Schwimmbad-Not

Vilbeler Schüler bald auf dem Trockenen

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Weil sich der Bau des neuen Kommunalbades verzögert, das alte Bad aber abgerissen wird, dürfte Bad Vilbel bald viele Monate ohne Hallenbad sein. Das hat Folgen für die Schüler.

Die Verantwortlichen der Stadt hatten sich das so schön gedacht: Im Rahmen des neuen Kombibadbaus sollte zuerst das sogenannte Kommunalbad errichtet werden. Das ist ein Hallenbad, in dem Schwimmer zu günstigen Eintrittspreisen ihre Bahnen ziehen und Schüler das Schwimmen lernen. Erst im Anschluss wären die Badetempel mit Wellness-Oase, Thermalbädern und medizinischem Rehabereich errichtet worden. Der zwischen Investor Josef Wund und den Verantwortlichen der Stadtwerke ausgetüftelte Plan sah ebenso vor, dass nach Inbetriebnahme des Kommunalbades das alte Hallenbad im Kurpark abgerissen werden sollte. Das muss weichen, weil die Stadt im Zuge der Kurhaussanierung dort eine Stadthalle bauen will. Alles sollte bis zum Hessentag 2020 fertiggestellt sein. Monate ohne Hallenbad

Der Zeitplan dürfte nicht einzuhalten sein, denn im Bereich zwischen Massenheimer Weg und Bundesstraße 3 hat noch keine einzige Erdbewegung stattgefunden. Das alte Hallenbad soll nach Angaben von Stadtwerke-Chef und Stadtrat Klaus Minkel mit Beginn der Freibadsaison 2018 dichtgemacht werden. Bei einer vom Investor angegebenen Bauzeit von rund anderthalb Jahren für das neue Kommunalbad, dürfte Bad Vilbel also »einige Monate ohne Hallenbad sein«.

Bei der oppositionellen SPD kommt das gar nicht gut an. In Sachen Thermen-Bau stünden die CDU und Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr »kurz davor, ein elementares Wahlversprechen zu brechen«, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Kühl. Dass kurz vor der Kommunalwahl im März 2016 schon mit der Eröffnung der Therme Ende 2017 geworben worden sei, war laut Kühl »schon damals nahe an der Grenze zur Irreführung«. Denn zu diesem Zeitpunkt sei für Experten schon ersichtlich gewesen, dass dieser Termin kaum zu halten sein würde. Im Wahlprogramm der CDU 2016 heißt es wörtlich: »Der Bauantrag für das Kombi-Bad wurde bereits eingereicht. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2016 vorgesehen und die Eröffnung könnte dann bereits Ende 2017 erfolgen.«

SPD und Minkel streiten

Obwohl der Bad Vilbeler Bürgermeister vor und nach seiner Wahl laut SPD immer wieder versprochen habe, dass es beim Hallenbad keine Vakanz geben werde, »scheint nun genau das einzutreten«. »Wir halten das für eine kaum fassbare Panne. Hierzu wird sich der Bürgermeister erklären müssen«, fordert Kühl.

Stadtrat Minkel kontert: »Es ist bezeichnend, dass sich die erregen, die selbst allenfalls einen Info-Stand im Wahlkampf betreiben können.« Zudem hätten die Verzögerungen »dem Projekt sehr gut getan«. Die Planung habe »reifen und immer besser werden können«, sagt der Stadtwerke-Chef. Minkel nennt auch nochmal den Grund für die Verzögerung: Eine »ungeplante Erschwernis« sei der Umstand, dass zwei Rebhuhnpärchen auf dem Gelände entdeckt wurden, »wodurch wiederum ein gutachterlich untermauertes bürokratisches Verfahren ausgelöst wurde.«

Sieben Schulen betroffen

Außer den Gründen für die Verzögerung und die Frage, was im letztjährigen Bürgermeister- und Kommunal-Wahlkampf versprochen wurde, dürfte auch die Frage des Schulschwimmens diskutiert werden. Denn zahlreiche Schulen führen in dem alten Hallenbad ihren Schwimmunterricht durch. Außer dem Georg-Büchner-Gymnasium sind das unter anderem die John-F-Kenndy -Schule und auch die Europäische Schule. Insgesamt erhalten im Bad Vilbeler Hallenbad nach Angaben von Stadtsprecher Yannick Schwander sieben in der Stadt ansässige Schulen Unterricht.

Im Georg-Büchner-Gymnasium sind die Probleme des kommenden Jahres noch gar nicht bekannt. Der stellvertretende Schulleiter Carsten Treber geht davon aus, dass mit der Stadt Gespräche über ein Ausweichen auf andere Bäder stattfinden müssen. Im jetzt beginnenden Schuljahr ist noch alles beim Alten: Laut Treber erhalten die 6. und 7. Klassen Unterricht im Hallenbad. So gebe es sechs 6. Klassen: drei erhielten ein Halbjahr Schwimmunterricht, die anderen Sport, im nächsten Halbjahr dann umgekehrt. Die Probleme dürften für das Gymnasium erst ab Mai 2018 aufschlagen, dann sollen die heutigen Fünftklässler schwimmen lernen. Und das sind sieben Klassen zu 28 bis 30 Kindern. Kreis empfiehlt das Karbener Bad

Ein entscheidendes Wort dürfte der Wetteraukreis als Schulträger sprechen. Pressesprecher Michael Elsaß empfiehlt, die Vilbeler Schüler könnten ins Karbener Hallenbad zum Schwimmunterricht gehen. Dort sind indes kaum Kapazitäten vorhanden. Rund 8000 Schüler lernten in 2016 dort schwimmen. Außer den Karbener Schulen kommen Schulen aus Wöllstadt, Rodheim und Friedberg ins Hallenfreizeitbad. Neu in diesem Jahr gehen Schüler der Europäischen Schule aus Dortelweil und der Eichendorffschule Ilbenstadt ins Hallenfreizeitbad.

Kommentar von Holger Pegelow

Rettet das Schwimmen!

Gerade erst hat die DLRG davor gewarnt, dass immer mehr Kinder nicht schwimmen können. Also müssen sie es lernen. Aber wo sonst, wenn nicht in den Schulen? Die haben kein eigenes Schwimmbad, also brauchen sie ein städtisches. Aber aus Kostengründen sind viele Bäder geschlossen worden. Bad Vilbel kommt bald als Sonderfall hinzu. Etwa im Mai kommenden Jahres wird das alte Hallenbad im Kurpark endgültig dichtgemacht, das neue Kommunalbad wird dann längst noch nicht fertig sein. Da heißt es für mehrere Hundert Schüler, in Bäder anderer Städte auszuweichen. Wenn dort keine Kapazitäten mehr vorhanden, die Wege zu weit sind oder sich der Transport hin und zurück nicht organisieren lässt, muss der Unterricht gestrichen werden. Auch solche Fälle belegen, dass die Warnung der DLRG nicht aus der Luft gegriffen ist. Man darf gespannt sein, welche Pläne in den nächsten Monaten geschmiedet werden, um wenigstens einen Teil des Schwimmunterrichts für Vilbeler Kinder zu retten.

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