Mehr Wertschätzung gefordert: Die Erzieherinnen der Kita Little Friends in Bad Nauheim Anette Ziesing, Rosalina Baharbzhieva und Angela Schlimme sind nach Bad Vilbel zur Demo gekommen und machen ihrem Ärger Luft. FOTO: CF
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Mehr Wertschätzung gefordert: Die Erzieherinnen der Kita Little Friends in Bad Nauheim Anette Ziesing, Rosalina Baharbzhieva und Angela Schlimme sind nach Bad Vilbel zur Demo gekommen und machen ihrem Ärger Luft. FOTO: CF

Warnstreik in Bad Vilbel

Verdi: Qualitative Arbeit hat ihren Preis

  • vonChristine Fauerbach
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Mit Verdi-Fahnen, Plakaten, Tröten, einer Menschenkette und Worten haben über 200 Mitarbeiter aus 41 Städten und Kreisverwaltungen lautstark auf sich und ihre Forderungen in der aktuellen Tarifauseinandersetzung des öffentlichen Dienstes aufmerksam gemacht.

Bad Vilbel(cf). "Wir im öffentlichen Dienst haben den Laden auch während der Corona-Krise am Laufen gehalten. Mehr Geld bedeutet mehr Anerkennung für die erbrachte Leistung und ist ein Zeichen des Respektes", betonte Rosi Haus, Geschäftsführerin, Bezirk Verdi FFM und Region und DGB. Unter den Rednern waren auch der stellvertretende Geschäftsführer Alexander Klein und Thomas Winhold, Fachbereichsleiter Gemeinden im Verdi-Landesbezirk Hessen.

Heute Verhandlung in Frankfurt

Den DGB vertrat Tobias Huth, Organisationssekretär DGB-Region Südosthessen. Er betonte: "Wir sind mehr wert, haben mehr verdient und gehen deshalb auf die Straße." Mehr Geld in den Taschen der Beschäftigten bedeute zugleich mehr in den Kassen der regionalen Wirtschaft. Rosi Haus, seit November 2013 Bezirksgeschäftsführerin Frankfurt und Region der Gewerkschaft Verdi, erinnerte daran, dass "wir nur mit einer starken Gewerkschaft auch durchsetzungsfähig sind." Sie und Thomas Stöhr (CDU), Mitglied im Präsidium des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Hessen (KAV) rufen auf, sich heute (16. Oktober) beim KAV in Frankfurt/Main für ein ordentliches Angebot einzusetzen.

Zu den Wünschen der Demonstranten gehört, dass der neue Tarifvertrag eine Laufzeit von drei und mehr Jahren hat. Thomas Winhold erinnerte daran, dass die Warnstreiks mit Delegierten wie in Bad Vilbel aus dem Wetterau-, dem Hochtaunus-, dem Maintaunus- und Teilen des Main-Kinzig-Kreises, eine Antwort auf die "sture Haltung der kommunalen Arbeitgeber" sei, die es "mit ihrer Arbeitsverweigerung ganz bewusst auf ein Kräftemessen angelegt haben".

Applaus gab es unter anderem für die Feststellung von Michael Fritz aus Butzbach, dem ehrenamtlichen Vorsitzenden des Verdi-Kreisvorstandes Wetterau: "Es wird in Kindergärten, Bauhöfen und der Verwaltung nur eingestellt, wenn es anders nicht mehr geht. Vertrösten und Durchhalten ist angesagt. Die Kollegen müssen immer mehr Arbeit leisten. Die Mehrarbeit führt auf Dauer zu Überstunden und Stress und schlimmstenfalls zu psychischen Erkrankungen mit langen Ausfallzeiten." Dem Jammern der Arbeitgeber, dass kein Geld für die Forderungen da wäre, diese überhöht seien und nicht finanzierbar, hören die Gewerkschaftsvertreter seit Jahren in den Tarifauseinandersetzungen. "Wir sagen: Eine qualitative Arbeit hat ihren Preis. Mit schönen Worten und Wertschätzung, wenn sie denn überhaupt erfolgt, lässt sich keine Miete, Bekleidung oder der Einkauf bezahlen."

Verdi-Vertrauensleutesprecher Andreas Wehnes von den Stadtwerken Bad Vilbel ergänzte: "Im Technischen Bereich wie auch in der Verwaltung fehlen Mitarbeiter. Wir freuen uns über ein vernünftiges Angebot und die Einstellung neuer Kollegen als Ausgleich für unsere Leistungen."

Diplom-Pädagogin Georgete Bogalho, Leiterin der Kita Auenland in Massenheim, sagte: "Wir sind auf der Straße, weil es immer schwerer ist, gut ausgebildetes Personal zu finden. Wir haben immer mehr nicht Fach- und Zeitarbeitskräfte im Team, die uns zwar gut unterstützen, aber kein gut ausgebildetes Fachpersonal ersetzen. Das ist jedoch in einem reinen U3-Haus wir unserem besonders wichtig."

Erzieher: Hohe Arbeitsbelastung

Zustimmung erhielt sie von neun Erzieherinnen aus der Bad Nauheimer Kita "Little Friends" und Erzieherin Nadine Hagen von der Gronauer Kita Löwenburg. "Ich bin seit 2004 in der Gewerkschaft. Wir sollten über die Gesundheitsreform, mehr Personal und kleinere Gruppen sprechen. Die Arbeit ist nicht mehr zu schaffen. Die hohe Arbeitsbelastung hat für das Personal gesundheitliche Folgen." Neue Baugebiete, mehr Familien mit Kindern, aber weniger Personal in den Einrichtungen passen nicht zusammen, betonten die Erzieherinnen.

Im Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen fordern Verdi und der Deutsche Beamtenbund (dbb) vom Bund und den Kommunen (VKA) 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro monatlich. Die Vergütung der Auszubildenden, Studenten und Praktikanten soll um 100 Euro monatlich angehoben werden. Zusätzlich soll eine Tarifierung der Ausbildungsbedingungen der Studierenden in den bislang nicht tariflich geregelten praxisintegrierten dualen Studiengängen erfolgen. Die Altersteilzeitregelungen sollen verbessert werden. Zwei Verhandlungsrunden sind bisher erfolglos zu Ende gegangen. cf

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