Kita-Personal

Wie Bad Vilbel Erzieher anlocken will

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Mit Zusatzleistungen will die Stadt Bad Vilbel Erzieher anlocken. Das Stadtparlamen hat nun ein Stipendium für Berufseinsteiger beschlossen. Zwei weitere vorgeschlagene Werbegeschenke bekommen neue Erzieher dagegen nicht: Eines wurde abgelehnt, die Entscheidung über das andere schon zum zweiten Mal vertagt.

W er Erzieherin oder Erzieher werden will, für den wird Bad Vilbel in Zukunft eine gute Adresse sein. Denn ab August erhalten zehn junge Leute während ihrer Ausbildung von der Stadt ein Stipendium – wenn sie sich im Gegenzug verpflichten, nach der Ausbildung mindestens zwei Jahre lang in einer Kita in der Stadt zu arbeiten. Die Stipendien sind eine von mehreren Zusatzleistungen, mit denen die Stadt trotz des Mangels an Erziehern die Stellen in den Kitas füllen können möchte. Die Koalition aus CDU und FDP hatte die Idee dazu – das Stadtparlament sagte am Dienstagabend einmütig Ja. Ebenfalls ein Ja gibt es für eine Zusatzleistung für Tageseltern: Sie erhalten ab August je betreutem Kind und Monat 100 Euro, die Stadt bezahlt. Das kostet sie 50 000 Euro pro Jahr. "Es wäre ja schön, wenn die 100 Euro nicht nur den Tageseltern zugutekämen, sondern auch Erzieherinnen", findet SPD-Stadtverordnete Isil Yönter.

Doch so weit gehen die Volksvertreter nicht. CDU, FDP und Freie Wähler lehnen die Forderung der Grünen ab, den Erziehern mehr zu bezahlen, indem sie eine Gehaltsstufe raufgestuft werden. Das würde die Stadtkasse pro Jahr mit annähernd einer Million Euro an Mehrkosten belasten, hatte Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr gewarnt. Die Grünen aber wollten nur 175 000 Euro dafür bereitstellen. Schließlich müssten die Beschäftigten an städtischen Kitas und an denen freier Träger gleichbehandelt werden, da die nicht städtischen Kindergärten sonst schwerlich noch Personal fänden. Und zu 85 Prozent zahlt die Stadt auch deren Personal. Stöhr habe den Parlamentariern "einen Bären aufgebunden", behauptet Grünen-Fraktionschefin Kathrin Anders. Denn die freien Träger "zahlen schon heute mehr als in den städtischen Kitas". Auf die Zwischenfrage von Stöhr, welche Einrichtungen das konkret seien, antwortete Anders aber nicht. Aktuell seien 25 Stellen in den Kitas unbesetzt, mahnt sie weiter an. "Eine bessere Bezahlung würde unserer Stadt nachhaltig guttun", findet die Grüne. Ein klares Nein dazu kommt auch von FDP-Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn. Er pocht darauf, dass der Tarifvertrag weiter für die Erzieher gelte. "Warum sollten wir uns nicht mehr daran halten, nur weil sich Frankfurt und Bad Homburg nicht daran halten?" In beiden Städten sind Erzieherinnen bereits eine Stufe höher eingruppiert.

Grundsätzlichen Widerspruch erntet Anders auch von der Stadtregierung: "Es gibt keine 25 unbesetzten Stellen, es sind nur elf", stellt Sozial-Stadträtin Heike Freund-Hahn (FDP) klar. Und kein einziger freier Träger, der von der Stadt mitfinanziert werde, zahle ein übertarifliches Gehalt. "Eine Erhöhung hier würde eine Spirale in Gang setzen", warnt CDU-Fraktionschefin Irene Utter. Prinzipiell sei die Bezahlung der Erzieherinnen "nicht so unattraktiv", findet Utter. Eklatanter Nachteil des Berufs sei jedoch, dass eine zweite Ausbildung nötig sei – die oftmals auch nicht bezahlt werde. "Das Problem hat auch der Bund erkannt und will nun ›rangehen‹." Bis zu einer Lösung aber wolle man in Bad Vilbel nicht warten. Deshalb sollten zehn Erzieher-Azubis monatlich 600 Euro erhalten. 72 000 Euro pro Jahr stehen dafür nun im Etat. Das findet auch die SPD gut. Sie hätte zwar gern eine Zusage der Stipendiaten für drei Jahre gehabt, räumt Stadtverordnete Yönter ein. "Aber wir haben verstanden, dass arbeitsrechtlich nicht möglich ist, mehr als zwei Jahre zu fordern." Die Entscheidung über eine weitere Zusatzleistung für Erzieherinnen vertagten die Stadtverordneten: Die SPD fordert, erneut zu prüfen, ob die Stadt nicht "Werkswohnungen" für Kita-Beschäftigte bereitstellen kann. Unter der Prämisse, dass ein solches Angebot grundsätzlich für Angestellte der Stadt nutzbar sein soll, deutet sich mit einer Zustimmung von CDU und FDP sogar ein Ja im Parlament dazu an. Die langen Debatten über die Haushaltsanträge sprengten den Zeitrahmen. Deshalb konnte der SPD-Antrag vom November – wie bereits im Dezember – nicht rechtzeitig aufgerufen werden.

Info

Fünf Jahre lernen ohne Bezahlung

Die Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin geschieht in Hessen in zwei Schritten. Anwärter müssen nach dem Realschulabschluss eine zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin, zur Kinderpflegerin oder etwas Vergleichbares machen. Danach folgt eine dreijährige Ausbildung zur Erzieherin. Sie läuft zwei Jahre an einer Fachschule für Sozialwesen und in einem dritten Anerkennungsjahr direkt in einer Kita. Für die zweijährige erste Phase können ein höherer Schulabschluss, Studium, Au-Pair-Aufenthalte, ein Freiwillige Soziales Jahr oder Praktika angerechnet werden. Teilweise können Absolventen auch die dreijährige Hauptausbildung verkürzen, etwa wenn sie einen pädagogischen Studienabschluss vorweisen können. Die schulische Ausbildung ist zwar kostenlos, die Auszubildenden bekommen aber auch kein Gehalt. Das wird erst während des Anerkennungsjahres gezahlt ? und auch nur rund 1300 Euro im Monat. Teilweise zahlen Schulen aber freiwillig auch schon in den ersten zwei Jahren eine geringe Vergütung. (dpg)

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