Fahrverbot

Tramlinie 18 statt Diesel-Bus

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Die Alarmglocken schrillen sofort als Bad Vilbels Erster Stadtrat Sebastian Wysocki am Dienstag aus der Zeitung erfährt, dass die Buslinie 30 aus Bad Vilbel womöglich nicht mehr lange in die Frankfurter Innenstadt fahren könnte.

Die Alarmglocken schrillen sofort als Bad Vilbels Erster Stadtrat Sebastian Wysocki am Dienstag aus der Zeitung erfährt, dass die Buslinie 30 aus Bad Vilbel womöglich nicht mehr lange in die Frankfurter Innenstadt fahren könnte. Dieser Fahrverbots-Vorstoß für den 30er Bus kommt auch noch von einem Parteifreund: von Michael zu Löwenstein, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im Frankfurter Römer. Der schlägt in der Diskussion um das Dieselfahrverbot vor zu überprüfen, ob Straßenbahnlinien nicht parallel geführte, dieselbetriebene Linienbusse überflüssig machten. Was die Buslinie 30 betrifft.

Auf der stark luftverschmutzten Friedberger Landstraße könne "dank der Tramlinie 18 auf die beiden Buslinien verzichtet werden", erklärt zu Löwenstein. Vor einem solchen Schritt warnt Wysocki: "Das wäre ein fatales Zeichen für viele Pendler." Ziel sei es, möglichst viele Autofahrer zum Umsteigen in Busse und Bahnen zu motivieren. "Die Streichung oder Kürzung einer stark frequentierten Buslinie stünde konträr zu diesem Ziel."

Mit dem 30er-Bus hat sich zu Löwenstein eine bereits recht saubere Buslinie zur Streichung auserkoren. "Alle Fahrzeuge auf dieser Linie sind nach dem EEV-Standard ausgestattet", erklärt Geschäftsführer Alois Rautschka von der Betreiberfirma "In-der-City-Bus" (ICB). Der EEV-Standard gilt speziell für Nutzfahrzeuge und ist strenger als die Euro-5-Norm – liegt aber unter der Euro-6-Norm, die das Gericht als notwendig angesehen hat. Ob die EEV genügt, um dem Diesel-Urteil zu trotzen? "Es ist noch unklar, wie wir davon betroffen sind", sagt Rautschka. Ob die Busse weiter fahren dürfen, "wissen wir noch nicht zu einhundert Prozent".

Keine Sorgen um ihre Linien müssen sich die Fahrgäste in den anderen Linien machen, die von Bad Vilbel aus nach Frankfurt fahren. Denn keine von ihnen tangiert das vom Gericht genannte Sperrgebiet innerhalb des Autobahnrings. "Schnellschüsse" wie den von Michael zu Löwenstein solle man vermeiden, fordert Wysocki. Denn eine Kürzung der Linie 30 und damit "ein massiver Komfortverlust" könne Pendler zum Umstieg aufs Auto bewegen – genau das Gegenteil von dem, was man erreichen wolle. Das hat man auch bei der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq im Blick. Dort hat die Politik zwar bisher keine Prüfung in Auftrag gegeben. Daher hält sich Traffiq-Sprecher Klaus Linek zurück. Er gibt aber zu bedenken: "Bei einer vertiefenden Untersuchung muss auch die Kapazität der Straßenbahnlinie beachtet werden."

Deshalb mahnt der Fahrgastverband Pro Bahn zur Vorsicht. "Beide Linien, Straßenbahn und Bus, sind ja auf der Friedberger Landstraße schon an ihrer Kapazitätsgrenze", erinnert Pro-Bahn-Sprecher Wilfried Staub. Stelle man die Buslinie ein, sei bei der Tram in der Rush-hour ein 4-Minuten-Takt nötig. "Dafür gibt es aber nicht genug Straßenbahnfahrzeuge." Deshalb sei die Buslinie 30 im Frankfurter Stadtgebiet als "Notlösung" weiterhin unverzichtbar: "Da muss man an die Fahrgäste denken." Allerdings räumt der Fahrgastvertreter auch ein: Die Idee von Löwenstein sei "vom Ansatz her richtig". "Straßenbahn ist besser als Busverkehr, deshalb muss die Straßenbahn langfristig nach Bad Vilbel ausgebaut werden."

Meinung

Die neue Tram bauen!

Immer öfter wirkt die Diesel-Debatte, als würde sie von aufgescheuchten Hühnern geführt. Und sie bringt immer neue, aberwitzige Vorstöße hervor. Derjenige, Buslinien einfach einzustellen, gehört definitiv dazu. Im Affekt des ersten Moments wirken die dieselschluckenden Ungetüme namens Linienbus natürlich wie die Umweltverpester vor dem Herrn. Doch wäre es besser, wenn auch nur die Hälfte der 80 Fahrgäste je Bus künftig per Auto die Friedberger Landstraße entlang rollten? Sicher nicht. Michael zu Löwenstein richtet den Fokus korrekt auf ein Problem: Busverkehr parallel zu Straßenbahnverkehr ist unklug. Den Busverkehr nun recht kurzfristig einfach einzustellen, ist aber auch keine Lösung. Einen solchen Ansturm hielte die noch junge Straßenbahnlinie kaum aus. Erkennbar wird nun nicht nur, dass die Verkehrspolitik in Frankfurt das Dieselproblem viel zu lange ignoriert hat. Und zugleich, dass die Verkehrsplanung und vor allem der Ausbau von Straßen-, U- und S-Bahn-Linien längst nicht mehr Schritt hält mit der explodierenden Nachfrage. Nicht zuletzt hat fehlende Abstimmung mit dem Umland zu diesem Angebotsloch geführt – zugegeben auch weil Bad Vilbel in Sachen Tram bisher eher bremste. Denn die Idee einer Straßenbahnlinie über den Schöllberg steht schon seit mehr als zwei Dekaden im Raum. Höchste Zeit, dass die Politiker sie endlich bauen lassen, statt nur darüber zu reden. (dpg)

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