Der langjährige Vorstand Helmut Ochs (l.) mit seinem Nachfolger Ulrich Hilbert vor der Bad Vilbeler Niederlassung der Frankfurter Volksbank. 
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Der langjährige Vorstand Helmut Ochs (l.) mit seinem Nachfolger Ulrich Hilbert vor der Bad Vilbeler Niederlassung der Frankfurter Volksbank. 

Im Ruhestand

Bad Vilbeler Helmut Ochs gibt Vorstand bei Frankfurter Volksbank ab

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Das Bad Vilbeler Vorstandsmitglied der Frankfurter Volksbank, Helmut Ochs (63), ist in den Ruhestand gegangen. Im Gespräch erzählt er, wie er die vergangenen Wochen mit Corona und die Bankenkrise erlebt hat.

Herr Ochs, wie hat sich die Corona-Krise auf Ihre letzten Berufswochen ausgewirkt?

Auf der Zielgeraden meines beruflichen Lebens bedeutete die Corona-Krise nochmals eine starke Veränderung: Wie bei vielen Menschen bestimmten auf einmal Hygiene- und Abstandsregeln meinen Alltag. Homeoffice und unzählige Telefon- und Videokonferenzen waren neue Erfahrungen. Natürlich brachte Corona auch ein gewisses Maß an Entschleunigung mit sich, denn es gab von jetzt auf gleich keine Abendtermine mehr. Kundenkontakte waren nur ohne persönliche Begegnung möglich, was ich sehr bedauere. Schade war sicherlich auch, dass ich mich durch die Corona-bedingten Auswirkungen nicht so wie geplant von meinen Kunden, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie meinen Vorstandskollegen verabschieden konnte.

Was war das für Sie wichtigste Ereignis während Ihrer Banktätigkeit in Bad Vilbel?

Das war ganz klar die Fusion mit der Frankfurter Volksbank. Die Selbstständigkeit aufzugeben, war damals für uns als BVB Volksbank keine leichte, sondern eine sehr weitreichende Entscheidung. Aber dieser Schritt war notwendig und auch richtig, um dauerhaft den wachsenden Herausforderungen einer dynamischen Region wie der unseren gerecht zu werden.

Worin unterscheidet sich Ihre Vorstandstätigkeit von der eines Vorstandes der Deutschen Bank?

Als Vorstandsmitglied einer Volksbank ist man sehr eng mit den Menschen und Unternehmen im Geschäftsgebiet verbunden und begleitet ihren Weg oft über Jahrzehnte. Für mich war es immer ein besonderer Ansporn, einen Beitrag für die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu leisten, in der ich selbst zu Hause bin.

Warum haben Sie sich für eine Fusion der Bad Vilbeler Volksbank mit der Frankfurter Volksbank im Jahr 1999 eingesetzt?

Durch die Fusion mit der Bergen-Enkheimer Volksbank waren wir damals schon in mehreren Frankfurter Stadtteilen vertreten. Zudem zeichnete sich am Ende des letzten Jahrhunderts ab, dass die Städte Bad Vilbel, Karben und Nidderau weiter wachsen würden. Damit einher gingen steigende Ansprüche der Kunden an die Kreditversorgung, an eine qualifizierte Anlageberatung beispielsweise in Form einer Vermögensverwaltung, aber auch an den Auslandszahlungsverkehr. Dieses Leistungsspektrum konnten wir mit einem starken Partner wie der Frankfurter Volksbank noch besser abdecken. Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass viele unserer Kunden Pendler sind, die in Frankfurt arbeiten. Mit der Fusion konnten sie alle Dienstleistungen ihrer Bank nun sowohl am Arbeits- als auch am Wohnort nutzen. Gerne möchte ich auch daran erinnern, dass wir im Zuge der Fusion die BVB Volksbank Stiftung gegründet haben, deren Zweck die Förderung der Vereine, Schulen und sonstigen gemeinnützigen Einrichtungen im ehemaligen Geschäftsgebiet der BVB Volksbank ist.

Wie haben Sie die Bankenkrise erlebt? Welche Auswirkungen hatte sie auf Ihr eigenes Berufsleben?

Die Themen waren damals ähnliche wie heute in der Corona-Krise: Kursstürze an den Börsen, sinkende Zinsen, starke Verunsicherung der Kapitalanleger und Rezessionsängste der Wirtschaft. Als Vorstand der Frankfurter Volksbank war es damals wie heute beruhigend zu wissen, dass wir außerordentlich solide aufgestellt sind und unseren Kunden nur Kapitalmarktprodukte anbieten, die wir guten Gewissens empfehlen können.

Was finden Sie als gebürtiger Bad Vilbeler an Ihrer Stadt liebenswert?

Ich schätze den Gemeinsinn der Menschen, die Dynamik der Stadtentwicklung, das Kulturangebot - insbesondere die Burgfestspiele und die Alte Mühle -, die vielfältigen Sportmöglichkeiten, aber auch das kulinarische Angebot, das in den letzten Jahren eine starke Aufwertung erfahren hat. Zudem freut es mich, dass es mit der "Neuen Mitte" gelungen ist, einen im Sinne des Wortes "sprudelnden Treffpunkt" zu schaffen. Aber auch die Pfiffigkeit der Bad Vilbeler beeindruckt mich: So bringen die im Zuge von Corona entstandenen neuen Gastronomieflächen rund ums Alte Rathaus südländisches Flair nach Bad Vilbel und dokumentieren das ständige Bemühen, sich weiterzuentwickeln. Eindrucksvolle Beispiele hierfür sind auch die Europäische Schule und die Neugestaltung der Innenstadt einschließlich des Niddaufers.

Haben Sie sich für Ihren Ruhestand etwas Besonderes vorgenommen?

Ja, ich möchte die neu gewonnene Zeit nutzen, um wieder mein altes Hobby, die Fotografie, zu pflegen. Gerne wäre ich auch beim Hessentag als Helfer dabei gewesen. Dies war aus den bekannten Gründen nicht möglich, ich hoffe aber, dass es nur aufgeschoben ist. Selbstverständlich möchte ich mich auch in die Stadtgesellschaft einbringen - allerdings habe ich noch nicht entschieden, wie dies konkret aussehen wird.

Haben Sie einen "Draht" zu Bad Vilbel? Wie gut kennen Sie die Stadt?

Bad Vilbel ist für mich eher eine alte Liebe als eine neue Bekanntschaft. Ich wohne seit fast 30 Jahren in der Nähe und bin daher auch privat oft und gerne in der Stadt und der Umgebung unterwegs. Ob bei einem Spaziergang durch den Kurpark, einer Veranstaltung in der Alten Mühle oder im Sommer zu den Burgfestspielen: Ich habe Bad Vilbel und die dort lebenden Menschen privat wie auch beruflich sehr gut kennen gelernt. Und natürlich steht bei uns Zuhause das gute Bad Vilbeler Wasser immer auf dem Tisch. Im Sommer bin ich auch oft mit dem Fahrrad entlang von Nidda und Nidder unterwegs. Meine Touren führen mich dabei nicht nur nach Bad Vilbel, sondern auch nach Karben und Nidderau. Beide Städte besuche ich gerne und oft, zumal wir hier auch mit zwei unserer neuesten Beratungszentren vertreten sind.

Warum ist es Ihnen wichtig, in einer Volksbank Verantwortung zu tragen?

Als Volksbank unterscheiden wir uns durch ein Merkmal besonders von anderen Bankengruppen: Unsere Kunden sind zum großen Teil Mitglieder und damit auch Eigentümer unserer Bank. Das erdet uns und verpflichtet uns zu Kundennähe, aber auch zur Nähe in der Region. Konkret bedeutet das: Wir sind dabei, wenn Menschen Existenzen gründen, ihren Traum vom eigenen Haus verwirklichen, eine gute Altersabsicherung benötigen und vieles mehr. Verantwortung in einer Volksbank zu tragen, heißt immer auch besondere Verantwortung für die Region zu übernehmen. Das ist der Fokus für uns Vorstände, aber auch für alle unsere Mitarbeiter.

Warum ist der Regionalmarkt im Schatten der Bankenstadt Frankfurt so wichtig?

Frankfurt/Rhein-Main gehört zu den prosperierendsten und wirtschaftlich stärksten Gegenden in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Auch nach Corona, davon bin ich fest überzeugt, wird unsere Region schnell wieder nach vorne kommen. Dies ist aber nicht nur der Wirtschaftskraft Frankfurts zu verdanken. Unsere Gegend lebt insbesondere auch von der Vielfalt und dem Netzwerk der unterschiedlichen Kreise und Städte. So sind Bad Vilbel, aber auch Karben und Nidderau eben keine Schlafstädte vor den Toren der Metropole Frankfurt, sondern blühende Gemeinwesen mit eigener Wirtschaftskraft, einer sehr guten Verkehrsanbindung und vielfältigen wirtschaftlichen Aktivitäten. Dazu kommen ein hoher Freizeitwert sowie ein großes kulturelles Angebot. Und wenn man die zahlreichen Neubauprojekte und den Zuzug betrachtet, zeigt sich, dass viele Menschen das so sehen. pe

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