Nicht genau gegenüber stehen sich die Fußballtore auf dem Naturrasenplatz des SC Dortelweil. Und auch sonst ist manches renovierungsbedürftig. Deshalb hat die Politik jetzt beschlossen, dass dieser Platz zu einem neuen Kunstrasenplatz werden soll. 	°FOTO: HOLGER PEGELOW
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Nicht genau gegenüber stehen sich die Fußballtore auf dem Naturrasenplatz des SC Dortelweil. Und auch sonst ist manches renovierungsbedürftig. Deshalb hat die Politik jetzt beschlossen, dass dieser Platz zu einem neuen Kunstrasenplatz werden soll. °FOTO: HOLGER PEGELOW

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Versetzte Tore, schiefer Platz

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Wenn Schiedsrichter beim SC Dortelweil ein Fußballspiel pfeifen und zuvor den Platz besichtigen, verziehen sie schon mal das Gesicht. Denn der Rasenplatz nahe der Nidda ist kein Rechteck und die Tore stehen sich nicht genau gegenüber. Das soll sich ändern, denn die Politik macht sich für einen Kunstrasenplatz stark. Der soll die Probleme bei dem aufstrebenden Verein beheben. Doch nicht jeder findet das gut.

D er Sportclub Dortelweil hat ein erfolgreiches U17-Mädchenteam in seinen Reihen. Die kicken so stark, dass sie in der Bundesliga gegen Bayern München und andere namhafte Vereine spielen. Doch ihre Heimspiele können sie nicht auf der Sportanlage an der Nidda austragen. Denn der Hessische Fußballverband macht konkrete Vorgaben für die Plätze und Stadien. Und die können in Dortelweil nicht erfüllt werden, weshalb die Spielerinnen Gäste beim FV Bad Vilbel an der Huizener Straße sind.

In niedrigeren Klassen aber sind die Vorgaben für die Plätze nicht so streng, weshalb andere Mannschaften ihre Gegner auf dem Dortelweiler Sportgelände empfangen. »Viele Schiedsrichter kennen unser Gelände schon«, sagt der 1. Vorsitzende Martin Gunkel. Aber neue Schiedsrichter würden nicht schlecht staunen, wenn sie vor dem Spiel die obligatorische Platzbesichtigung machen. »Unser Rasenplatz ist eher eine Raute als ein Rechteck. Die Tore stehen nicht genau gegenüber«, beschreibt er die Situation. Und nach starken Regenfällen ist der Platz überhaupt nicht bespielbar.

Trainingsbetrieb eingeschränkt

Man muss nicht erst auf die Spiele schauen, um die Probleme des SCD zu erkennen. Der Trainingsbetrieb ist in Herbst- und Winterzeiten durchaus eingeschränkt. »Wir verfügen über 23 gemeldete Mannschaften und zwei Altherren-Mannschaften.« Im Sommer komme man »gerade so hin mit den Trainingsmöglichkeiten, aber ab Oktober geht das nicht mehr«, sagt der Vorsitzende. Nicht alle 25 Mannschaften könnten den Kunstrasenplatz nutzen. Hinzukomme, dass viele Kinder und Jugendliche bis um 15 Uhr in der Schule seien, dann Hausaufgaben hätten. Somit wären die Trainings erst ab 17 Uhr möglich. »Das staut sich dann«, sagt Gunkel.

Gunkel: Ungünstige Gemengelage

Diese »ungünstige Gemengelage« habe man an die Stadt herangetragen. Die Politik hat reagiert. CDU und FDP brachten in der letzten Sitzung des Ortsbeirats Dortelweil einen Antrag zum Haushalt ein, Gelder für einen Kunstrasenplatz einzustellen. Im Jahr 2023 soll der vor dem Vereinsgebäude des SC bestehende Rasenplatz in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werden. In den Haushalt für 2022 sollen zunächst 40 000 Euro an Planungskosten eingestellt werden, danach die Investitionskosten von 800 000 Euro, so die Forderung von CDU und FDP. Die im Etat 2020 vorgesehenen Mittel von 50 000 Euro für die Erneuerung der Flutlichtanlage sollen in den Haushalt 2022 übertragen werden.

Wie es in dem Antrag heißt, habe der SC Dortelweil als stetig wachsender Verein rund 700 Mitglieder, von denen die meisten auf der Sportanlage in Dortelweil Fußball spielen. Zurzeit reichten die Kapazitäten »vorne und hinten nicht«, trotz der Tatsache, dass Mannschaften etwa auf dem Sportplatz an der Huizener Straße trainieren könnten. Zudem stehe der Rasenplatz nach schlechtem Wetter kaum zur Verfügung, betonen Klaus Althoff (CDU) und Klaus Wessel (FDP) in ihrem Antrag.

Als Erster meldet sich Rainer Fich für die SPD zu Wort. Der Magistrat habe »richtig gehandelt, dass er kein Geld für den Kunstrasenplatz im Haushaltsentwurf bereitgestellt« habe. Im Winter seien drei Monate Pause, in der relevanten Zeit werde nur trainiert und nicht gespielt. Zudem gingen die Meinungen über Kunstrasenplätze weit auseinander. »In höheren Spielklassen spielen sie doch nur auf Rasenplätzen«, sagt Fich.

Grüne unterstützen Koalitionsantrag

Stadtrat Jörg-Uwe Hahn erwidert, der Magistrat unterstütze den Antrag von CDU und FDP: »Wir haben in der Stadt einen Mangel an Rasenflächen.« Zudem müsse man berücksichtigen, dass die Dortelweiler Mannschaften in höheren Klassen spielen. »Da muss einfach mehr trainiert werden, und die Möglichkeiten müssen zur Verfügung stehen.« Hahn verwies ebenfalls darauf, dass der SC Dortelweil den Platz an der Huizener Straße nutze. Zudem wolle der Verein auf einen weiteren Rasenplatz verzichten, wenn der bestehende Platz in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werde.

CDU-Stadtverordneter Andreas Cleve gibt in der Ortsbeiratssitzung zu, dass 800 000 Euro viel Geld seien. »Aber Sport ist uns wichtig.«

Und dann kommt eine unerwartete Schützenhilfe von den Grünen. Vorsitzender Clemens Breest erinnert daran, es habe schon vor fünf Jahren geheißen, dass die Außenplätze ausgereizt seien. »Der Platz, der schon bespielt wird, wird auch stärker genutzt. Das ist so eine Art Nachverdichtung.« Er betont, dass Rasenplätze nur deshalb bespielbar seien, »weil sie ständig bewässert werden«. Die Wasserentnahme erfolge aus der Nidda, was der Wetter-aukreis aber untersagt habe.

Letztlich fand der Antrag eine breite Mehrheit: Nur der SPD-Vertreter votierte dagegen, die anderen Ortsbeiräte dafür. Damit fließen die Gelder in den Haushaltsentwurf des Doppelhaushalts ein.

Das freut den Vorstand des SCD sehr. Vorsitzender Gunkel: »Wir sind froh, dass uns die Politik so gut unterstützt. Angesichts der aktuellen Lage ist es allerdings nicht selbstverständlich, dass der Platz auch gebaut wird. Aber erst einmal sind wir dankbar.«

Unter dem Dach des SC Dortelweil spielen und trainieren fünf Herren- und zwei Damen-Mannschaften, 13 Junioren-Mannschaften sowie die Mädchen-Spielgemeinschaft Bad Vilbel. Trainiert wird auf dem Vereinsgelände an der Nidda, in Gronau, Massenheim und auf dem Heilsberg. Der rund 700 Mitglieder zählende Verein bietet - zu »normalen« Zeiten - außerdem Herzsport, Turnen, Boule und Jumping Fitness an. Bekannt ist der Verein auch durch seine Showtanzgruppe »Release«. pe

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