Mehrwegfrischenetz statt Plastik? Auch im Rewe-Markt von Bernd Kaffenberger werden die Netze für Obst und Gemüse gut angenommen. Die Nachfrage an der Frischetheke hält sich dennoch in Grenzen.
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Mehrwegfrischenetz statt Plastik? Auch im Rewe-Markt von Bernd Kaffenberger werden die Netze für Obst und Gemüse gut angenommen. Die Nachfrage an der Frischetheke hält sich dennoch in Grenzen.

Selbstversuch

Plastikfrei einkaufen - Mit Beutel und Brotbox an die Theke

  • vonPatrick Eickhoff
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Ohne Plastik geht’s nicht. Oder doch? In immer mehr Städten eröffnen sogenannte »Unverpackt-Läden«. In Bad Vilbel gibt es zwar kein Geschäft dieser Art, doch wie sieht es in den Supermärkten aus? Ein Selbstversuch.

Stoffbeutel und Brotdose. Mehr darf es heute nicht sein. Der Einkaufszettel ist ordentlich gefüllt. Ist es möglich, in der Quellenstadt verpackungsfrei einzukaufen? Der Versuch startet im großen Rewe-Markt an der Rodheimer Straße. Bananen und Äpfel wandern ohne Probleme - und vor allem ohne Plastiktüte - in den Beutel. Der Moment der Wahrheit folgt an der Frischtheke. Wurst und Käse sollen es sein, und zwar direkt in die mitgebrachte Box. »Das ist gar kein Problem«, antwortet die Mitarbeiterin freundlich. »Aus Qualitätsgründen muss es allerdings ein kleines Stück Papier sein«, sagt sie, bevor Wurst und Käse in der mitgebrachten Box verstaut werden. Der Zettel mit dem Barcode wird einfach oben drauf geklebt. So leicht kann’s sein.

Inhaber Bernd Kaffenberger berichtet, dass die Nachfrage nach dieser Möglichkeit zu Beginn immens gewesen sei. »Doch tatsächlich umgesetzt wird es dann nur von rund 20 Stammkunden«, schränkt er ein. Am Anfang habe man die Aktion groß mit Plakaten beworben. »Wir wollen den Kunden aber auch nichts aufzwingen, deshalb bieten wir beispielsweise beim Obst sowohl die Papier- als auch die dünnen Plastiktüten an.«

226,5 Kilogramm Verpackung wirft jeder Deutsche im Jahr in den Müll, wie das Umweltbundesamt mitteilt. Mit rund 14 Millionen Tonnen verbraucht in Europa kein anderes Land soviel Plastik wie Deutschland. Das möchten Umweltorganisationen reduzieren, rufen deshalb zum »Plastikfasten« auf.

Plastikfrei einkaufen: Bis Ostern auf Plastik verzichten

Von Aschermittwoch bis Ostersonntag soll versucht werden, gänzlich auf Plastik zu verzichten. »Der Gesetzgeber macht es uns aber auch nicht immer allzu leicht«, meint Kaffenberger. Denn wer bei Rewe mit einer Box an die Frischtheke kommt, muss diese zunächst auf ein Tablett stellen. »Es darf nichts von außen hinter die Theke gegeben werden, das ist ein steriler Bereich.« Deshalb sieht der Inhaber die Politik in der Pflicht. »Es gibt immer wieder Auflagen, die es nicht gerade leichter machen, nachhaltig zu sein. Da müsste man einiges vereinfachen.«.

Und wie sieht es in anderen Märkten aus? Nächster Stopp: der Tegut-Markt an der Friedberger Straße. Auch dort den Wunsch geäußert, möglichst plastikfrei einzukaufen. »Sehr gerne«, sagt die Verkäuferin an der Käsetheke und fügt an: »Das fragen relativ viele Kunden.« Das bestätigt auch Filialgeschäftsführer Arun Chandhok. »Ich war schon in einigen anderen Tegut-Märkten eingesetzt, aber in Bad Vilbel ist die Nachfrage besonders groß.« Das habe alles nach und nach angefangen. »Da wurde dann auch mal kritisch nachgefragt, weshalb die Gurken in Plastik eingepackt sind.« Man sei als nachhaltiges Unternehmen generell im Austausch mit den Kunden. »So ein großes Interesse an Nachhaltigkeit habe ich bisher noch nicht erlebt. Die Kunden sind sehr interessiert, und deshalb wird das Angebot, verpackungsfrei einzukaufen, auch häufig genutzt.«

Plastikfrei einkaufen: Auf Lieferanten angewiesen

Gerne würde Arun Chandhok noch mehr auf die Nachfrage eingehen. »Allerdings sind wir auch etwas an die Größe unserer Filiale gebunden«, sagt er. Denn in größeren Filialen gebe es die Möglichkeit, sich beispielsweise die Cerealien in mitgebrachte Behältnisse abzufüllen. Chandhok sagt: »Das ist bei uns nur schwer möglich.« Im Rewe-Markt von Bernd Kaffenberger hält sich das in Grenzen. »Deutlich besser angenommen werden die Netze beim Obst«, sagt er. »Es kommen häufiger Kunden mit dem Beutel wieder.« Generell bleibe der Plastikverbrauch ein schwieriges Thema. »Rewe hat sich entschieden, Plastik zu reduzieren«, sagt Kaffenberger. So werde versucht, an den Verpackungen zu arbeiten. »Aber da sind wir auch auf die Lieferanten angewiesen.«

Und das Fazit des Selbstversuchs? Der plastikfreie Supermarkteinkauf in Bad Vilbel ist - wenn auch mit Einschränkungen - durchaus möglich. Das Interesse in den Märkten ist allerdings unterschiedlich ausgeprägt. Bernd Kaffenberger sagt dazu: »Natürlich wäre es wünschenswert, wenn die Angebote noch mehr wahrgenommen würden.«

Während in Deutschland viele Supermärkte noch Plastiktüten anbieten, sind andere Länder einen Schritt weiter. China beispielsweise verbietet Plastiktüten und andere Einwegprodukte aus Kunststoff in Supermärkten großer Städte. Die staatliche Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) verkündete in Peking einen ehrgeizigen Plan zur Verringerung von Plastikmüll in den nächsten fünf Jahren. Ende dieses Jahres werden auch schon Strohhalme aus Plastik landesweit verboten.

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