Rückblick: Ehrenvorsitzender Udo Landgrebe gratuliert Horst Seißinger (rechts) zur Wahl. Das Bild stammt vom März 2017, als Seißinger den Vorsitz des Ortsvereins übernommen hatte. Jetzt ist er zurückgetreten.
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Rückblick: Ehrenvorsitzender Udo Landgrebe gratuliert Horst Seißinger (rechts) zur Wahl. Das Bild stammt vom März 2017, als Seißinger den Vorsitz des Ortsvereins übernommen hatte. Jetzt ist er zurückgetreten. 

Seißinger gibt Amt auf

Bad Vilbeler SPD ist ohne Vorsitzenden

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Die Bad Vilbeler SPD hat keinen Vorsitzenden mehr. Horst Seißinger hat, für die Öffentlichkeit überraschend, seinen Rücktritt erklärt. Einen Nachfolger gibt es nicht.

Am 6. März 2016 hat die SPD einen bitteren Abend erlebt. Denn die Kommunalwahl bescherte der Partei nur 21,2 Prozent der Wählerstimmen, ein Verlust von 4,3 Prozentpunkten gegenüber 2011. Der damalige Spitzenkandidat hieß Christian Kühl. Eigentlich hatte an diesem Tag bei den zeitgleich stattfindenden Bürgermeisterwahlen Rainer Fich (SPD) gegen CDU-Amtsinhaber Dr. Thomas Stöhr antreten wollen. Doch gut fünf Wochen, nachdem er seine Bewerbungsunterlagen eingereicht hatte, musste Fich wegen einer schweren Erkrankung seine Kandidatur wieder zurückziehen. Das Ergebnis ist bekannt: Die SPD ging ohne eigenen Kandidaten in die Wahl zum Bürgermeister, nur Grüne und Freie Wähler stellten Alternativen, freilich erfolglos, denn Stöhr wurde haushoch bestätigt.

Dementsprechend analysierte Kühl seinerzeit auch die Niederlage seiner Partei: Es habe die Sozialdemokraten "schwer getroffen, dass Rainer Fich als Bürgermeisterkandidat hatte zurücktreten müssen". Und dass die Partei ohne eigenen Kandidaten angetreten sei.

SPD Bad Vilbel: Seißinger nur als Übergang

Nur ein Jahr später trat Fich auch als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins zurück. Doch sein Stellvertreter Horst Seißinger, seit Juli 2016, war bereit, diesen Posten zu übernehmen und wurde gewählt. Er habe seinerzeit gesagt, dass er nur für eine Übergangszeit zur Verfügung stehe, teilte der geschäftsführende SPD-Vorstand jetzt mit. In der Öffentlichkeit war das freilich nicht kommuniziert worden. Und nun steht die Bad Vilbeler SPD wieder ohne Vorsitzenden da. Wie vor vier Jahren, muss nun Christian Kühl erneut eine für die Partei schwierige Situation erklären. Horst Seißinger, sagt Kühl jetzt, habe stets betont, dass er höchstens für zwei Amtszeiten zur Verfügung stehen werde. Er habe den Ortsverein übernommen, als man sich durch die Krankheit von Rainer Fich habe neu orientieren müssen.

Ab sofort wird die Partei von einem geschäftsführenden Vorstand geführt. Er besteht laut Kühl aus folgenden Personen: Lucia André und Mirjam Fuhrmann als stellvertretende Vorsitzende, die nunmehr die ersten Ansprechpartner des Vorstands sein werden, aus Christian Kühl als Kassierer, Sigrid Jaschke als stellvertretende Kassiererin und Dr. Bernd Hielscher und Udo Landgrebe als Schriftführer. "Da wir einen geschäftsführenden Vorstand mit sehr erfahrenen Kommunalpolitikern und -politikerinnen haben, können wir uns nun in aller Ruhe nach einem geeigneten Kandidaten oder einer geeigneten Kandidatin umschauen".

Damit ist der Spitzenkandidat für die nächste Kommunalwahl gemeint, die im Jahr 2021 stattfindet.

Zurzeit befindet sich die Partei laut Kühl "in intensiven Gesprächen mit denjenigen Menschen, die für uns bei der nächsten Kommunalwahl kandidieren möchten". Im Herbst werde man dann eine Liste präsentieren, die jemand auf Platz 1 anführen werde. "Diese Person wird im Wahlkampf eine führende Rolle einnehmen, losgelöst davon, ob er oder sie auch die Partei anführen wird", betont Kühl gegenüber dieser Zeitung.

SPD Bad Vilbel: Geschäftsführender Vorstand im Amt

Das könne heißen, dass die SPD zur nächsten Wahl einen Spitzenkandidaten präsentiert, aber immer noch keinen Nachfolger für Horst Seißinger hat. Kühl sieht für die Suche allerdings auch keine Eile. "Ob wir noch einen (Partei-)Vorsitzenden oder eine Vorsitzende vor der Kommunalwahl wählen werden, kann ich momentan nicht sagen. Hier spüren wir aber auch keinen Zeitdruck."

Kühl schätzt die Lage für seine Partei als nicht ganz einfach ein. "Wir sind uns bewusst, dass wir uns mit den Grünen in einem Wettbewerb darum befinden, wer die zweitstärkste Kraft in Bad Vilbel wird." Diesem Wettbewerb stelle sich die SPD gern und auch sehr selbstbewusst. In den letzten Jahren habe man mehrfach bewiesen, dass man sich die Projekte der Stadtentwicklung sehr genau angeschaut habe. Die Projekte, die der SPD sinnvoll erschienen, habe man unterstützt, zu den anderen Alternativvorschläge unterbreitet. Damit stehe man im Gegensatz zu den Grünen, "die momentan leider nur Fundamentalopposition machen, ohne Gegenvorschläge zu unterbreiten, wie sie sich die Zukunft von Bad Vilbel vorstellen".

Die Grünen hatten bei besagter Kommunalwahl 2016 schon 16 Prozent der Stimmen erhalten. Groß ist der Abstand zur SPD also nicht. Und der Trend spricht eher gegen die SPD.

SPD Bad Vilbel: SPD-Ortsverein mit konstanter Mitgliederzahl

Die Bad Vilbeler SPD hat nach Angaben von SPD-Fraktionsvorsitzendem und Ortsvereinskassierer Christian Kühl momentan 185 Mitglieder. Diese Zahl sei in den letzten fünf Jahren relativ stabil geblieben, sogar eher gestiegen, da die Partei einige Eintritte verzeichnet habe. Die neuen Mitglieder seien aus den unterschiedlichsten Motiven hinzugekommen. Dabei habe die Bundespolitik genauso eine Rolle gespielt wie etwa die Kommunalpolitik "und die vermehrte Unzufriedenheit mit der hiesigen Stadtregierung", sagt Kühl. Zudem habe die Partei aktuell wieder eine Juso AG und mit Tom Rademacher, Axel Nieslony und Jannis Ahäuser auch drei junge aktive Mitglieder, bei denen der Vorstand durchaus die Hoffnung habe, dass der ein oder andere auch für die Stadtverordnetenversammlung und/oder die Ortsbeiräte kandidieren werde, freut sich Vorstandsmitglied Kühl.

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