Vorbild Bad Homburg

In Bad Vilbel soll man das Parkticket bald per Handy bezahlen

  • Holger Pegelow
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Das Leben wird digitaler,der Zeitdruck nimmt zu. Da erscheint es manchem lästig, sich einen Parkschein zu ziehen. Bequemer und schneller ginge es mit dem Handy. Bald auch in Bad Vilbel?

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Kühl war kürzlich im norddeutschen Emden. Da ist nicht nur die Luft gesünder als im Rhein-Main-Gebiet, auch das Parken, genauer gesagt das Bezahlen fürs Parken, geht einfacher. Das Auto kann wie gewohnt geparkt werden, dann zückt man sein Handy, schickt sein Kfz-Kennzeichen mit einer weiteren Ziffer, die für die Parkdauer (1 für eine Stunde, 2 für zwei Stunden usw.) steht an eine Kurzwahl und erhält prompt sein Parkticket per SMS. Eine Viertelstunde vor Ablauf wird der Fahrer an das Parkzeitende erinnert.

Das hat Kühl zwar nicht so detailliert erzählt, ihm war das aber sehr wohl angenehm aufgefallen. Und bei der Recherche, wo es in der näheren Umgebung das Handy-Parken schon gibt, sind ihm Bad Homburg, Wiesbaden, Hanau und Dieburg aufgefallen. Deshalb hat er zur jüngsten Sitzungsrunde der Gremien einen Prüfantrag an den Magistrat formuliert. Die Stadt solle prüfen, unter welchen Bedingungen das Handy-Parken als Ergänzung zu den bestehenden Zahlungsmöglichkeiten eingeführt werden kann. Kurz gesagt könne man die Parkgebühr bargeldlos per Handy entrichten, ohne dass man einen Parkscheinautomaten verwenden müsse, hat er formuliert.

Minutengenaue Abrechnung

Als Vorteile sehen die Genossen, dass die Parkzeit minutengenau abgerechnet weden kann, man müsse sich bei Systemen mit Registrierung nicht bereits zu Parkbeginn auf die Parkdauer festlegen, und man spare den Weg zum Automaten. Kühl hatte schon recherchiert und festgestellt, dass es zwei Systeme gibt: eines mit, ein anderes ohne Registrierung. Die Systeme ohne Registrierung, wie etwa in Dieburg, erscheinen der Fraktion wenig sinnvoll, da bei diesen die Parkgebühr genau wie bei Parkscheinen vorher gebucht werde. Deshalb unterschieden sich diese Systeme zu wenig von den "analogen" mit den jetzigen Automaten und würden deshalb von zu wenigen Autofahrern genutzt. Die Einführung eines Systems mit vorheriger Registrierung erscheine eher sinnvoll. Der Magistrat solle aber beide Systeme prüfen.

CDU-Fraktionschefin Irene Utter sagte, ihre Fraktion stimme zu. Man gebe aber zu bedenken, dass die Systeme möglicherweise im Parkhaus in der Innenstadt nicht funktionieren, sondern nur außen herum.

Vorbild Bad Homburg

In der Nachbarstadt Bad Homburg, wo das Handy-Parken bereits 2010 eingeführt wurde, hat sich das System inzwischen eingespielt. Stadtsprecher Andreas Möring verweist gegenüber der WZ aber darauf, dass es zu Beginn "einige Probleme" gegeben habe. Die Stadt habe deshalb verstärkt Aufkleber an den Automaten angebracht, auf denen das System erklärt sei.

In Bad Vilbel habe man sich im Verkehrs-Fachdienst auch schon damit befasst, berichtet Stadtsprecher Yannick Schwander. Aber dort gebe es ganz unterschiedliche Auffassungen dazu. Ein Argument dagegen sei, dass es in Bad Vilbel "nicht so viele größere Parkplätze gibt". Dennoch werde man das genau prüfen und gegebenenfalls mit einem Parkplatz mal eine Testphase starten.

Man darf also gespannt sein, ob der gedruckte Parkschein in der Brunnen- und Festspielstadt demnächst digitale Konkurrenz bekommt.

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