Bade-Tempel

Bad Vilbel: Thermen-Debatte läuft wieder an

Über alle Fraktionen hinweg ist man sich in Bad Vilbel einig: Es ist eine gute Nachricht, dass die Wund-Gruppe sich zum Thermenbau bekannt hat. SPD und Grüne sind jedoch skeptisch.

Von AGS

Ja, die Therme kommt. Diese Nachricht ließ nach Monaten der Ungewissheit vor einer Woche ganz Bad Vilbel aufhorchen. In einer öffentlichen Mitteilung stellte die Unternehmensgruppe des verstorbenen Bäderkönigs Josef Wund klar, dass sie an dem lange geplanten 200-Millionen-Euro-Projekt festhalten will. Eine Verlautbarung, die bei den Fraktionen des Stadtparlaments durchweg gut ankam. Vor allem die schwarz-gelbe Regierungskoalition lobte Stadtrat Klaus Minkel (CDU), der im Hintergrund als Stadtwerke-Chef mit den Investoren das Bauvorhaben vorangetrieben hatte. CDU-Fraktionschefin Irene Utter betonte, die Christdemokraten seien Minkel dankbar, dass er in einer "schwierigen Phase das Projekt nicht aufgegeben" habe.

Auch nach dem tragischen Tod Wunds im Dezember 2017, der das Bauprojekt kurz vor dessen Start ausgebremst hatte, habe ihre Partei nie die Hoffnung aufgegeben, dass das Kombibad realisiert werde. Schon in wenigen Jahren werde Bad Vilbel nun als "Bade-Stadt" bekannt sein, glaubt Utter. Der Freizeitbereich werde dem Tourismus in der Region neue Impulse geben und das Hallenbad vor allem dem Schulsport zugutekommen.

SPD: Vertrauen weg

Für Verwunderung sorgte derweil, dass die Wund-Gruppe neben ihrem Bekenntnis zum Standort auch bestätigte, dass der Badekomplex noch einmal umgeplant wird: Statt mehrstöckig wird er ebenerdig gebaut, das angedachte 250-Betten-Hotel fällt weg. Konkretere Details zu den veränderten Konzepten gibt’s noch nicht. Klar ist: Der Regionale Flächennutzungsplan muss geändert werden.

Angesichts dieser Neuigkeiten forderte die SPD den Magistrat auf, "endlich die Öffentlichkeit" über die neuen Pläne aufzuklären. Durch die "Hinhaltetaktik" der Stadtregierung, sei viel Vertrauen verloren gegangen, stellte SPD-Fraktionschef Christian Kühl fest. Die Hoffnung auf Infos zu Baubeginn, Fertigstellung oder Flächenversiegelung, erstickte Stadtrat Minkel aber sogleich im Keim. Die Thermen-Pläne seien voraussichtlich erst im Mai fertig, erwiderte er. Und: "Unfertiges soll nicht gezeigt werden."

Offen blieb für die SPD auch, warum die Stadt den Wegfall des Hotels hinnimmt. Sie fürchtet, ohne Hotel locke das Bad weniger für Geschäfte und Restaurants profitable Kurzurlauber und mehr für den Verkehr belastende Tagesgäste an. Außerdem warnt Kühls Fraktion davor, wegen der Konzeptänderungen auch die finanzielle Beteiligung der Stadt an dem Projekt neu zu verhandeln.

Skepsis wegen Versprechen

Laut Minkel eine unbegründete Sorge. Die Stadt beteiligte sich wie vorgesehen mit 25 Millionen Euro, die etwa für den Bau von Parkhäusern gedacht sind. Auch dem SPD-Vorschlag, sich abseits der Wund-Gruppe um einen Hotelbetreiber zu mühen, erteilte er eine Absage: Es seien derzeit bereits vier Hotelprojekte in der Pipeline, die erst einmal gefüllt werden wollten.

Die Grünen-Fraktion hat derweil angekündigt, in Kürze eine Anfrage ans Rathaus stellen zu wollen. Grund: Die Oppositionsfraktion will wissen, ob die Stadt weiter mit den ursprünglich vom Investor versprochenen 5,5 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr rechnen kann. Das Geld werde dringend benötigt, beispielsweise für die Stadthalle, hieß es in einer Mitteilung.  Minkels knappe Antwort: Er rechnet mit "hohen Einnahmen" aus den Parkhäusern, außerdem fließe eine Erbpacht für das Thermen-Grundstück. Auch, dass das Defizit, das das inzwischen abgerissene alte Hallenbad verursacht hatte, nun rausfällt sieht er als Plus für die Stadt. Ob es allerdings bei den 5,5 Millionen Euro Einnahmen bleibt, lässt der Stadtrat offen.

Grüne sind skeptisch

Auch die Ankündigung, die Therme werde nun ebenerdig gebaut, stößt auf Skepsis. Jens Matthias, Fraktionsvorsitzender der Grünen: "Wie die Therme aussieht, soll der Investor entscheiden. Für uns als Grüne ist wichtig, dass nicht mehr Fläche verbraucht wird, als ursprünglich geplant." Zuletzt hieß es, das bebaute Areal werde nicht über die 5,9 einst eingeplanten Hektar hinausgehen. Gleichzeitig soll die Therme aber flächiger werden. "Wenn sich Herr Minkel jetzt freut, dass die Gebäude ebenerdig werden und auf das zusätzliche Hotel verzichtet wird, reibt man sich verwundert die Augen, da noch vor einem Jahr ein hohes Gebäude mit Hotel als die Ultima Ratio vorgestellt wurde", sagte Grünen-Stadtverordnete Kathrin Anders. Und ergänzte: "Jetzt mit der Behindertengerechtigkeit zu werben, ist Augenwischerei, da die Therme als öffentlicher Bau sowieso behindertengerecht gebaut werden muss."

Als Wund angefangen habe zu planen, erwiderte wiederum der Stadtwerke-Chef, habe die Stadt noch nicht alle Grundstücke erworben gehabt. Der Investor habe deshalb mehrstöckig planen müssen. "Diesen Zwang gibt es nicht mehr", so Minkel. "Die Behindertengerechtigkeit wird daher stark durch den Wegfall von Aufzügen verbessert, was die Grünen in ihrer Unerfahrenheit verkennen." Überhaupt sieht sich der Ehrenstadtrat zu Unrecht in der Kritik. Schon in der vergangenen Woche freute er sich, die "Unken", die das Projekt bereits abgeblasen sahen, widerlegt zu haben. Nun ärgerte er sich über "Krümelsuche" statt Freude.

Lob für Minkel

Beistand gibt’s vom Koalitionspartner. FDP-Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn lobte den "unermüdlichen Einsatz" Minkels. "Einige politische Mitbewerber, so mein Gefühl, haben schon die Krokodilstränen gelagert", sagte der Liberalen-Chef. Zu den Planänderungen, bemerkte er, sei es wichtig, dass Verkehrsbelastungen für die Vilbel auch weiter "beherrschbar" blieben.

Die Freien Wähler um Raimo Biere zeigten sich erfreut über das Bekenntnis der Wund-Gruppe zur Therme. Seine Fraktion sei immer optimistisch gewesen. Den Verzicht auf ein Hotel sehen die Freien Wähler "nicht so problematisch". Es gebe viele Hotels in unmittelbarer Umgebung, mit denen sich nun eine Kooperation anbiete.Und die SPD hält fest: "Das Wichtigste ist, dass ein neues Hallenbad entsteht und dies als erstes errichtet wird, damit das Versprechen, dass der Bürgermeister (Thomas Stöhr, CDU) gab – dass es zu keiner Vakanz kommt – nicht zu lange gebrochen bleibt."

Warten auf den Erbschein

Seit Josef Wund im Dezember 2017 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist, wartet seine Unternehmensgruppe auf den Erbschein, ohne den sie mit dem Bau der Therme nicht beginnen kann. Schuld an der Verzögerung ist das Chaos nach einer Justizreform in Baden-Württemberg. Die Wund-Gruppe will zwischen der B3 und dem Schulzentrum auf Bad Vilbeler Grund ein Kombibad mit Spaß- und Freizeitbereich sowie Sportbecken errichten. Die ersten Arbeiten hätten im Januar 2018 beginnen, Eröffnung Ende 2019 sein sollen. Nun wird erneut umgeplant. Noch zu Lebzeiten Wunds hatte sich das Vorhaben mehrmals nach hinten verschoben, weil Konzept und Baupläne für den Badkomplex geändert wurden. (ag)

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