Da es sich beim Quellenhof in Bad Vilbel nicht um ein Altersheim im klassischen Sinne handelt, gelten nicht alle Verordnungen im Zuge der Corona-Krise. Manche Besucher sind nicht einverstanden und sorgen sich um ihre Angehörigen.
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Da es sich beim Quellenhof in Bad Vilbel nicht um ein Altersheim im klassischen Sinne handelt, gelten nicht alle Verordnungen im Zuge der Corona-Krise. Manche Besucher sind nicht einverstanden und sorgen sich um ihre Angehörigen.

Betreutes Wohnen

Bad Vilbeler bemängelt fehlende Corona-Maßnahmen im Quellenhof

  • vonPatrick Eickhoff
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Michael N. ist sauer. Seine Mutter wohnt im Quellenhof und zählt mit 84 Jahren zur Hochrisikogruppe. Doch in der Vilbeler Seniorenresidenz herrscht reges Treiben.

Wenn Michael N. (Name von der Redaktion geändert) zu seiner Mutter fährt, dann trägt er Handschuhe und eine Schutzmaske. »Ich bin regelmäßig für sie einkaufen und wahre natürlich auch immer den Abstand«, sagt er. Die 84-Jährige wohnt in der Seniorenresidenz Quellenhof in Bad Vilbel. »Dort gehen Handwerker und Besucher ein und aus und das ganz ohne Schutzmaterialien.« Michael N. bedauert, es gebe beinahe »keine Hinweise an den Eingängen«. Schließlich wohne dort eine Hochrisikogruppe. »Überall gibt es Beschränkungen und Bestimmungen. Offensichtlich hat die Politik eine bestimmte Gruppe einfach vergessen.«

Doch wer ist dafür verantwortlich? Der Pressesprecher der Stadt, Yannick Schwander, spricht von einer »besonderen Situation«. »Der Quellenhof ist grundsätzlich eine private Einrichtung mit ganz vielen Miteigentumsanteilen und im Wesentlichen mit eigenständigen Wohnungen und eben nicht mit einem »klassischen Altersheim« zu vergleichen. Es gelten dort dann natürlich alle Verordnungen, die für alle Bürger gelten.« Eine private Einrichtung jedoch entziehe sich weitgehend dem Einflussbereich der Stadt.

Bad Vilbeler bemängelt fehlende Corona-Maßnahmen: Quellenhof ist kein Altersheim

Das bestätigt auch der Wetteraukreis. Dessen Pressesprecher Michael Elsaß betont: »Der Quellenhof ist kein Altersheim. Dann müssten wir auch in jede private Wohnung und kontrollieren, inwiefern Besuch erlaubt ist. Es ist eine Frage der Vernunft, die für alle gilt.« Der Quellenpark sei keine stationäre oder ambulante Einrichtung, sondern schlicht und ergreifend »einfaches Wohnen«, wie Elsaß sagt. »Jeder sollte mittlerweile wissen, worum es geht.«

Michael N. sieht das anders. »Ich würde mir mehr Aufklärung wünschen«, sagt er. »Es gibt keine Hinweisschilder oder Plakate. Während ich mich daran halte, schauen bei anderen Bewohnern ganze Familien vorbei - ganz ohne Masken.« Michael N. bedauert, dass das »betreute Wohnen« nicht von den gleichen Verordnungen betroffen ist, wie es Alters- oder Pflegeheime sind. »Da fragt man sich, ob die einfach vergessen wurden?«

Bad Vilbeler bemängelt fehlende Corona-Maßnahmen: Vorgaben seien umgesetzt

Tatsächlich gibt es auch im Quellenhof ein Pflegezentrum im Erdgeschoss. Frédéric Lauscher vom Vorstand des Frankfurter Verbandes, dem Träger dieses Zentrums, stellt klar: »Wir reden hier nur von einem ganz kleinen Teil der kompletten Anlage. In unserer Einrichtung sind 18 Personen untergebracht. Dort haben wir die Forderungen zu 100 Prozent umgesetzt.« Bei den anderen Wohnungen gebe es unterschiedliche Konstellationen, »aber teilweise wohnen dort die Eigentümer selbst«. Es gelte, soziale Kontakte zu vermeiden. »Die Leute sind selbst verantwortlich.« Lauscher fügt an: »Wir sind auch Träger von vielen Seniorenwohnanlagen in Frankfurt, und die Senioren müssen selbst darauf achten. In unseren Mietwohnungen greift der Staat ja auch nicht ein. « Dennoch hat der Einrichtungsträger ein Merkblatt verteilt. »Wir fühlen uns durchaus verantwortlich, aber wir können den Leuten keine Vorschriften machen.«

Michael N. ist der Meinung, das ist zu wenig. Er hat sich deshalb an Stadt, Kreis und Träger gewandt. »Ich finde es merkwürdig, dass dieser Bereich so außen vor gelassen wurde. Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, und es kann nicht sein, dass dort Betrieb herrscht wie immer.« Schließlich sei es eine besondere Situation.

Bad Vilbeler bemängelt fehlende Corona-Maßnahmen: Bewohner selbst für eigenes Handeln verantwortlich

Die Hausverwaltung lässt den Vorwurf der fehlenden Information nicht auf sich sitzen. »Die Bewohner im Quellenhof wurden per Briefeinwurf darauf hingewiesen, welche Schutzmaßnahmen zur Vermeidung der Ansteckungsgefahr gegen den Coronavirus zu ergreifen sind«, sagt Heiko Dillenberger von der Immobilienverwaltung. »Unterstützt und aktualisiert werden diese Informationen täglich durch die üblichen Medien, die Informationen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration sowie die Aushänge an den Eingängen des Frankfurter Verbandes.« Ein großer Vorteil des betreuten Wohnens sei, dass jeder Bewohner für sein Handeln selbst verantwortlich und damit an die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben gebunden ist. »Inwieweit sich die Bewohner daran halten, liegt im Ermessen jedes Einzelnen, ebenso die Frage ob und wie viel Besuch zu empfangen ist«, sagt Dillenberger. Es könne der Eindruck entstehen, dass trotz Coronavirus-Krise zahlreiche Besucher Zutritt in die Wohngebäude erhalten. »Dazu verweisen wir auch auf die Berichterstattung über die Vereinsamung alter Menschen. Uns sind derzeit keine Coronavirus-Erkrankungen bekannt. Wir sind stets bemüht, dass dieser Zustand so bleibt«, hält Dillenberger fest.

Das würde sich auch Michael N. wünschen. »Ich werde natürlich weiterhin zu meiner Mutter fahren und auch andere Personen ansprechen und an die Vernunft appellieren«, sagt er. »Ich hoffe, es ist mittlerweile bei jedem angekommen, wie wichtig es ist, nicht nur die eigenen Angehörigen, sondern auch die Mitmenschen zu schützen.«

Seit 1996 ist der Quellenhof in Betrieb

Die 219 Wohnungen sind größtenteils behindertengerecht. Die drei Geschosse werden über mehrere Aufzüge miteinander verbunden. Sie verfügen über Balkone oder Terrassen sowie zumietbare Stellplätze in der Tiefgarage. Individuelle Pflege- und Betreuungsleistungen werden im Haus vom Frankfurter Verband angeboten. Dieser bietet im Pflegebereich Rund-um-die-Uhr-Pflege, Tagespflege mit gemeinsamem Mittagessen sowie Betreuung mit Hausnotruf, Sozialberatung, Veranstaltungen, Ausflüge und bei Bedarf ambulante Pflege in den Wohnungen und Hilfe im Haushalt an - Voraussetzung ist der Abschluss eines Betreuungs-/Pflegevertrages. Weitere Infos auf seniorenresidenz-quellenhof.de. 

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