1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Bad Vilbel

Vandalen wüten im Burgpark: Kunstflasche beschädigt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
© Christine Fauerbach

Bad Vilbel (cf). Für Empörung sorgt ein neuer Fall von Vandalismus im Bad Vilbeler Burgpark. Unbekannte haben eine der neuen riesigen Flaschen, die vom Kunstverein gestaltet wurden, schwer beschädigt, aus der Verankerung gerissen und in die Nidda geworfen. Der Künstler ist fassungslos.

Einen »besonderen Fund« machte ein Bürger Anfang der Woche in der Nidda. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich das ungewöhnliche Treibgut als eine der 30 künstlerisch gestalteten Wasserflaschen, die der Kunstverein anlässlich seines 20-jährigen Bestehens kreierte. Bei der Flasche handelte es sich um die von Norbert Kröger im gelben Farbton bemalte und mit surrealistischen Motiven gestaltete Perlenwasserflasche »Kunst trifft Genuss«.

Der Bürger meldete den ungewöhnlichen Fund bei der Polizei. Die verständigte Klaus Zeller vom Ordnungsamt, der wiederum den Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, Kurt Liebermeister, die Kunstvereinsvorsitzende Cornelia Weinheimer, den Seniorchef von Hassia Mineralquellen, Günter Hinkel, und den Künstler informierte.

»Die Flasche wurde mit Gewalt aus der Verankerung gerissen, die Stahlkonstruktion dabei verbogen und die Flasche die Böschung hinuntergeworfen«, stellten die Alarmierten fest. Zusätzlich haben die Vandalen die Flasche rundum zerkratzt. Zur Standsicherheit sind die Riesenflaschen in einem 1,50 Tonnen schweren Beton-Fundament verankert und teilweise, wie die von Norbert Kröger, zusätzlich in eine Stahlkonstruktion eingeschraubt.

Die Flasche stand am Niddaradweg neben den beiden überdimensionalen Stühlen. Sie gehört zur Serie der 20 »kleineren« Flaschen mit einer Höhe von 2,25 Meter und einem Gewicht von circa 35 Kilogramm. Der reine Materialwert beträgt rund 700 Euro. Die zehn größeren Flaschen sind drei Meter hoch, rund 70 Kilogramm schwer und haben einen Materialwert von 1400 Euro. Die kreative Leistung der Künstler, ihre Zeit und Farben sind dabei nicht berücksichtigt.

Roher Akt der Gewalt

Ersichtlich ist, dass es sich bei diesem Akt des Vandalismus nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Mitarbeiter von Hassia Mineralquellen holten die Perlenwasserflasche aus der Nidda. »Wir hatten Glück im Unglück. Normalerweise wäre die Flasche von der Strömung flussabwärts getrieben worden und im Main gelandet«, sagt Günter Hinkel. Hassia hatte vor 26 Jahren, 1989 anlässlich des 125-jährigen Firmenjubiläums, als ersten Schritt der Nidda-Renaturierung Buhnen, rechtwinklig vom Ufer zur Flussmitte hin errichtete Dämme, in der Nidda »versenkt«.

In einer dieser Buhnen blieb die Perlenwasserflasche hängen und konnte geborgen werden.

Hassia-Schlosser sicherten vorsorglich noch einmal alle Flaschen im Kur- und Burgpark ab. Das Unternehmen, das das Projekt des Kunstvereins als Sponsor unterstützt, forderte beim Hersteller Ulrich Wiedemann von »Wiedemann Decoration« in Lindau am Bodensee Material zur Reparatur an. Diese werden Mitarbeiter durchführen, und Norbert Kröger wird versuchen, sein Kunstwerk durch erneutes Bemalen wiederherzustellen.

Alle sind fassungslos über den rohen Akt der Gewalt. Kröger ist empört: »Wenn diese Burschen einen Hintern in der Hose und ein Gehirn im Kopf hätten, würden sie sich beim Kunstverein über das Projekt informieren und vor allem eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung suchen. Hassia fördert auf vielfältige Weise die Kultur in Bad Vilbel, und ohne das Unternehmen hätten wir die Idee mit der Bemalung der Perlenflaschen der Künstlerin, Pädagogin und Kunstverein-Vorstandsmitglieds Herta Maria Reitz niemals umsetzen können.« Kurt Liebermeister erstattete Anzeige gegen Unbekannt und bittet Bürger, die etwas beobachtet haben, sich zu melden.

Günter Hinkel berichtet, dass die »hessische Idee« mit den Perlenwasserflaschen bereits Wurzeln in Thüringen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern schlägt. Dort werden, wie in Bad Vilbel, Perlenwasserflaschen von Künstlern und Schülern fantasievoll gestaltet und im öffentlichen Raum als Sehenswürdigkeiten aufgestellt. »Selbst im Foyer der Zentrale der Genossenschaft deutscher Brunnen in Bad Godesberg steht eine Flasche mit einem Feuermotiv. Alle sind von dieser Kunst im öffentlichen Raum begeistert«, berichtet Hinkel.

Die Flasche von Norbert Kröger wird in Kürze erneut am Nidda-Ufer in der Nähe ihres ersten Standortes wieder aufgestellt. Denn: »Vandalismus darf in unserer Stadt einfach keine Chance haben.«

Auch interessant

Kommentare