Steffen Laupus steht auf dem abgeernteten Schutzstreifen auf einem seiner Felder. Laupus ist bereits jetzt großer Befürworter dieser Art des Erosionsschutzes. FOTO: NIKLAS MAG
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Steffen Laupus steht auf dem abgeernteten Schutzstreifen auf einem seiner Felder. Laupus ist bereits jetzt großer Befürworter dieser Art des Erosionsschutzes. FOTO: NIKLAS MAG

Pilotprojekt

Bad Vilbeler Landwirte testen Hochwasserschutz

  • vonNiklas Mag
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"Schutzstreifen" sind ein Pilotprojekt des Ingenieursbüros Schnittstelle Boden aus Ober-Mörlen. Gemeinsam mit Vilbeler Landwirten sollen durch diese Idee Erosionen vermieden werden.

Der Massenheimer Landwirt Steffen Laupus ist bisher mit dem Projekt zufrieden. Auch wenn die Felder derzeit recht trist wirken, ist der angelegte Schutzstreifen am Hang eines Hügels, auf dem Laupus’ Felder liegen, noch gut zu erkennen. "Im Sommer war das alles grün", beschreibt der Landwirt. Zwischen den Kartoffelreihen hat Laupus in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Schnittstelle Boden Wintergerste auf einem etwa drei Meter breiten Streifen angepflanzt.

Die Idee ist im Prinzip einfach erläutert: Quer zum Gefälle des Hangs ist der Streifen angebracht. Dort stabilisieren die Wurzeln der Wintergerste den Boden so stark, dass bei extremen Witterungsverhältnissen keine Erde mehr den Hang hinabrutschen kann.

Erosion: Gefahr für Mensch und Tiere

Diese Erosionen sorgen nämlich gleich vielfach für Probleme: "Seit Jahrzehnten gibt es da Verlagerungen. Durch die starken Regenfälle hat das aber noch zugenommen", weiß Steffen Laupus. Die unterirdische Verlagerung sei ein Problem für ihn als Landwirt, da die Qualität des Bodens dadurch schlechter werde. Doch oberirdische Verlagerungen können für die Umwelt und die unmittelbare Umgebung problematisch werden.

Viele Wetterauer haben bereits leidige Erfahrungen mit einem der Effekte von Erosionen gemacht: "Im schlimmsten Fall gibt es eine Schlammlawine, die den Hang hinunterkommt", sagt Laupus. Aufmerksame Leser dieser Zeitung haben schön häufiger entsprechende Berichte gesehen, beispielsweise aus dem Karbener Stadtteil Petterweil. Erst im Juni hatte heftiger Gewitterregen für 46 vollgelaufene Keller gesorgt. Eine Familie schätzte den Schaden sogar auf 50 000 Euro.

Erosionsschutz: Wintergerste als wirksamste Variante

Doch werden Bodenerosionen nicht nur für Menschen schnell zum Ärgernis, auch Tiere können unter abgeschwemmtem Feldmaterial leiden: "Untersuchungen der Gerty-Strom-Stiftung haben gezeigt, dass das abgeschwemmte Material in Gewässern Schaden anrichtet, da es wie eine Isolationsschicht im Flussbett wirkt." Und dieses Problem sei recht großflächig und betreffe nicht nur kleine Teile eines Flusses, die neben Feldern liegen.

Auch wenn ein Landwirt nicht in der Nähe eines Gewässers arbeite, könnten die Schutzstreifen helfen, erläutert Laupus. Die Abschwemmungen würden schließlich auch über Kanäle in die Gewässer gelangen können. Der einzige Nachteil an den Schutzstreifen sei, dass sie nun nicht nutzbare Ackerfläche seien. Ein Opfer, das Steffen Laupus gerne bringt: "Dafür sorgen sie dafür, dass die Nutzbarkeit des gesamten Bodens erhalten bleibt", beschreibt er seine Entscheidung, am Experiment von Schnittstelle Boden teilzunehmen. "Wir müssen jetzt abwarten, welche Ergebnisse das langfristig bringt. Dann muss jeder Landwirt für sich schauen, wie das für ihn umsetzbar ist."

Erosionsschutz: Drei Vilbeler Landwirte nehmen an Pilotprojekt teil

Grundsätzlich sollen alle Landwirte in Zukunft die Möglichkeit haben, von den Ergebnissen der Bad Vilbeler Test-Landwirten zu profitieren. Der Erosionsschutzstreifen werde laut Informationen des Ingenieurbüros im oberen Hangbereich angelegt, damit mögliche Erosionen gleich aufgehalten werden können. Ein weiterer Streifen am Hangfuß könne das logischerweise nicht leisten, kann jedoch Erosionsmaterial davon abhalten in Gewässer, Siedlungen oder auf Straßen zu laufen. Wintergerste sei demnach die günstigste und gleichzeitig wirksamste Variante für die Anlage eines solchen Streifens.

Mehrere der schützenden Streifen hintereinander sorgen auf längeren Hängen für Sicherheit. Geograf Dominik Pecoroni ist bei Schnittstelle Boden für die Schutzstreifen mitverantwortlich. "Aktuell nehmen drei Vilbeler Landwirte teil", sagt er. Man habe im Juli eine Begehung der Felder veranstaltet, bei der auch weitere Interessenten teilgenommen hatten. Gemeinsam habe man mit den Vilbeler Landwirten überlegt, an welchen Stellen Bodenerosionen verhindert werden könnten. "Interessenten gibt es auch weiterhin. Das Projekt könnte also ausgebaut werden."

Als Schlammfluss bezeichnete eine Petterweilerin im Juni die Straße vor ihrem Haus. Stadtbrandinspektor Christian Becker löste damals mitten in der Nacht den Vollalarm aus. Bis zum Sonntagmittag dauerten die Arbeiten in den Kellern der Anwohner, die bis zu den Knien im Schlamm gestanden hatten. Möglicherweise können Schutzstreifen auf Wetterauer Feldern in Zukunft solche starken Abschwemmungen verhindern. nma

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