Mit Steinen und Kies angelegte Schottergärten erfreuen sich großer Beliebtheit, sind aber für Tiere und Insekten eine Katastrophe, sagen die Mitglieder des Bad Vilbeler Vereins für Vogelschutz und Landschaftspflege. 	FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH
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Mit Steinen und Kies angelegte Schottergärten erfreuen sich großer Beliebtheit, sind aber für Tiere und Insekten eine Katastrophe, sagen die Mitglieder des Bad Vilbeler Vereins für Vogelschutz und Landschaftspflege. FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH

»Gärten des Grauens«

Bad Vilbeler Naturschützer: Steinwüsten schaden der Artenvielfalt

  • vonChristine Fauerbach
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Steingärten werden bei Privatleuten und Städten immer beliebter. Darunter leiden Artenvielfalt und Mikroklima, gibt derVilbeler Verein für Vogelschutz und Landschaftspflege zu bedenken.

Mit großer Sorge beobachten, die mehr als 80 Mitglieder des Vereins für Vogelschutz und Landschaftspflege (VVL) Bad Vilbel seit Jahren den Rückgang der Vogel- und Insektenpopulationen sowie der Artenvielfalt. Als eine Ursache dafür werden Kies-, Stein- und Schottergärten angesehen, die bei vielen Hausbesitzern hoch im Kurs liegen. Sie werden von Kritikern auch »Gärten des Grauens« genannt, angelehnt an die gleichnamigen Accounts des Botanikers und Biologen Ulf Soltau in sozialen Netzwerken. Die Argumente der Hausbesitzer für die Schottergärten lauten: modern, unkrautfrei, pflegeleicht und zeitsparend.

VVL-Vorstandsmitglied Hanne Tinkl appelliert an alle Gartenbesitzer und die Stadtverwaltungen, in dieser Sache umzudenken. Ihre Kritik richte sich nicht gegen für Alpenflora wichtige Steingärten, sondern gegen »Steinwüsten«. Bei aller angeblichen Pflegeleichtigkeit gerate die Artenvielfalt aus dem Blickfeld, sagt sie. Versiegelte Gärten würden zur Aufheizung der Erde und damit des Klimawandels beitragen. Denn Steine speicherten Wärme und strahlten sie wieder ab. »Wilde«, sprich artenreiche Gärten dagegen böten Insekten, Vögeln und Tieren Lebensräume und lieferten saubere, frische Luft. »Ich wünsche mir für meine Stadt, dass sie auch in Zukunft trotz Wachstum lebenswert bleibt. Wer sich über zu heiße Sommer beklagt, sollte seinen Vorgarten nicht in einen Steingarten verwandeln«, sagt Tinkl.

Verboten in einigen Bundesländern

In einigen Bundesländern und in Städten seien Stein- und Schottergärten bereits wie die Totalversiegelung von Stellplätzen verboten. »Wichtig für uns, alle Lebewesen und das Klima ist es, die Natur zuzulassen anstatt sie zu verdrängen. Oft werden Steingärten ganz ohne oder mit Pflanzen, die nicht zur natürlichen Vegetation eines Lebensraums gehören, bepflanzt. Diese Neophyten verdrängen heimische Pflanzen und bieten hiesigen Tieren kaum oder gar keine Nahrung und Nistplätze«, sagt die Naturschützerin.

Falsch sei, dass mit Vlies und Steinschichten versiegelte Flächen weniger Arbeit bedeuten. »Sie machen genauso viel Arbeit wie ein naturnah gestalteter Garten, da Blätter auf die steinernen Flächen fallen und abgesammelt werden müssen, damit sich auf den Steinen kein Moos bildet und in den Steinfugen keine Gräser und Pflanzen ansiedeln«, sagt Tinkl. Der Vorteil heimischer Pflanzen liege im Gegensatz zu standortfremden Pflanzen darin, dass sie weniger Pflege benötigten und Schmetterlinge, Hummeln und Vögel in den Garten lockten. Hanne Tinkl sagt: »Wer keine Zeit hat oder aus Altersgründen Gartenarbeit nicht mehr leisten kann, der sollte sich Hilfe holen. Artenvielfalt und eine intakte Natur liegen in unser aller Interesse. Wir alle müssen Impulse für einen veränderten Umgang mit der Natur und unserer Welt setzen, um zu überleben.«

Wertvoller Mutterboden

Durch Schottergärten und das Fällen von Bäumen nähmen Vogelpopulationen dramatisch ab. Da intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen Tieren meist keinen Lebensraum mehr bieten, hätten Gärten für sie eine immer größere Bedeutung. Auch sollten Gartenbesitzer kritisch nachfragen, was denn mit dem wertvollen Mutterboden passiert, wenn ein Steingarten angelegt wird. Wer einen Blick in Bebauungspläne werfe, könne sehen, dass vieles nicht erlaubt ist, sagt Tinkl. »Da es von den Stadtverwaltungen nicht geahndet wird, bleibt es.«

So würden Bebauungspläne auch in Bad Vilbel vorgeben, wie der nicht bebaute Teil eines Grundstückes anzulegen ist. Vorgesehen ist Grün. Dabei sollen die Belange des Umwelt- und Naturschutzes, der Landschaftspflege, Boden, Luft und Wasser berücksichtigt werden. »In vielen Kommunen ist das Anlegen von Schottergärten nach geltendem Recht unzulässig.«

Optische Highlights mit Findlingen

Alternativen zu Kies und Steinen böten alpine Kiesgärten, deren Pflanzen wenig Nährstoffe benötigen wie auch die Bepflanzung mit Bodendeckern, die mit Gräsern und höheren Stauden kombiniert werden könnten. Bienenfreundliche Blühflächen seien dagegen immer ein Hingucker und holen Leben in den Garten. Optische Highlights lassen sich beispielsweise mit Findlingen setzen, sagt Tinkl.

Wer für sich, seine Kinder und Enkel eine intakte Natur wünscht, sich für ein besseres Miteinander von Tierwelt, Ökologie und Menschenwelt einsetzen will, sei beim VVL in Bad Vilbel richtig. »Wir brauchen die Bestäuber, den fruchttragenden Boden und die gute Luftqualität. Wir müssen gegen Versteppung und Bodenverlust angehen und unsere gute Wetterauer Erde schützen. Jeder von uns trägt mit seinem Tun Verantwortung«, betont Tinkl.

Die Mitglieder des Vereins für Vogelschutz und Landschaftspflege (VVL) Bad Vilbel freuen sich über neue Mitglieder, denen der Naturschutz in ihrer Stadt wichtig ist. Viele Informationen zu Aktionen, Projekten und dem Verein gibt es auf der Homepage unter www.vvl-badvilbel.de. Der Verein ist per E-Mail erreichbar unter der Adresse vvl@vvl-badvilbel.de. cf

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