Klassische Geschichten, aber auch historische Einblicke warten im digitalen Adventskalender, den Christiane Stricker in Eigenarbeit erstellt hat. Dafür hat die 41-Jährige viele Museen besucht, aber auch mit Autoren Kontakt aufgenommen. "Es war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt", sagt sie. FOTO: PATRICK EICKHOFF
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Klassische Geschichten, aber auch historische Einblicke warten im digitalen Adventskalender, den Christiane Stricker in Eigenarbeit erstellt hat. Dafür hat die 41-Jährige viele Museen besucht, aber auch mit Autoren Kontakt aufgenommen. "Es war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt", sagt sie. FOTO: PATRICK EICKHOFF

Digitale Bildung

Bad Vilbeler Lehrerin erstellt digitalen Adventskalender für Kinder

  • vonPatrick Eickhoff
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"Digitale Bildung gehört in die Schule", sagt Christiane Stricker. Die Grundschullehrerin hat sich für die Adventszeit etwas besonderes einfallen lassen: Ein Adventskalender macht Informationen aus Museen verfügbar.

In die Welt der Kelten eintauchen, Neues aus dem Opel-Zoo erfahren, altbekannte Märchen ganz neu erleben. Christiane Stricker macht das möglich. Die Grundschullehrerin hat einen digitalen Adventskalender veröffentlicht. "Vorschulkinder, aber auch Fünftklässler, können mit ihm arbeiten", sagt die 41-Jährige. "Lehrer und Schüler begeben sich gemeinsam auf Bildungsreise, und das, obwohl die Museen geschlossen sind."

In den vergangenen Wochen war die 41-Jährige dafür von Frankfurt bis Fulda in Hessen unterwegs. "Ich war im Vonderau-Museum, im Hessenpark oder im Experiminta Mitmach-Museum in Frankfurt und habe viele Bilder gemacht." Das Ziel: Auf kreative und vor allem digitale Art und Weise Wissen vermitteln. "Den Kalender können Lehrer in ihren Unterricht einbauen." Christiane Stricker erachtet das als wichtig. "Es gibt kein zu früh, wenn es um die Digitalisierung geht", sagt sie.

Digitale Welt ist wie der Straßenverkehr

Allerdings dürfe man den Prozess nicht den Eltern alleine überlassen. "Das ist eine pädagogisch wichtige Aufgabe und gehört deshalb in die Schulen. Man muss sich nur angucken, in welchem Umfeld die Kinder aufwachsen." Smartphones, Tablets und Laptops seien allgegenwärtig. "Den Kindern muss erklärt werden, was bedeutet es, dass Erwachsene oft am Handy sind. Was bedeutet es, wenn ich ins Internet gehe. Man muss die digitale Welt kennenlernen wie den Straßenverkehr."

Daher hat die 41-Jährige bereits vor einiger Zeit die Website medienfürbildung.com erstellt und gestaltet. Dort gibt es Inhalte fast aller Fächer - von der Mathe-Materialsammlung über Deutsch-Übungen bis hin zur Hörspielen. "Auf der Seite gibt es nur geprüfte und geschützte Inhalte. Jeder darf sie im Unterricht benutzen." Es sei eine Lernplattform im sicheren Raum. "Geprüft wurde sie von verschiedenen Kinderschutzseiten." Auch der Adventskalender lasse sich weiter verwenden. "Die Türchen bleiben auf der Seite", sagt sie.

Klassenübergreifende Aufgaben

In ihrem Kalender hat Stricker darauf Wert gelegt, dass es sich um klassenübergreifende Aufgaben handelt. "Verschiedene Stufen können damit unterschiedlich arbeiten." Der Anfang ist jedoch immer gleich: Ein Klick auf eine Tür. Dahinter warten dann die Aufgaben. Diese sind grundverschieden. "Mal gibt es ein Hörspiel eines Kinderbuches, das von der Autorin selbst eingesprochen wurde, mal taucht man in eine völlig neue Welt ein." Dafür war Christiane Stricker beispielsweise in alten Häusern im Hessenpark unterwegs und hat Fotos gemacht. "Das war auch für mich spannend zu sehen", sagt sie.

Es bleibt jedoch nicht nur bei historischen Einblicken. So verbirgt sich hinter mancher Tür auch "etwas Aktives", wie die Lehrerin verrät. "Bei der bewegten Acht geht es darum, sich von der Energie im Video anstecken zu lassen und mitzumachen." Dass es bei Filmen nicht darum gehe, dauerhaft auf einen Bildschirm zu gucken, macht die Grundschullehrerin anschließend deutlich. "Es gibt einen Film, der zeigt nur wenige Bilder pro Minute. In einer Zeit, in der es auch den Kindern nur noch darum geht, mehr und mehr zu bekommen, lernen sie die Entschleunigung kennen. Das regt die Fantasie an."

Wird auch im Ausland angeklickt

Angenommen wird der Kalender auch im Ausland. "In der Schweiz, den Niederlanden und in Polen findet er im Unterricht Verwendung, obwohl die Sprache nicht passt", sagt Stricker, die auch Landesdelegierte des Grundschulverbands Hessen ist. Das Feedback ihrer Kollegen falle gemischt aus. Doch auch von negativen Meinungen lässt sich die 41-Jährige nicht zurückwerfen. Sie bildet sich an Universitäten fort, spricht auf Bildungs- und Digitalisierungskonferenzen. "Über die Homepage kann man auch Kontakt zu mir aufnehmen, wenn es um Materialien oder Fragen geht", sagt sie. Die Corona-Krise habe die Digitalisierung mehr in den Fokus gerückt. "Ich hoffe, dass das Thema so präsent bleibt."

Der digitale Adventskalender ist auf medienfuerbildung.com zu erreichen. Unter dem Punkt "Blog" gibt es eine Übersicht über die geöffneten Türchen. "Der Kalender hat bereits mehrere Tausend Klicks", freut sich Initiatorin Christiane Stricker. wpa

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