Die Architekten der Wund-Gruppe haben diese Animation erarbeitet. Die Verträge zwischen Stadtwerken und Wund-Stiftung sind geändert worden und stehen nun zur Abstimmung im Parlament. Die Grünen wollen dagegenstimmen, und auch die SPD hat "Bauchschmerzen".
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Die Architekten der Wund-Gruppe haben diese Animation erarbeitet. Die Verträge zwischen Stadtwerken und Wund-Stiftung sind geändert worden und stehen nun zur Abstimmung im Parlament. Die Grünen wollen dagegenstimmen, und auch die SPD hat »Bauchschmerzen«.

Bad Vilbeler Therme

Therme Bad Vilbel: Grüne wollen Projekt stoppen

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Das 200-Millionen-Projekt spaltet die Politik: Die Grünen haben nun dazu aufgerufen, die Vertragsverhandlungen zur Mega-Therme in Bad Vilbel zu stoppen. Auch die SPD plagen »Bauchschmerzen«.

W eiter als bei den Rahmenvereinbarungen für das künftige Kombibad können die Ansichten zwischen regierender Koalition aus CDU und FDP und Teilen der Opposition gar nicht auseinandergehen. Stadtwerke-Geschäftsführer und Stadtrat Klaus Minkel (CDU) spricht in seiner Vorlage davon, »dass kein Fall in Deutschland bekannt ist, in dem eine Stadt günstigere Bedingungen erlangt hat«. Damit bewertet er die Eckdaten für den Rahmenvertrag mit der Wund-Stiftung für das zu bauende Kombibad aus Thermalbad und kommunalem Hallenbad. Ganz anders die Grünen. Schon seit Jahren sehen sie Risiken für die Stadt und fühlen sich durch die Vorlage, die in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses behandelt wurde, bestärkt. Während sie am Donnerstagabend nur Fragen stellten, versandten sie am Freitagmorgen eine Pressemitteilung, in der sie dazu aufriefen, die Vertragsverhandlungen für den Bau des Bades zu stoppen.

Seit Mitte 2011 wird über das Kombibad diskutiert. Der Spatenstich ist derweil noch nicht vollzogen. Jedoch teilte Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (CDU) in der Ausschusssitzung mit, kürzlich habe im Kreishaus ein Termin mit allen Beteiligten stattgefunden. Demzufolge stehe der Bauantrag »kurz vor der Einreichung«.

Bad Vilbeler Therme: SPD-Fraktion hat Bauchschmerzen

Das Mega-Projekt, das der Bürgermeister in einer ersten Einschätzung bei einer Bürgerinformationsveranstaltung im Jahr 2011 auf rund 50 Millionen beziffert hatte, ist inzwischen auf 200 Millionen Euro angewachsen. Die Pläne sind allerdings einige Male verändert worden. Sollte die Therme anfangs von der Wund-Gruppe gebaut werden, haben sich infolge des tragischen Tods des Firmeninhabers Josef Wund etliche Rahmenbedingungen geändert. Und dann kam noch der Lockdown infolge der Corona-Pandemie.

SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Kühl wies in der Sitzung darauf hin, es sei kürzlich bekannt geworden, dass der Sohn von Josef Wund mit der Therme in Erding in diesem Jahr rund 15 Millionen Euro Verlust machen werde. »Andere Thermen haben auch massive Verluste«, sagte Kühl weiter. Man habe wegen der möglichen Risiken für die Stadt Bad Vilbel schon Bauchschmerzen, so Kühl namens seiner Fraktion, die bis zur Stadtverordnetensitzung am kommenden Dienstag »noch einmal intensiv diskutieren« wolle und dann ein endgültiges Votum abgeben werde.

Bad Vilbeler Therme: Grüne wollen nur Kommunalbad

Das haben die Grünen jetzt getan. Sie lehnen die neuerlichen Bad-Verträge rundweg ab und sehen eine finanzielle Verschlechterung für die Stadt. Zwar begrüßen sie, dass die Eintrittspreise mit 3,50 Euro pro Besuch sehr günstig seien (siehe Kasten) und dass das Bad eine Platin-Zertifizierung bekommen soll. »Alles andere ist eine Katastrophe, entwickelt sich klar zum Nachteil für die Stadt und ihre Bürger. Wir fordern, dass das Thermenprojekt sofort gestoppt wird und eine alternative Planung für ein kommunales Hallenbad vorgelegt wird«, sagt Fraktionschef Jens Matthias. Die Grünen sagen, die finanziellen Rahmenbedingungen für die Stadt hätten sich »dramatisch verschlechtert«. Vergleiche man die Erträge über zehn Jahre, seien der Stadt beim ersten Vertrag 2016 Einnahmen in Höhe von 57 Millionen zugesagt worden. »Jetzt sind es nur noch magere 29 Millionen Euro«, kritisiert Matthias.

Die Stadt erhalte nicht mehr 5,7 Millionen Euro pro Jahr, sondern nur noch 2,4 Millionen. Das sei viel zu wenig angesichts der Tatsache, dass die Stadt bzw. die Stadtwerke 25 Millionen Euro in das Kommunalbad und ein Parkhaus investiert. Die Grünen prophezeien einen Fehlbetrag von knapp 30 Millionen Euro. In der gestrigen Mitteilung heißt es: »Die Grünen sind aus dem Projekt Therme bereits ausgestiegen, als klar wurde, dass durch das Kombibad zusätzliche riesige Flächen versiegelt werden und die Stadt von einem 38 Meter hohen Rutschen-Turm überragt wird. Jetzt wird deutlich: Auch finanziell ist das Vorhaben für Bad Vilbel eine Nummer zu groß.«

Bad Vilbeler Therme: Bürgermeister verteidigt Projekt

Bürgermeister Stöhr verteidigte das Projekt. Es sei ein vorteilhafter Vertrag. »Würden wir das Kombibad neu ausschreiben, würden wir auch keine günstigeren Konditionen erhalten.« Es sei positiv, dass das sechsstellige Kommunalbad-Defizit vom Investor übernommen werde. »Außerdem erhält die Stadt beachtliche Nutzungsentgelte.« Der Bürgermeister zeigte sich davon überzeugt, »dass die Stadt eines der schönsten Bäder der Region bekommen wird«. Die Einnahmen flössen den Stadtwerken zu, die sie dann an die Stadt ausschütten würden.

Am Dienstag, 15. September, stehen die Bad-Verträge mit der Wund-Stiftung auf der Tagesordnung im Stadtparlament. Erwartet wird dann auch Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Minkel.

Bad Vilbeler Therme: Minkel: Grüne verdummen die Bevölkerung

Die Grünen rechnen in ihrer Gegenüberstellung der beiden Vertragswerke von 2016 und 2020 vor, dass die Stadt nach dem neuen Vertrag lediglich 29 Millionen Euro an Einnahmen in zehn Jahren erzielen würde, mithin 2,9 Millionen pro Jahr. Bei dem Vertrag von 2016 wären es noch 57 Millionen Euro gewesen.

Minkel kontert, die Grünen würden »die Einnahmen zur Verdummung der Bevölkerung niedrig rechnen«. Realistisch werde mit 1,3 Millionen Besuchern gerechnet. Das bringe nach wenigen Jahren 4,5 Millionen Euro im Jahr. Bei 1,5 Millionen Besuchern würden übrigens 5,5 Millionen erreicht werden. »Im günstigsten Fall sind also zusammen 6,5 Millionen per anno erreichbar. Das ist mit weitem Abstand der günstigste Vertrag.« Zudem würden die Grünen in ihrer Berechnung unterschlagen, dass die Stadt das Kommunal-baddefizit nicht zu tragen braucht. »Das erspart der Stadt weitere 800 000 im Jahr.«

Der Stadtwerke-Chef und Stadtrat abschließend: »Es ist grüne Traumtänzerei und schädlich für Bad Vilbel, gegen solch ein Projekt zu sein.«

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