Für einen Euro pro Tag Bahn und Bus fahren? Würde das Rhein-Main-Gebiet Modellregion der Bundesregierung, könnte das schon bald Wirklichkeit werden. Foto: pe
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Für einen Euro pro Tag Bahn und Bus fahren? Würde das Rhein-Main-Gebiet Modellregion der Bundesregierung, könnte das schon bald Wirklichkeit werden. Foto: pe

365-Euro-Jahresticket

Bad Vilbeler wollen Umstieg auf Bus und Bahn leichter machen

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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So einig wie selten: Die Bad Vilbeler Stadtverordnete unterstützen die Bemühungen des RMV, 365-Euro-Ticket-Modellregion zu werden.

Bad Vilbel(pe). Nur fünf Tage, nachdem die Stadt Bad Vilbel öffentlich gemacht hatte, dass sie die Bemühungen des RMV unterstützt, 365-Euro-Ticket-Modellregion zu werden, haben die Grünen einen entsprechenden Antrag formuliert. Den brachten sie im Stadtparlament in dieser Form aber nicht durch.

In Zeiten des Klimawandels sind sich alle einig: Die Menschen müssen vom Auto auf Bus und Bahn umgeleitet werden. Um ihnen den Umstieg leichter zu machen, ist dabei nicht nur ein Ausbau des ÖPNV notwendig, sondern sind auch günstigere Fahrpreise vonnöten. Das 365-Euro-Jahresticket wäre solch ein günstiger Fahrpreis. Umgerechnet für einen Euro pro Tag könnten die Menschen im gesamten Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) mit Bus und Bahn fahren.

Vor einiger Zeit hatte die Bundesregierung beschlossen, es sollten bundesweit zehn Modellregionen ausgewählt werden, in denen Erfahrungen mit dem 365-Euro-Ticket gesammelt und dann die entsprechenden Bundeszuschüsse berechnet werden. Als eine der Modellregionen kämen Frankfurt und das Umland in Frage. Darüber fällt die Regierung Ende November eine Entscheidung. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund hat sich dafür bereits offiziell beworben. Auch die Städte in der RMV-Region unterstützen diese Initiative. Für einen Euro am Tag Bus und Bahn fahren zu können, würde gerade in der dicht besiedelten Rhein-Main-Region helfen, das Straßennetz zu entlasten.

Entscheidung fällt bald

So pendeln allein nach Frankfurt jeden Morgen 400 000 Menschen zu ihren Arbeitsplätzen, und nachmittags und abends wieder hinaus. Bad Vilbel kann ein Lied davon singen, wenn sich viele Tausend Fahrzeuge Tag für Tag durch die Stadt wälzen. "Je mehr Pendler wir von der Straße auf die Schiene oder in entsprechende Busse bekommen, desto mehr wird auch unsere Quellen- und Festspielstadt entlastet", sagt Erster Stadtrat und Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki.

Der CDU-Politiker formulierte Mitte Oktober eine Pressemitteilung, in der er die Vorteile eines solchen Tickets pries und offiziell verkündete, die Stadt unterstütze die Bemühungen des RMV um die Einführung eines solchen Tickets, zunächst einmal als Modellregion.

Fünf Tage später datiert ein Antrag der Grünen, der fordert, der Magistrat der Stadt solle sich dafür einsetzen, dass das Rhein-Main-Gebiet eins der von der Bundesregierung vorgesehenen Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV durch Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets wird. Der Magistrat sollte beauftragt werden, sich "intensiv" für das Zustandekommen eines entsprechenden Antrages an das federführende Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur einzusetzen.

Zweimal einstimmig

Allerdings war der Magistrat, wie sich zeigte, bereits tätig geworden. Was also nun? Diesen Antrag mit dem allseits anerkannten Inhalt abzulehnen, kam für niemanden im Haupt- und Finanzausschuss in Frage. Denn dort wurde der Antrag von den Grünen zunächst eingebracht. Niemand wollte sich dem Vorwurf aussetzen, nichts für den ÖPNV zu tun. Also schlug die Koalition vor, ihn umzuformulieren. Und so blieb als gemeinsamer Antrag schließlich folgender Text übrig: "Die Stadtverordnetenversammlung unterstützt den Magistrat für das Zustandekommen eines entsprechenden Antrages an das BMVI." Das Ausschussvotum war einstimmig.

So kam der Antrag ein paar Tage später in die Stadtverordnetenversammlung und wurde entsprechend ebenso einstimmig beschlossen. Damit konnten letztlich alle leben: die antragstellenden Grünen ebenso wie die anderen Fraktionen. Alle sind daran interessiert, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Und auch der Erste Stadtrat, der die volle Rückendeckung der Stadtverordnetenversammlung genießt. Das ist in Bad Vilbel bekanntermaßen eher selten.

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