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Dr. Julian Rosenberger hat in der Süd-Apotheke einen enormen Rückgang beim Absatz von Erkältungsmedikamenten registriert.

Infektionskrankheiten

Umstellungen in der Pharmabranche

  • vonPatrick Eickhoff
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Infektionskrankheiten sind auf dem Rückzug. Das sorgt in den Apotheken für einen enormen Absatzverlust. Auch beim Pharmakonzern-Stada hat man reagiert.

I m Vergleich zum Vorjahr gibt es deutschlandweit einen Rückgang von Grippefällen um 99,72 Prozent. Auch andere Infektionskrankheiten wie die Magen-Darm-Grippe sind seit Ausbruch der Pandemie deutlich zurückgegangen. Doch was für die meisten Menschen mehr als positiv ist, bedeutet für die Pharmabranche eine große Umstellung.

Nahrungsergänzung mehr im Fokus

Dr. Julian Rosenberger ist Inhaber der Süd-Apotheke in Bad Vilbel. Er sagt: »Der Trend aus dem vergangenen Jahr setzt sich in diesem Quartal fort.« Bedeutet: Der Absatz von Medikamenten für Erkrankungen wie Erkältungen ist bis zu 70 Prozent zurückgegangen. Saisonale Medikamente müssen zeitig bestellt werden. »Natürlich bleibt da einiges liegen oder verfällt. Wir verkaufen unseren Kunden kein Medikament, das nur noch wenige Wochen haltbar ist.«

Beim weltweit tätigen Stada-Konzern mit Sitz in Bad Vilbel hat man diesen Rückgang ebenfalls registriert. »Das Segment Erkältung hat durchaus einen wichtigen Anteil am Umsatz von Stada in Deutschland und war im Geschäftsjahr 2020 wie bei anderen Unternehmen auch rückläufig«, teilt eine Sprecherin mit. »Wir beobachten ebenfalls, dass die Menschen offensichtlich zunehmend darauf achten, gesund zu bleiben und dabei unter anderem auf Nahrungsergänzungsmittel setzen. Die Nachfrage nach Präparaten zur Unterstützung des Immunsystems ist gestiegen. Unserer Einschätzung nach wird auch der Absatz von Produkten gegen Grippe und Erkältung saisonal wieder ansteigen, sobald die Menschen zu einer gewissen Normalität zurückkehren.«

Online-Shop eingerichtet

Diesen Anstieg hat auch Dr. Julian Rosenberger wahrgenommen. Bei der Süd-Apotheke hat man reagiert. »Wir haben einen Online-Shop eingerichtet. Der wird sehr stark angenommen. Hier gab es eine starke Zunahme an Bestellungen von Produkten, wie Vitaminen.« Präparate zur Unterstützung des Immunsystems würden immer beliebter.

Auch bei Stada habe man den Bereich »Consumer Healthcare« mit »der Akquisition der Marken Cetebe und Lemocin gestärkt«, wie eine Sprecherin des Unternehmens mitteilt. Mit der Einführung einer neuartigen Therapieoption zur Behandlung von Parkinson im fortgeschrittenen Stadium sowie medizinischem Cannabis sei man im Segment der Spezialpharmazeutika gut für die Zukunft gerüstet.

Allerdings ist Julian Rosenberger noch etwas anderes aufgefallen. »Es gibt viel mehr Menschen, die nicht nur auf der Suche nach Beratung sind, sondern auch nach einem Gesprächspartner.« Rosenberger sagt, dass der Verkauf von Antidepressiva und Mittel für beispielsweise Schlafstörung signifikant zugenommen habe. »Es gibt leider immer mehr, die mit der Erstverordnung Anti-Depressiva hier stehen. Das ist natürlich nicht schön.« Auch die Anzahl an Telefonaten habe zugenommen. Rosenberger rechnet damit, dass dieser Trend sich auch in den kommenden Monaten fortsetzt. Was Bestellungen angeht, müsse man den Markt genau beobachten.

»Bezüglich der Strategie müssen wir das so handhaben, wie derzeit in vielen Bereichen. Nicht zu weit in die Zukunft blicken«, sagt er. »Wir bestellen eher kleinere Mengen und schauen, wie es sich entwickelt.«

In der Süd Apotheke besteht die Möglichkeit zum »Bürger-Test«. Interessierte können sich mindestens einmal wöchentlich umsonst bei uns mittels eines Corona-Antigentests testen lassen. Eine Testung kann ausschließlich nach vorheriger Terminvergabe stattfinden. Infos unter www. sued-apotheke-bad-vilbel.de/ wpa

Der Umsatz im »Segment Erkältung« ist auch bei Stada rückläufig.

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