Beim finalen Auftritt der Möchtegern-Tänzer wird das Bad Vilbeler Publikum zu Besuchern von "Bernies Stripclub". Mitklatschen, Anfeuerungsrufe und Pfiffe aus den Reihen der Zuschauer sind erwünscht.	FOTO: EUGEN SOMMER
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Beim finalen Auftritt der Möchtegern-Tänzer wird das Bad Vilbeler Publikum zu Besuchern von »Bernies Stripclub«. Mitklatschen, Anfeuerungsrufe und Pfiffe aus den Reihen der Zuschauer sind erwünscht. FOTO: EUGEN SOMMER

»Ladies Night« feiert Premiere

Theatersommer in Bad Vilbel: Plötzlich fühlt es sich an wie immer

  • vonNiklas Mag
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Vor Kurzem schien es unmöglich: Eine Premiere in der Bad Vilbeler Burg noch in diesem Sommer. Und doch ist genau das am Montag passiert. Trotz Corona kam bei »Ladies Night« das Sommertheatergefühl auf.

Es ist ungewohnt, beim Eintreffen an der Wasserburg keine Menschenmassen zu sehen, die über die Brücke spazieren, die Bänke in der Gastronomie füllen oder sich in Gruppen unterhalten. Der Anblick der mächtigen Tribüne fehlt, aber dennoch: Kurz vor Beginn der Premiere von »Ladies Night«, des ersten Stücks beim diesjährigen Theatersommer, füllt sich der Burghof langsam mit Menschen in sommerlicher Abendkleidung, die Schutzmasken vor dem Mund weichen Sekt- und Weingläsern, ein Sommerwind weht und die Fanfare ertönt. Und plötzlich fühlt es sich an wie immer.

Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) geht in seiner kurzen Begrüßungsrede auf diese besondere Premiere ein: »Es ist eine außergewöhnliche Situation und dennoch schön.« In Zeiten, in denen es die Kul- tur mehr als schwer hat, habe es das außergewöhnliche Team der Burgfestspiele geschafft, einen Theatersommer auf die Beine zu stellen. Auch Intendant Claus-Günther Kunzmann drückt seine Freude aus: »Vor sechs Wochen habe ich noch überlegt, ob es vielleicht möglich wäre, wenigstens kleine Führungen durch die Burg zu organisieren«, meint er. In den vergangenen Wochen musste alles sehr schnell gehen, doch das sei geglückt.

»Ladies Night« in der Bad Vilbeler Wasserburg: Vier liebenswerte Verlierer

Es geht los, »Ladies Night« eröffnet die Festspielsaison 2020. In Großbritannien ist die Geschichte angesiedelt und dreht sich um vier liebenswerte Verlierer. Craig (Volker Weidlich), Norman (Lukas Schwedeck), Barry (Raphael Köb) und Gavin (Theodor Reichardt) kommen nach einer Kneipenschlägerei ins Grübeln. Alle vier sind arbeitslos, stagnieren in ihrem Leben, verspüren jedoch einen gewissen Tatendrang.

Eine Zeitungsanzeige bringt den vieren plötzlich den entscheidenden Einfall. Warum nicht als Stripper arbeiten? Schließlich verdienen die bekannten Chippendales damit ein Vermögen. »Wir sind 20, 40, 50 und 60 Jahre alt«, lautet eines der Gegenargumente bei der Diskussion, die zwischen den vier Männern entbrennt. Dennoch: Craig plant das Business-Modell und die Jungs überlegen, wie sie theoretisch auftreten könnten. Doch worauf fahren Frauen eigentlich ab? Eher auf E-Gitarren oder Mönchskutten? Die Komödie nimmt mit Näherrücken des ersten großen Auftritts der Männer mehr und mehr Fahrt auf und profitiert von den vier sehr unterschiedlichen Charakteren, die zudem von den Darstellern wunderbar zum Leben erweckt werden.

»Ladies Night« in der Bad Vilbeler Wasserburg: Charmant und mitreißend erzählt

Sonja Herrmann spielt als Fünfte im Ensemble die toughe Clubbesitzerin Bernie, die den vier Männern eine Chance geben will, wenn auch die ersten Tanzversuche nicht ganz perfekt laufen. Zwar zeigen die Tänzer viel Enthusiasmus, schießen aber meilenweit über das Ziel hinaus. Als Highlight ist hier die Kaiser-Nero-Stripeinlage von Theodor Reichardt zu nennen, die dem Publikum vor Lachen die Tränen in die Augen treibt.

Die Geschichte um die vier Briten ist charmant und mitreißend erzählt, trotz des schlüpfrigen Themas halten sich die »schmutzigen« Witze in Grenzen. Es ist leichte Kost, die Regisseur Christian H. Voss innerhalb von drei Wochen mit dem Team der Festspiele auf die Bühne gezaubert hat. Beim finalen Auftritt der vier Möchtegern-Tänzer wird das Bad Vilbeler Publikum zu Besuchern von Bernies Stripclub, Mitklatschen, Anfeuerungsrufe und Pfiffe sind erwünscht und werden von den Gästen auch gerne verteilt.

»Ladies Night« in der Bad Vilbeler Wasserburg: Spektakuläres Finale

Wie der große Auftritt von Craig, Norman, Barry und Gavin läuft, wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Die Burg-, pardon, die Stripclubbesucher können sich auf ein spektakuläres Finale freuen. Die Stimmung ist ausgelas-sen, die Festspiele bringen mit »Ladies Night« eine gehörige Portion Lebensfreude unter das Theatervolk - kontaktlos versteht sich. Bleibt die Frage offen, ob sich der Theatersommer 2020 anfühlt wie die Burgfestspiele in den vergangenen Jahren. Kurze Antwort: Ja!

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