Auch für Pfarrer Klaus Neumeier ist Weihnachten in diesem Jahr ganz anders. Statt zwei Gottesdienste abzuhalten, wird er an Heiligabend selbst auf dem Sofa sitzen und sich die vorproduzierten Online-Gottesdienste anschauen. FOTO: NIKLAS MAG
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Auch für Pfarrer Klaus Neumeier ist Weihnachten in diesem Jahr ganz anders. Statt zwei Gottesdienste abzuhalten, wird er an Heiligabend selbst auf dem Sofa sitzen und sich die vorproduzierten Online-Gottesdienste anschauen. FOTO: NIKLAS MAG

Keine Gottesdienste

Ungewohnt: Bad Vilbeler Pfarrer Klaus Neumeier hat an Heiligabend nichts zu tun

  • vonNiklas Mag
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Für kaum jemanden wird das Weihnachtsfest in diesem Jahr wie in den Jahren zuvor. Auch der Bad Vilbeler Pfarrer Klaus Neumeier muss sich umstellen. Doch das öffnet Chancen für Neues, findet er.

Die Tage vor Heiligabend sind noch einmal stressig, bevor Ruhe einkehrt. Klaus Neumeier, Pfarrer der Christuskirchengemeinde in Bad Vilbel, steht am Dienstagmittag verkabelt in der Kirche vor der Kamera. Ein Weihnachtsgruß für die Facebook-Seite wird aufgenommen. Das komplettiert die weiteren digitalen Angebote der Christuskirche an Heiligabend. "Um 15 Uhr laden wir an Heiligabend einen Gottesdienst für Vorschulkinder auf unseren Youtube-Kanal. Der ist nur ganz kurz und mit echten Schafen", sagt der Pfarrer. Um 17 Uhr folgt ein rund 50-minütiger Gottesdienst.

Im Januar ist Neumeier nun schon seit 30 Jahren im Amt. Dass sein 30. Weihnachtsfest als Pfarrer in der Quellenstadt unter solch besonderen Umständen stattfinden würde, hätte er nie gedacht: "Normalerweise bedeutet Heiligabend für mich mindestens zwei Gottesdienste. Abends kommen normalerweise über 30 Jugendmitarbeiter aus den umliegenden Gemeinden noch zum gemeinsamen Glühweintrinken vor die Kirche", erzählt Neumeier. Traditionen, die sich über die Jahre eingefahren haben und in diesem Jahr so nicht stattfinden können. "Es wird alles etwas zwangsberuhigt", meint er und lacht. "Ich feiere im kleinsten Familienkreis."

Gottesdienst auf Festplatz geplant

Lange hatte die Gemeinde überlegt, einen Gottesdienst auf dem Festplatz zu veranstalten. Unter freiem Himmel, mit Masken und Abstand versteht sich. "Das haben wir mittlerweile aber abgesagt." Er finde es gut, dass der Staat Gottesdienste nicht verbiete. "Aber dass wir das dürfen, bedeutet nicht, dass es unbedingt gemacht werden muss." Eine Veranstaltung wie der Open Air Gottesdienst hätte trotz aller Vorkehrungen und Sicherheitsmaßnahmen einfach die falschen Signale in dieser Zeit gesendet, meint Neumeier.

Doch müsse dieses Weihnachten nicht als verlorenes Weihnachtsfest angesehen werden, findet er. Wer in diesem Jahr in deutlich kleinerem Kreis feiert, muss nicht komplett auf die ganze Familie verzichten: "Nutzt andere Wege. Schreibt einander, telefoniert, geht vielleicht nur kurz zusammen spazieren", ruft Neumeier auf.

Senioren nicht ausschließen

Senioren, die mit der Einsamkeit kämpfen, sollten von Familien nicht ausgeschlossen werden. Mit Maske und ausreichend Abstand natürlich. Gestern, am Tag vor Heiligabend habe er sich Zeit genommen und bei älteren Mitgliedern der Gemeinde angerufen. Grundsätzlich sei er sei beeindruckt, wie die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bad Vilbeler Gemeinden an die Weihnachtszeit herangegangen seien. "Mit viel Begeisterung und guten Ideen haben sich alle viel Mühe mit den Produktionen der digitalen Angebote gegeben. Und von den Gemeindemitgliedern kam dafür viel Zuspruch und Ermutigung."

Der Pfarrer selbst werde an Heiligabend seine freie Zeit nutzen, um sich gemütlich im Wohnzimmer die in den vergangenen Tagen vorproduzierten Gottesdienste anzuschauen.

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