen zu schützen, laute die goldene Regel für alle Fremden »Halte dich nie in der Nähe von Amerikanern auf«.

In die Schule gehen dürfen in Afghanistan alle Kinder, deren Eltern es gestatten. Es existiere zwar eine Schulpflicht, sie werde in den Dörfern aber nicht eingehalten. Es fehle in 17 Distrikten an noch über 200 Schulen. Auch gut ausgebildete Lehrer seien vor allem auf dem Land Mangelware, dafür der Wissensdurst in der Bevölkerung hoch. »In kleinen Räumen sitzen bis zu 80 Schüler. Mütter und Großmütter lernen gemeinsam mit ihren Kindern und Enkeln.«

Wo es einen vom Staat bezahlten Lehrer und Schüler, aber kein Gebäude gebe, bauten die Grünhelme eine Schule. Unicef und Amerikaner finanzieren Schulbücher. Neudeck wünschte sich von der Bundesregierung mehr Unterstützung auf politischer Ebene. »Ich bin dafür, dass immer mehr in die Hände der Afghanen übergeben wird. Das ist uns aber nicht gelungen. Der Präsident fälschte die Wahl, sein Bruder ist der größte Drogendealer des Landes. Die politische Mündigkeit des Volkes steht noch aus. Das können wir aber nicht beeinflussen.« Zudem flüchteten viele Afghanen aus wirtschaftlichen Gründen in den Iran.

Spenden für weitere Schulbauten können bei der Frankfurter Volksbank auf das Konto mit der Nummer 630 101 6776, BLZ 501 900 00 überwiesen werden. Informationen zum Verein Grünhelme gibt es unter .

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