Das Projekt "Wohnen für Hilfe" will Jung und Alt zusammenbringen. Zu älteren Menschen, die in großen Wohnungen oder Häusern alleine wohnen, sollen junge Menschen einziehen. Die Idee der AWO: Günstige Miete für Hilfe im Alltag.
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Das Projekt "Wohnen für Hilfe" will Jung und Alt zusammenbringen. Zu älteren Menschen, die in großen Wohnungen oder Häusern alleine wohnen, sollen junge Menschen einziehen. Die Idee der AWO: Günstige Miete für Hilfe im Alltag. 

Wohnen für Hilfe

AWO Bad Vilbel: Günstig Wohnen für helfende Hände

  • vonNiklas Mag
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Wohnraum besser nutzen, der bereits da ist. Diesen Ansatz möchte die Bad Vilbeler Arbeitwerwolhlfahrt (AWO) künftig verfolgen, um Menschen, die sich in Vilbel keine Wohnung leisten können, neue Möglichkeiten zu bieten.

Die Jahreshauptversammlung der Bad Vilbeler AWO neigt sich langsam dem Ende zu, doch Vorsitzender Rainer Fich, hat noch etwas auf dem Herzen: "Es ist natürlich auch bei uns nicht so, dass wir uns vor Ehrenamtlichen kaum retten könnten", erklärt er. "Wir nehmen uns Projekte vor, die sehr aufwendig sind, aber wir haben eine hohe Zahl aktiver Ehrenamtlicher." Zwischen 40 und 50 Ehrenamtliche seien es, die ständig im Einsatz sind - das Café Kleeblatt, das AWO-Betreuungsangebot für Demenzkranke, noch nicht eingerechnet. "So viele waren es seit meiner Anfangszeit im Vorstand 1997 noch nie", beendet Fich die Mitgliederversammlung.

Auf seine Vereinsmitglieder kann Fich sich so verlassen, dass die AWO bereits das nächste Großprojekt anpacken kann. "Wohnen für Hilfe", heißt dieses und startet ab sofort. "Das Projekt gibt es derzeit in 30 deutschen Städten. Immer mit einem anderen Träger und einer etwas anderen Ausrichtung", erklärt der AWO-Vorsitzende. "Das sind noch nicht sehr viele Städte, aber wir wollen uns mit Bad Vilbel da nun einreihen."

Bestehender Wohnraum wird genutzt

Vor etwa drei Jahren habe der Flüchtlingshilfeverein versucht, ein vergleichbares Projekt zu intensivieren, speziell für anerkannte Flüchtlingsfamilien. "Das Wohnungsangebot ist in Bad Vilbel bekanntlich schwierig, und der Verein musste es aufgrund des Aufwandes auch wieder aufgeben. Gelungen ist ihnen die Umsetzung aber in zwei oder drei Fällen", weiß Fich.

Bei "Wohnen für Hilfe" geht es darum, bereits vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen, und zwar durch symbiotisches Zusammenleben. "Wir wollen das Projekt nicht nur für Flüchtlinge anbieten, sondern alle einschließen, die in Wohnungsnot sind, weil sie die hiesigen Preise nicht bezahlen können."

Der Gedanke ist, dass Alt und Jung zusammen wohnen. Ältere Menschen in den Vilbeler Stadtteilen gehört oft ein großes Haus. Wegen des Aufwandes vermieten die Hausbesitzer ihre Zimmer nicht weiter. Hier kommt "Wohnen für Hilfe" ins Spiel. Mit Hilfe der AWO könnten Studenten, Geringverdiener oder wer sonst eine Wohnung sucht, mit einem potenziellen Vermieter in Kontakt gebracht werden. "Auf der Vermieterseite geht es dann nicht darum, möglichst viel Geld aus der Wohnung oder dem Zimmer zu bekommen, sondern um Hilfe vom neuen Mieter - im Garten, beim regelmäßigen Einkaufen oder Aufräumen. Da ist alles möglich bei den Dingen, die den Alltag betreffen eben."

Keine Vermittlungsgebühren für beide Seiten

Gegen eine geringere oder sogar gar keine Miete, je nach Fall, und jene Hilfe im Alltag, darf der junge Mieter in den Räumen wohnen. "Das Ganze hat zudem noch Nebeneffekte. Das generationsübergreifende Beieinandersein wird gefördert, außerdem wird Wohnraum, der ja bereits da ist, besser genutzt", meint Fich. Die AWO wolle dabei aufklärend und beratend tätig sein. Vom Zusammenführen von Vermieter und Mieter über die Absprachen, wo im Haushalt Hilfe benötigt wird, bis zum fertigen Mietvertrag können die Ehrenamtlichen der AWO den Prozess begleiten, wenn nötig und gewünscht.

"Wir haben als Verein eine gewisse Verbundenheit zu den Bürgern und sind in der Stadt verwurzelt. Ich glaube schon, dass dieses Konzept für mehr Leute etwas wäre, als man im ersten Moment denkt." Selbstverständlich fallen für keine der beiden Seiten Gebühren an. Als gemeinnütziger Verein wolle die AWO "Wohnen für Hilfe" kostenfrei anbieten. Jetzt möchte die AWO das Projekt bekannter machen und auch selbst auf mögliche Teilnehmer zugehen.

Wer entweder als Mieter oder Vermieter oder auch als Helfer für die AWO am Projekt "Wohnen für Hilfe" beteiligen möchte, kann sich bei der Bad Vilbeler Arbeiterwohlfahrt melden. Die E-Mail-Adresse lautet hallo@awo-badvilbel.de, telefonisch ist der Vorsitzende, Rainer Fich, unter 0 61 01/643 55 zu erreichen.

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