Derzeit muss die Liege im Studio "Konzept Schönheit" leer bleiben. Inhaberin Bianca Scheibke-Noll bedauert das sehr. "Von Ende 20 bis Mitte 70 sind meine Kunden alt. Viele davon sind Stammkunden. Ich hoffe, dass ich im Februar wieder aufmachen darf." 	FOTOS: PATRICK EICKHOFF
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Derzeit muss die Liege im Studio »Konzept Schönheit« leer bleiben. Inhaberin Bianca Scheibke-Noll bedauert das sehr. »Von Ende 20 bis Mitte 70 sind meine Kunden alt. Viele davon sind Stammkunden. Ich hoffe, dass ich im Februar wieder aufmachen darf.« FOTOS: PATRICK EICKHOFF

Kritik an Lockdown

Kosmetikstudio wegen Corona zu: „Unsere Branche findet keine Beachtung“

  • vonPatrick Eickhoff
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Das Kosmetikstudio von Bianca Scheibke-Noll in Bad Vilbel ist wegen Corona geschlossen. Obwohl Fußpflege von medizinischer Bedeutung sei, findet sie kein Gehör bei der Politik.

Bad Vilbel - Bianca Scheibke-Noll hat sich vor vielen Jahren ihren Traum verwirklicht. 1998 eröffnete sie in Gronau »Biancas Nagelstudio«, das nach mehreren Fortbildungen ihrerseits zum »Konzept Schönheit« wurde. Die 43-Jährige ist Kosmetikerin, Nageldesignerin und Fachfußpflegerin. »Aus Leidenschaft«, wie sie sagt. Doch genau jene Leidenschaft ruht derzeit. Seit zwei Monaten muss das kleine Studio geschlossen bleiben. »Wir werden immer mit als erstes geschlossen, dabei ist eine Behandlung nicht einfach nur Luxus.«

Die Bad Vilbelerin sagt: »Unsere Branche findet in der öffentlichen Diskussion keine Beachtung. Dabei haben auch wir keinen Umsatz und laufende Kosten.« Außerdem werde der medizinische Aspekt einer Behandlung völlig außen vor gelassen. »Als ich 2005 die Ausbildung gemacht habe, hieß es noch medizinische Fußpflege. Heute dürfen nur noch Podologen nach einer ärztlichen Verordnung arbeiten und diesen medizinischen Beisatz tragen.«

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Als Fußpflegerin habe sie aber sehr wohl eine medizinische Bedeutung. »Die Arbeit ist prophylaktisch. Viele leiden an Verformung von Fußnägeln, Druckstellen und Hornhaut. Durch regelmäßige Behandlung - auch bei unreiner Haut - kann man vorsorgen, dass es nicht zu einem medizinischen Fall wird.« So könne man beispielsweise eingewachsene Nägel, Risse in der Hornhaut oder auch Entzündungen vorbeugen.

Außerdem sei der medizinische Standard ohnehin enorm hoch. »Wir arbeiten schon immer mit Maske, Handschuhen und Desinfektionsmittel.« Es gebe kaum Laufkundschaft und es werde nur nach Terminen gearbeitet. »Nach jedem Kunden wird alles desinfiziert. Ich trage ein Face-Shield und habe sogar nach dem ersten Lockdown eine Plexiglasscheibe angebracht. Dennoch musste ich im November sofort schließen, während Friseure offen bleiben durften.« Die 43-Jährige betont, dass sie sich für andere Branchen freue. »Ich will ja nicht, dass andere schließen müssen. Ich verstehe nur nicht, wieso uns die Arbeit verwehrt wird und wurde, obwohl wir auch relevant sind.«

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Den erneuten Lockdown hat die 43-Jährige genutzt und sich einer Operation an den Händen unterzogen. »So musste ich wenigstens keine anderen Termine mit Kunden absagen.« Diese erkundigen sich regelmäßig bei ihr. »Viele fragen nach, ab wann ich wieder Termine vergebe, doch da bin ich vorsichtig. Ich mache erst einmal keine mehr aus«, sagt Scheibke-Noll. Die 43-Jährige hofft, ihr Studio im Februar wieder öffnen zu können.

Bis dahin heißt es abwarten und das Studio auf Vordermann bringen. Ein besonderer Termin steht in den kommenden Wochen noch an. »Ich habe in der Weihnachtszeit immer kleine Geschenktüten mit Pflegeprodukten verkauft. Das drohte wegzubrechen. Bernd Kaffenberger hat diese für mich in seinem Rewe-Markt angeboten. Das fand ich großartig. Mit ihm werde ich mich austauschen und schauen, ob die Aktion erfolgreich war.«

Scheibke-Noll hat ihr Unverständnis über die Schließung ihres Studios in einem Brief an die Landesregierung geäußert und auf die bereits vorhandenen Hygienestandards bei der Behandlung hingewiesen. »Als Antwort kam leider nur ein Standardschreiben«, sagt die 43-Jährige. Sie würde sich wünschen, dass die Branche mehr zusammenhält. »Ganz viele arbeiten nur gegeneinander und gönnen sich nichts. So findet die Branche kein Gehör.« (Patrick Eickhoff)

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