Christine Wenzel und ihre Familie sind aus dem ehemaligen Sudetenland vertrieben worden. Mit 20 Kilogramm Gepäck unterm Arm ist sie in der Wetterau angekommen.   FOTO/REPRO: CHRISTINE FAUERBACH
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Christine Wenzel und ihre Familie sind aus dem ehemaligen Sudetenland vertrieben worden. Mit 20 Kilogramm Gepäck unterm Arm ist sie in der Wetterau angekommen. FOTO/REPRO: CHRISTINE FAUERBACH

Aus dem Sudetenland in die Wetterau

  • vonChristine Fauerbach
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Bad Vilbel (cf). Im engsten Kreise ihrer Familie feiert heute, am 4. April, die Gronauerin Christine Wenzel ihren 95. Geburtstag. Geboren und aufgewachsen ist die Seniorin in Neuwaltersdorf im ehemaligen Sudetenland. »Ich hatte noch sieben Geschwister, von denen die meisten im Kindesalter verstarben. Heute lebt nur noch meine jüngere Schwester Margarete, die in Niederdorfelden wohnt.«

In dem inzwischen zur Tschechischen Republik gehörenden Dorf Neuwaltersdorf besuchte Christine Beidel, wie die Seniorin mit Mädchennamen heißt, die Volksschule. »Ich war gerade 16 Jahre alt, als wir vertrieben wurden. Jeder von uns durfte nur 20 Kilogramm Gepäck mitnehmen«, erinnert sich die Jubilarin an die schwere Zeit und den Verlust der Heimat.

Bei Landwirt Laupus einquartiert

Die Eheleute Beidel kamen mit ihren drei Töchtern nach Gronau. Sie wurden bei Landwirt Rudolf Laupus einquartiert. Dort arbeitete die junge Frau in der Landwirtschaft bis sie eine besser bezahlte Stelle in Frankfurt-Bockenheim beim ehemaligen Werkzeughersteller Günther & Co. fand. Dort war sie in der Herstellung von Präzisionswerkzeugen zur industriellen Metallbearbeitung beschäftigt. »Später habe ich in der Gastronomie im Restaurant ›Zum Grauen Bock‹ gearbeitet. Erst immer nur samstags, dann immer öfters.«

In Gronau kennen- und lieben gelernt hat sie ihren späteren Ehemann Helmuth Wenzel. Sohn Norbert wurde 1953 und Tochter Gabriele 1958 geboren. Nachdem die Eheleute Wenzel 1954/55 ihr Haus gebaut hatten, blieb Christine Wenzel zu Hause. Sie kümmerte sich von da an um den Haushalt, den großen Garten, die Pflege der Eltern und die Erziehung der Kinder.

Zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen gehörten Stricken und Häkeln, die Gartenarbeit und die Gymnastikkurse beim SV Gronau.

Gartenarbeit und Gymnastik musste sie leider infolge eines vor zwei Jahren erlittenen Oberschenkelhalsbruchs und einem Schlaganfall im letzten Jahr aufgeben. Seither ist sie mit ihrem Rollator unterwegs oder genießt den Blick vom Wohnzimmerfenster aus auf ihren Garten, die Nidder und die Gronauer Wiesen. Auch die regelmäßigen Gottesdienstbesuche in der katholischen St.-Maria-Kirche gehören der Vergangenheit an. »Ich sehe mir den Gottesdienst im Fernsehen an.«

Feier im engsten Familienkreis

Gefeiert wird der 95. Geburtstag aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie geplant im Lokal, sondern im engsten Familienkreis zu Hause. Zum Geburtstag wünscht sich Christine Wenzel: »Gesundheit und noch ein paar schöne Jahre.«

Die Wetterauer Zeitung gratuliert der Jubilarin und wünscht ihr alles Gute!

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