Katharina Woitas erkundet mit den Ziegen und Schafen das Gelände. Sie sollen in den kommenden Wochen die Projektwiese von Disteln und Sträuchern befreien. FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH
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Katharina Woitas erkundet mit den Ziegen und Schafen das Gelände. Sie sollen in den kommenden Wochen die Projektwiese von Disteln und Sträuchern befreien. FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH

Vierbeinige Rasenmäher

  • vonChristine Fauerbach
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Bad Vilbel(cf). Mit aufmerksamen Blicken, freudigem Meckern und leisem Blöken erobern fünf Ziegen und sechs Schafe die Wiese der Naturfreunde Bad Vilbel. Die geselligen Herdentiere gehören Sozialpädagogin Katharina Woitas und Diplom-Pädagogin Larissa Smieja. Die Geschäftsführerinnen der Firma "WAPPENTIERE - Tier- und Erlebnispädagogik" haben die munteren Vierbeiner mit dem Transporter von Dortelweil zum am Vilbeler Waldrand gelegenen Grundstück gebracht. Der Grund: Die Ziegen und Schafe sollen die hochgewachsenen Gräser, Brennnesseln, Disteln, Wildkräuter aller Art sowie Holunder- und Brombeersträucher in den kommenden drei Wochen fressen.

Bienenschwarm eingezogen

Bei ihrer Ankunft werden die Tiere von Mitgliedern der Naturfreunde, den Besitzern des Grundstücks und Spaziergängern begrüßt. "Wir haben die verbuschte, mit Brombeeren überwucherte Wiese im letzten Jahr gerodet, weitere vorhandene Wildsträucher und Obstbäume zurückgeschnitten und Unmengen Müll entsorgt", berichtet Naturfreunde-Vorsitzender Norbert Nakoinz.

Die Aktiven aus den Reihen der über 330 Mitglieder, von denen mehr als 100 Kinder und Jugendliche sind, pflanzten im letzten Herbst vier von der Stadt Bad Vilbel im Rahmen des Hessentages zur Verfügung gestellten Obstbäume und einige Blühsträucher ein. Ihr Ziel ist es, das Areal in eine blühende Wiese zu verwandeln. Sie legten Blühstreifen an, stellten eine Bienen-Klotzbeute der Bienenbotschaft aus Karben auf. In dieser hat eine ausgeschwärmte Königin samt Hofstaat nun ein neues Zuhause gefunden. Zum Schutz vor wilder Müllablage und Hunden errichteten die Vereinsmitglieder einen großmaschigen Wildzaun. "Mit ihm schützen wir einerseits die Wiese, ermöglichen andererseits kleineren Wildtieren die Passage."

Anstatt in diesem Jahr die Wiese erneut zu mähen, setzen die Naturfreunde nun auf den gesunden Appetit der natürlichen Rasenmäher. Wie gesund und groß dieser ist, bewies gleich nach dem Betreten die weiße Milchziege Lilo. Ihrem Beispiel folgten Zwergziegenmischling Lucie, Mischling Bambi mit großen Hörnern, ihre Gefährtin Klara mit etwas kürzeren Hörnern und die hornlose Heidi. Beim Niedrighalten des Bewuchses auf der Wiese werden die fünf Ziegen von den vier Herdwick-Schafen Molly, Sunny, Buttons und Hop sowie den beiden Shropshire-Schafen Spucki und Curley unterstützt.

Umgang mit Menschen gewohnt

Die Ziegen und Schafe sind den Umgang mit Menschen gewohnt. "Sie sind menschenbezogen, lassen sich aber nicht alle gerne streicheln", informiert Katharina Woitas. Sie und ihre Geschäftspartnerin setzen die Tiere in Kursen zur Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung, zur Förderung von Selbstwirksamkeit, sozialen und emotionalen sowie Kooperations- und Kommunikationskompetenzen ein. "Wir bieten tiergestützte Interventionen und Erlebnispädagogik im Einzel- und Gruppensetting für Menschen mit und ohne besonderen Förderbedarf an", erklärt Larissa Smieja den Interessierten am Zaun.

Derweil erkunden die aufgeweckten Vierbeiner die Wiese samt Unterstand und lassen sich die Gräser schmecken. Das Grundstück haben die Naturfreunde von Werner Jacobi und Willi Hebbel für zehn Jahre kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Die Erbengemeinschaft freut sich über das Projekt des 1922 gegründeten Vereins auf ihrem lange brach liegenden Eigentum.

Mithilfe einer Info-Tafel und Flyern informieren die Naturfreunde Interessenten über die naturnahe Gestaltung des Grundstückes. "Wir wollen mit dem auf dem Areal anfallenden Material Unterschlupfmöglichkeiten für Igel, Mäuse, Zaunkönige und für andere Tiere schaffen", berichtet Pressereferentin Andrea Halling. Die Schafe und Ziegen helfen dem Verein dabei, das Gleichgewicht der Pflanzen wiederherzustellen. "Die heimischen Wiesen gehören zu den artenreichsten Ökosystemen. Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen leben hier in einer Symbiose zusammen und sichern sich gegenseitig das Überleben", betont Halling.

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