Landesfest

Bad Vilbel will den Hessentag

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Es gibt eine breite Zustimmung zum Volksfest der Hessen. Das Stadtparlament hat jetzt den Weg geebnet, damit sich die Stadt beim Land offiziell dafür bewirbt. Die Chancen stehen gut.

Das Thema stand gar nicht auf der Tagesordnung der Stadtverordnetensitzung, aber die Fraktionen waren sich im Vorfeld einig geworden und hatten einen entsprechenden gemeinsamen Eilantrag formuliert. Damit wird der Magistrat offiziell beauftragt, sich für den Hessentag 2020 bei der Landesregierung zu bewerben. Die Verwaltung hat nun einen einstimmig verabschiedeten Auftrag, die Bewerbung zu erarbeiten.

Möglicherweise haben die klaren Voten in den beiden Bürgerversammlungen mit den Ausschlag gegeben, dass die Fraktionen diesen Auftrag gemeinsam formuliert haben. Denn an den Tafeln fanden sich bei Pro rund 75 Prozent der Buttons, mit denen abgestimmt werden konnte, und von den restlichen 25 Prozent waren noch viele unentschlossen. Die Stadt erhofft sich, noch viele Unentschlossene auf die Seite der Befürworter ziehen zu können. Auf jeden Fall war die Zahl der Neinsager äußerst gering.

In den Reihen der Politik sagen zurzeit 100 Prozent ja zu dem Ereignis. Die vom Fachdienstleiter Kultur, Claus-Günther Kunzmann, erarbeiteten Eckpunkte sind Grundlage des Beschlusses. Darin heißt es, man setze in erster Linie auf den ÖPNV, Busse sowie das Fahrrad. Trotz Ausbaus der Bahnstrecke müsse die Taktfrequenz der Bahn für den Hessentag erhöht werden. Bei Bussen sei der Einsatz von Elektrobussen sowie Shuttlediensten zu prüfen. »Der Hessentag ist klimaneutral zu organisieren«, schreibt Kunzmann in seinem Papier. In erster Linie erfolge der Ausgleich für Baumaßnahmen möglichst in Bad Vilbel selbst, erst in zweiter Linie durch den Erwerb von CO-Zertifikaten. Die Grünflächen sollen »nachhaltig miteinander vernetzt werden«, ebenso die Fluss- und Bachläufe. Die innerstädtischen Rad- und Fußwege sollen optimiert werden.

Kurhaus wird Kongresszentrum

Zentrales Bauprojekt wird die Sanierung und Umgestaltung des Kurhauses sein. Anstelle des nicht mehr genutzten Kurmittelhauses und des später geschlossenen Hallenbades soll eine Stadthalle an das Kurhaus angebaut und das Ganze durch ein Hotel zu einem Kur- und Kongresszentrum werden.

Kunzmann strebt an, das Defizit für die Stadt soll nicht höher als drei Millionen Euro sein. Ob es überhaupt ein Defizit gibt, ist indes fraglich. Die Stadt rechnet zum gegenwärtigen Zeitpunkt nach Angaben von Stadtsprecher Yannick Schwander eher mit einem Überschuss. Kunzmann habe in den Bürgerversammlungen eine Modellrechnung aufgemacht. Derzufolge erhalte die Stadt vom Land für investive Maßnahmen rund 6,5 Millionen Euro, weitere zwei Millionen Euro würde die Stadt als Defizitausgleich bekommen. Man rechnet mit Gesamtausgaben von 11,5 Millionen Euro, dem stünden Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Standgebühren von rund 7 Millionen Euro gegenüber. Die Eigenleistung betrage rund 2,5 Millionen Euro. Diese Rechnung basiere auf der Modellrechnung, die Bad Hersfeld aufgestellt habe, das 2019 den Hessentag ausrichtet.

Das Defizit erwähnten nur die Grünen in ihrer Stellungnahme. Fraktionsvorsitzende Kathrin Anders sagte, es falle ihrer Fraktion schwer, dieses Defizit mitzutragen. Deshalb fordere man »finanzielle Transparenz«. Das Hessenfest sei mehr als nur ein Fest, sondern es ergebe sich die Chance auf Verwirklichung auch von ökologischen Projekten. Die beabsichtigte Nachhaltigkeit sei gut für die Stadt. Gut finden nicht nur die Grünen die Idee, ein grünes Band durch die Stadt entstehen zu lassen und die Gewässer miteinander zu vernetzen. Auch wurde das »Wir-Gefühl« erwähnt, das ein solches Ereignis in der Stadt fördern würde. Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr sagte, das sei eine einmalige Gelegenheit. Der Hessentag würde der Größe und Bedeutung der Stadt gerecht.

Aufhorchen ließ die Bemerkung des Stadtverordneten und Landtagsabgeordneten Tobias Utter, bei seinen Landtagskollegen sei die Bewerbung Bad Vilbels »auf Interesse« gestoßen. In der Verwaltung rechnet man sich ohnehin gute Chancen aus: Neu-Isenburg will für 2020 keine Bewerbung abgeben, Haiger ebenfalls nicht. Schwander: »Zurzeit will sich nur Bad Vilbel bewerben.«

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