Einmal im Monat bietet Hans-Joachim Prassel im Bad Vilbeler Rathaus die Sprechstunde der Teilhabeberatung an.	FOTOS:WPA/ PE
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Einmal im Monat bietet Hans-Joachim Prassel im Bad Vilbeler Rathaus die Sprechstunde der Teilhabeberatung an. FOTOS:WPA/ PE

Teilhabeberatung

Teilhabeberatung in Bad Vilbel auch in Coronazeiten gefragt

  • vonPatrick Eickhoff
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Hans-Joachim Prassel bietet einmal im Monat die Teilhabeberatung an. Diese wird auch in Pandemie-Zeiten sehr gut angenommen. Ihm hat sich in dieser Zeit ein neues Feld eröffnet: Zukunftängste.

Es gibt nicht viel, was Hans-Joachim Prassel davon abhalten kann, einmal im Monat die Sprechstunde der Teilhabeberatung anzubieten. »Der Schnee kann es«, sagt der 64-Jährige und lacht. Seit Mai 2019 wohnt der erste Behindertenbeauftragte der Quellenstadt nicht mehr in Bad Vilbel. Einmal im Monat findet aber seine Sprechstunde im Rathaus statt. Außer als in der vergangenen Woche der Schnee dazwischenkam. »Es war mir schon damals ein Anliegen, die Bürger zu beraten. Das Angebot ist unabhängig vom Wegzug erhalten geblieben.«

Die Nachfrage ist groß. »Als das Angebot neu war, sind wir mit Anfragen überrollt worden.« Dabei geht es um Parkplätze, Fragen zum Behindertenausweis oder auch Rentenfragen. Die Corona-Pandemie hat dem großen Interesse keinen Abbruch getan. Prassel und die Stadt haben deshalb schnell reagiert. »Wir haben viel mit der telefonischen Beratung und per E-Mail aufgefangen«, sagt Prassel. Weitere Maßnahmen wurden ergriffen. »Die Beratung findet nur nach Terminvergabe statt. Pro Termin ist eine halbe Stunde Zeit. So verhindern wir, dass sich Schlangen bilden. Seit Februar gab es nur einen einzigen freien Termin.«

Beratungsangebote fallen weg

Die dreieinhalb Stunden sind also meistens ausgebucht. Hans-Joachim Prassel nimmt sich gerne Zeit für jeden einzelnen. Der größte Teil der Sprechstunden-Teilnehmer hat eine psychische oder körperliche Behinderung. »Aber auch Menschen, die Fragen bezüglich der Pflege, der Wiedereingliederung oder zur Altersteilzeit haben, kommen vorbei. Hinzukommen Teilfragen zu Kita und Schulen sowie der Inklusion.«

Während Corona hat sich dem 64-Jährigen ein neues Feld eröffnet. »Zukunftängste«, sagt er. »Menschen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben.« Man müsse da ein besonderes Gespür haben, denn in Corona-Zeiten seien viele Beratungsangebote wie Selbsthilfegruppen weggefallen. »Es gibt einige, die sind angeschlagen oder vielleicht psychisch labil.« Gerüste, wie die Beratung, dürften nicht wegbrechen. »Wir müssen flächendeckend Beratungsangebote schaffen, um den Leuten Orientierung zu geben. Manche wollen einfach mal das Herz ausschütten.«

Immer wieder Anfragen aus anderen Kommunen

Immer wieder würde es auch Anfragen aus anderen Kommunen geben. Prassel ist aber nur für Bad Vilbel verantwortlich. »Das war in der Anfangszeit ganz extrem, weil gerade viele Städte ein solches Angebot eben nicht haben. Gestern rief mich eine Frau aus Schöneck an. Ihr konnte ich leider nicht weiterhelfen.« Ab und zu kommen auch Bürger mit Rentenfragen zu Prassel. »Das ist mehr geworden seit die Stadt keine Rentenberatung mehr anbietet«, sagt Prassel. Die Zusammenarbeit mit der Stadt beschreibt er als »sehr fair«. »Ich bin froh, dass das so gut läuft.«

Hans-Joachim Prassel ist ein Kenner der komplizierten Materie. Bevor er im April 2016 zum Behindertenbeauftragten der Stadt gewählt wurde, fungierte er seit 2011 als einer der beiden Sprecher der Arbeitsgruppe Barrierefreiheit der Stadt, die den Planungs- und Bauausschuss berät. Seine Fachkenntnisse sind unumstritten und anerkannt. 33 Jahre lang war Prassel Disability Manager beim Hessischen Rundfunk.

Ehrenamtliches Engagement

Sein ehrenamtliches Engagement ist groß. Es war von 2001 bis 2006 Stadtverordneter (SPD), von 2006 bis 2011 ehrenamtlicher Stadtrat, von 2016 bis 2019 Kernstadt-Ortsbeiratsmitglied und ist seit 2016 kommunaler Behindertenbeauftragter der Stadt. Außerdem engagierte sich Hajo Prassel 16 Jahre lang (2000 bis 2016) als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Frankfurt. Im VdK-Landesverband Hessen-Thüringen ist er seit 2015 Beisitzer im Landesvorstand, im Ortsverband Bad Vilbel ab 2018 stellvertretender und seit 2019 ist er erster Vorsitzender. »Ich lebe die Teilhabe, aber ich will auch keine Sonderrechte, sondern ernst genommen werden. Ich bin kein ›Anwalt‹, sondern auf eine ausgewogene Lösung aus.« Es müsse mehr Teilhabeberatungsangebote und Behindertenbeauftragte geben. »Das haben wir uns zum Ziel gesetzt.«

Die Stadt Bad Vilbel befindet sich seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Hans-Joachim Prassel ist in diesen Prozess eng mit eingebunden. »Mittlerweile ist eine geeignete Kandidatin gefunden worden. Mehr verrate ich noch nicht.« Seine nächste Sprechstunde findet Anfang Februar statt. »Wenn nicht wieder der Schnee dazwischenkommt.«

Aufgrund der Pandemie ist eine vorherige Terminvereinbarung mit Hans-Joachim Prassel unbedingt erforderlich. Eine freie Sprechstunde kann im Moment nicht angeboten werden.

Prassel ist unter Tel. 0 152/34 56 33 60 oder per E-Mail: an Hajoprassel@online.de erreichbar. Die nächste Sprechstunde findet am Dienstag, 9. Februar, von 12.30 bis 16 Uhr statt. wpa

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