Die Vorfreude steigt bei den Aktiven (von links): Sandra Malinowski, Assistentin für Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit, Regieassistentin Stephanie Roschek, Regisseur Christian H. Voss und Choreografin Kerstin Ried. FOTO: PATRICK EICKHOFF
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Die Vorfreude steigt bei den Aktiven (von links): Sandra Malinowski, Assistentin für Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit, Regieassistentin Stephanie Roschek, Regisseur Christian H. Voss und Choreografin Kerstin Ried. FOTO: PATRICK EICKHOFF

Theatersommer in der Burg

Theatersommer Bad Vilbel: In vier Wochen von Null auf Hundert

  • vonPatrick Eickhoff
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Vor drei Wochen hat die Stadt Bad Vilbel den Theatersommer angekündigt. Die Vorbereitungen der "Burgfestspiele light" laufen auf Hochtouren. Die Premiere von "Ladies Night" steigt schon in zehn Tagen.

Die Stimmung ist gut im Georg-Muth-Haus auf dem Heilsberg. Christian H. Voss, Kerstin Ried und Stephanie Roschek sitzen corona-konform im entsprechenden Abstand im Stuhlkreis. Es ist 9.30 Uhr. In einer Stunde beginnen die Proben für das Stück "Ladies Night", das am 27. Juli beim Theatersommer in der Bad Vilbeler Burg Premiere feiert. "Geprobt wird immer bis 22 Uhr. Wir haben ja nicht mehr so viel Zeit", sagt Regisseur Voss und lacht.

Seit rund drei Wochen läuft die Arbeit auf Hochtouren. Kurz zuvor hatte die Stadt angekündigt, die Absage der Burgfestspiele mit einem kleinen Theaterprogramm auffangen zu wollen, um zumindest etwas Kultur anbieten zu können. Nur fünf Tage vor Probenbeginn hat Regisseur Voss erfahren, dass er und sein Team für eine Inszenierung ausgewählt worden sind. "Nach der Absage der Burgfestspiele waren wir natürlich sehr traurig", bedauert er. "Jetzt sind wir voller Tatendrang."

Theatersommer Bad Vilbel: Vier Männer und die Strip-Karriere

Ursprünglich hatten sie sich auf "Das Dschungelbuch" und "Hairspray" vorbereitet. Jetzt steht "Ladies Night" auf dem Programm. "Die Tanz-Choreo können wir leider nicht verwenden", sagt Choreografin Kerstin Ried mit einem Augenzwinkern. Denn anstatt "Probier’s mal mit Gemütlichkeit" heißt es: Runter mit den Klamotten.

In der Komödie mit dem Beititel "Ganz oder gar nicht" dreht sich alles um vier Männer auf der Suche nach Arbeit, Liebe und Anerkennung. Sie haben keine oder eine unglückliche Beziehung zu Frauen und keinen Job mehr, In ihrer Stammkneipe treffen sie sich und bereden ihre Probleme. "Bis ihnen die Idee kommt, es den Chippendales nachzumachen", sagt Regisseur Voss. Unter Anleitung einer professionellen Trainerin wird anschließend heimlich geübt. Dann steht der erste Auftritt an...

Theatersommer Bad Vilbel: Hygieneregeln auch auf der Bühne

Die Proben sowie die Aufführung stehen unter besonderen Voraussetzungen. "Zunächst gelten die gleichen Hygieneregeln wie auch im Alltag: Abstand halten, Hände waschen und desinfiziere", sagt Regieassistentin Stephanie Roschek . Auch im Georg-Muth-Haus gelten besondere Voraussetzungen. Jeder Schauspieler sowie jedes Teammitglied haben einen eigenen Tisch. "Jeder bringt seine Sachen mit und nimmt sie auch wieder mit", erläutert Roschek.

Die Vorgaben gelten jedoch nicht nur abseits der Bühne, sondern auch für die Schauspieler on stage. "Das ist natürlich etwas besonderes", sagt Regisseur Voss. Das sorgt für kreative Ansätze. "Wir haben zum Beispiel eine Szene, in der sich zwei Schauspieler eigentlich an die Gurgel gehen sollen. Das mussten wir anders lösen. Dabei wird ein Stuhl Verwendung finden." Und auch Choreografin Kerstin Ried muss bei den Tanznummern auf gewisse Regeln achten. "Mal eben die Klamotten vom anderen aufheben geht einfach nicht mehr. Wenn der eine dem anderen eine CD-Hülle auf der Bühne gibt, muss genau darauf geachtet werden, dass diese an einer anderen Stelle angefasst wird." Besonders helfe, dass keine Liebesszenen vorkämen . "Ein Hoch auf die Stückauswahl", freut sich Kerstin Ried, die auch in Sachen Tanz improvisiert. "Normalerweise komme ich mit fertigen Choreos zu den Proben. Jetzt entstehen diese im gemeinsamen Gespräch zwischendurch."

Theatersommer Bad Vilbel: Weniger Zuschauer

Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den Vorgaben sei das mittlerweile von allen gut verinnerlicht worden. "Ein Vorteil ist, dass sowohl die Schauspieler als auch das restliche Team sich von vorherigen Produktionen kennen. Das macht es deutlich einfacher", erläutert Regisseur Christian H. Voss. Beim Abstandhalten ist er sich sicher, "dass das dem Zuschauer gar nicht auffallen wird".

Für den freischaffenden Regisseur und für Kerstin Ried enden die Tage derzeit nicht um 22.30 Uhr. "Wir telefonieren viel, haben einiges zu bereden." Bald stehen noch die Lichtproben an. "Das werden anstrengende Nächte", sagt Voss. "Wir diskutieren schon, wann wir mal einen Tag frei geben. Das müssen wir unbedingt machen."

Denn was sonst in mehreren Monaten Vorlaufzeit vorbereitet wird, holt das Team rund um Voss in wenigen Wochen auf. Das Stück wurde vor einigen Jahren schon einmal aufgeführt. Das Bühnenbild wird zwar neu gebaut, aber angelehnt an die Kulisse von damals. "Die sogenannte Strichfassung habe ich in drei Tagen und drei Nächten fertiggestellt. Dafür hat man normalerweise bis zu einem halben Jahr Zeit." Das sei jedoch völlig in Ordnung. "Wir sind sehr froh, dass wir überhaupt wieder arbeiten dürfen. Das ist unsere Leidenschaft."

Theatersommer Bad Vilbel: "Ladies Night" nicht nur für Frauen

In neun Tagen ist die Generalprobe. Voss ist optimistisch. "Ich denke, wir sind auf einem guten Weg." Dennoch geht dem Regisseur eine Sache nicht aus dem Kopf. "Ich musste schon das ein oder andere mal daran denken, wie wir uns ›toi, toi, toi‹ wünschen." Das sei nämlich mit einer Umarmung verbunden. Die fällt wegen der Hygienebestimmungen weg. "Das ist ein Ritual. Ohne geht’s nicht, aber mir fällt schon etwas ein." Das wird nicht das einzig Ungewohnte für die Schauspieler bleiben. Im Publikum sitzen deutlich weniger Leute als üblich. Anstatt 700 Zuschauern werden rund 200 Gäste erwartet. "Schön wäre es natürlich, wenn die 200 genau so viel Stimmung machen wie die 700", sagt Voss.

Und zum Schluss räumt der Regisseur noch mit einem Vorurteil auf: "Ladies Night ist bestimmt kein exklusives Stück für Frauen. Auch Paare oder Männer werden viel zu lachen haben."

Karten gibt’s im Kartenbüro im Klaus-Havenstein-Weg 1 für 26 Euro. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 20.15 Uhr, Samstag von 9 bis 13 und 18 bis 20.30 Uhr sowie Sonntag von 16.30 bis 18.30 Uhr. Weitere Infos gibt es unter www.kultur-bad-vilbel.de. Dort gibt es auch eine Übersicht mit allen Terminen. Zusätzlich gibt es die Tickets auf www.frankfurt -ticket.de oder telefonisch unter 0 69/1 34 04 00. wpa

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