NACHGEHAKT

Tödliche Grillparty

Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Grill. Welche Blüten dieser sinnlose Wettstreit treiben und zu welchen Ergebnissen er führen kann, zeigt Moderator, »Wetterfrosch« und Autor Tim Frühling in seinem neuen Krimi »Totgegrillt«. Mit Humor und Sprachwitz nimmt er seine Leser mit zu einem ebenso urkomischen wie gefährlichen Grillvergnügen.

Schon der Titel »Totgegrillt« lässt Schlimmes befürchten. Und so kommt es auch. Die erste Lesung nach 17 Monaten in der Buchhandlung »LeseZeit« im Brunnen-Center endet mit zwei Toten. Autor Tim Frühling lässt am Ende seiner Lesung viel Raum für Spekulationen wie es weitergeht. Nach einer Zugabe aus einem früheren Werk stellt er fest: »Jetzt kennen sie mich von einer anderen Seite. Ich bin nicht immer der Nette, der das Wetter ansagt.«

Nett ist es in der Tat nicht, was er übers Grillen, Griller, Grills, die »das Ausmaß, Gewicht und den Preis eines Kleinwagens haben« schreibt. Das bestätigt nicht nur die Erwartungen der vehementen Vegetarierin Hendrike Kupfer, die es liebt, »Menschen beim Essen zuzuschauen« und der es »am besten gefiel, wenn unsympathische Zeitgenossen ungesundes Zeug in sich hineinschaufelten. Und unsympathisch war Hendrike grundsätzlich jeder, der Fleisch aß«.

Quasi auf der Gegenseite, auf der Seite der Grill-Enthusiasten und Fleischliebhaber steht der bekannte Bauunternehmer Leo Vossen. Der Protagonist des Krimis liebt es, gemäß der Maxime »immer höher, weiter, besser« protzig. Private Kontakte müssen gut fürs Geschäft sein. Und so erhalten nicht seine Grillfreunde Kurti, Sascha und Maurice, die er regelmäßig zum »Socializing« trifft, um »einfach mal zu hören, wie die Arbeiter- seele so tickt«, keine Einladung zum ultimativen Gill-Ereignis des Jahres in seinem Garten.

Auf der Gästeliste stehen vielmehr Geschäftspartner und alle, die Leo Vossen nützlich sein können. Auf den Grill kommen keine Steaks von heimischen Rindern, sondern »das neue Fleisch vom sündhaft teuren Koriyama-Rind, welches nur von Hand mit Kirschblüten gefüttert wird.« Da das Fleisch in Europa noch nicht zugelassen ist, besorgt es ihm ein aufstrebender Metzger, der eine Lieferlücke im Brexit-Handel mit England entdeckt hat. Und damit wird Leo Vossen das Fleisch als erster auf deutschem Boden seinen Gästen anbieten. Mit dabei sind ein Journalist und Fotograf der angesagtesten Grillzeitung.

Doch der so gut geplante Grillabend endet in einer Katastrophe. Und der neue stellvertretende Kommissariatsleiter David Lahmann und seine Chefin Cala Weiß von der Kölner Mordkommission haben es nicht nur mit dem dubiosen Fall, mit vielen Motiven und Verdächtigungen zu tun, sondern auch mit der Missgunst des Teams.

Wer verfolgt welche Spur und überführt den/die Täter/in? Im Vorwort weist der Autor ausdrücklich darauf hin, dass »dieses Buch ein Kriminalroman ist. Mit Leichen. Dafür ganz ohne Rezepte. Es geht zwar um Lebensmittel, vorrangig um die flammengestützte Garung genießbarer Teile des tierischen Körpers, diese sind aber entweder erfunden oder so überkandidelt, dass ich Ihnen eine Zubereitung nicht empfehlen würde. Jedenfalls nicht in den genannten Kombinationen.« Recherchiert hat Tim Frühling bei einem Metzgermeister, dem Besitzer einer Smoker-Station und einem Arzt.

Damit die Lesung in Bad Vilbel unter Corona-Bedingungen stattfinden konnte, stellte das Management des Brunnen-Centers Silke Mahatzky von der Buchhandlung LeseZeit ein leer stehendes Geschäft und die Stadt Bad Vilbel Stühle aus dem benachbarten Sport- und Kulturforum zur Verfügung.

Gibt es eine Geschichte hinter dem Buch?

Die Grillgeschichte war eine Idee von Verleger Hejo Emons. »Fragt den Frühling«, hat er zu seinem Team gesagt. Wenn man der favorisierte Autor eines Verlegers ist, kann man nicht ablehnen. Alle meine Krimis davor basierten auf meinen Ideen.

Herr Frühling, sind sie Vegetarier?

Nein, aber ich bin auch kein großer Fleischfetischist und kein großer Griller. Ich habe einen Elektrotischgrill für 29 Euro, den ich extrem selten benutze.

Haben Sie schon einmal Kobe-Rind gegessen?

Nein, das könnte ich bei diesem Preisen nicht genießen. Es ist okay, wenn Leute sich das gönnen, aber es ist nicht meine Welt. cf

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