Fairtrade-Stadt

Bad Vilbel zögert Zertifikat weiter hinaus

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Bad Vilbel möchte einen besonders grünen Hessentag in zwei Jahren aursichten. Dazu würde das Zertifikat "Fairtrade-Stadt" passen meint die SPD, doch daraus wird nichts.

Fair gehandelter Kaffee in den Sitzungen und im Bürgermeisterbüro sowie Fairtrade-Produkte in mindestens fünf gastronomischen Betrieben in der Stadt. Das und noch mehr wünscht sich die SPD, sie will Bad Vilbel zu einer "Fairtrade-Stadt" machen. Neu ist das Ansinnen der Fraktion nicht, denn schon vor anderthalb Jahren wollte sie das durchsetzen, scheiterte aber an der Mehrheit. So ist es erneut.

Bereits im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss platzt dem Grünen Ralph Mallmann der Kragen: "Geben Sie es doch zu, Sie wollen das gar nicht. Mit so einer Haltung öffnen Sie aber keine Perspektiven für die Stadt." Er bezieht sich damit auf den zweiten Anlauf der SPD, die Bad Vilbel zur zertifizierten Fairtrade-Stadt machen will.

CDU: Antrag zur falschen Zeit

Bereits 2016 hatte die SPD damit argumentiert, dass es der Stadt gut zu Gesicht stehen würde, wenn sie den Hessentag als Fairtrade-Stadt präsentieren könnte. Im Haupt- und Finanzausschuss ging die SPD-Abgeordnete Isil Yönter darauf ein, dass eine Kommune, die sich für fairen Handel einsetze, zeige, dass sie sich ihrer Verantwortung für existenzsichernde Löhne sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Ursprungsländern wichtiger Importprodukte wie Bananen, Blumen, Kaffee, Tee oder Kakao bewusst sei.

"Gerade in der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, dass wir als Kommune das Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen sowie soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handlungsstrukturen schärfen und eine Initialzündung geben". Den zu leistenden personellen Aufwand bezeichnete Yönter als gering.

Herbert Anders (CDU) entgegnete, der Antrag komme zum falschen Zeitpunkt. Denn die Verwaltung sei jetzt sehr in die Vorbereitungen des Hessentages eingespannt. Da sei es nicht mehr leistbar, eine Steuerungsgruppe zu bilden, die die Fairtrade-Aktivitäten in der Stadt koordiniere. Martin Gecks sagte für die Freien Wähler: "Wir geben hier Geld der Steuerzahler aus. Und ich weiß nicht, ob Fairtrade bei jedem gut ankommt." Der Ausschuss empfahl die Ablehnung des SPD-Antrages.

So ist es dann auch im Stadtparlament gekommen. Nur die Grünen und die SPD stimmen für den Antrag, der Rest dagegen. Dabei geht Yönter hier noch einmal speziell auf den Hessentag ein. Das Thema passe sich hervorragend in das Oberthema eines grünen "Hessentags der Zukunft" ein. Eingebettet werden könnte der faire Handel bereits in den bestehenden Arbeitskreis 7, der sich unter anderem mit dem Leitmotiv "Geben und Nehmen" beschäftige. "Damit könnten wir unser eigenes Konzept ergänzen." So wolle es schließlich auch der Chef der Hessischen Staatskanzlei, die von Landesseite für den Hessentag zuständig ist.

Fünf Kriterien

Kerstin Cleve (CDU) sieht dies nicht so: "Wir müssten eine eigene Steuerungsgruppe dafür einsetzen. Der Hessentag belastet die Angestellten der Stadtverwaltung stark. Wir wollen niemanden zwingen, das zusätzlich zu übernehmen." Das bezeichnet Jana Peters von den Grünen als Vorwand. Und Walter Lochmann (SPD) erinnert daran, dass auch andere CDU-Verbände den fairen Handel begrüßten.

535 "Fairtrade-Towns" gibt es in Deutschland, 48 sind es in Hessen. In vielen anderen Kommunen läuft nach Angaben der SPD die Bewerbungsphase. Um Fairtrade-Stadt bei der Gesellschaft "TransFair" zu werden, gibt es fünf Kriterien: Die Stadt soll mit gutem Beispiel vorangehen und etwa bei allen politischen Sitzungen fair gehandelten Kaffee sowie ein weiteres Produkt anbieten. Eine lokale Steuerungsgruppe soll die Aktionen koordinieren. Neun Einzelhändler verkaufen zertifizierte Fairtrade-Produkte, ebenso fünf Cafés oder Restaurants. Mindestens eine Schule, ein Verein und eine Kirchengemeinde verwenden diese Produkte und bieten mindestens einmal pro Jahr Bildungsaktivitäten an. Außerdem sollten örtliche Medien über die Aktivitäten berichten.

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