Albrecht Denneler (links) erklärt dem Ausschussvorsitzenden Jens Völker wie die Streuobstwiese der Zukunft aussieht. Verschiedene Szenarien will Denneler heute Abend im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss vorstellen. FOTO: NIKLAS MAG
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Albrecht Denneler (links) erklärt dem Ausschussvorsitzenden Jens Völker wie die Streuobstwiese der Zukunft aussieht. Verschiedene Szenarien will Denneler heute Abend im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss vorstellen. FOTO: NIKLAS MAG

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Die Streuobstwiesen der Zukunft

  • vonNiklas Mag
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Wie sehen unsere Streuobstwiesen der Zukunft aus? Eine Frage, auf die es derzeit keine genaue Antwort gibt. Dafür gibt es umso mehr kleine Fragen, die aufgeworfen werden. Damit wird sich Obstbau-Experte Albrecht Denneler heute Abend im Bad Vilbeler Planungs,- Bau-, und Umweltausschuss befassen.

Albrecht Denneler ist Obstbauer auf dem Dottenfelderhof in Bad Vilbel. Am Montagvormittag spaziert er über die Wiesen direkt neben dem neuen Hofladen und zeigt auf einen frisch gepflanzten Baum. "Das ist einer der Bäume, die im Rahmen der Baumausgabe für den Hessentag gepflanzt wurden." 3000 Bäume hat die Stadt unter das Vilbeler Volk gebracht. Doch Albrecht Denneler weiß: Einen Obstbaum zu pflanzen, ist nur ein Anfang. "Bäume müssen gepflegt werden, damit sie gesund wachsen können. Erst dann tun sie der CO2-Bilanz gut."

Bindeglied zwischen Stadt und Land

Es sei die Jahrzehnte umfassende Biografie eines Baumes, die letztendlich einen Mehrwert in Form von Schatten, CO2-Ausgleich oder verwertbarem Obst schaffe. Der Baum dürfe nach der Pflanzung aber nicht sich selbst überlassen werden, sondern brauche Pflege. "Dafür möchte ich ein Bewusstsein bei den Leuten schaffen. Das ist eines meiner Ziele für den Vortrag im Ausschuss." Auf Einladung des Vorsitzenden des Planungs-, Bau-, und Umweltausschusses, Jens Völker (CDU), wird sich Albrecht Denneler heute Abend der Frage widmen: "Wie sehen unsere Streuobstwiesen im Jahr 2050 aus?" Der Vortrag reiht sich damit in die in der Vergangenheit liegenden Vorträge über Stadtbegrünung und den Wald ein.

"Der Dottenfelderhof hat 20 Hektar Streuobstwiesen von der Stadt Bad Vilbel gepachtet." Denneler und die Mitarbeiter des Hofs pflegen die Bäume, schneiden sie zurück, hacken und wässern. "Um letztendlich das Ziel zu erreichen, dass so ein kleiner Apfelbaum zu einem großen Apfelbaum wird", sagt er und zeigt in der Ferne auf einen rund 70 Jahre alten Baum auf dem Feld in Richtung Gronau. "Aus den Äpfeln stellen wir hier auf dem Hof frischen Süßen her, verkaufen diesen im Laden oder im Café. Und so schließt sich der Kreis."

Doch solle es in seinem Vortrag heute Abend nicht nur um die aktuelle Beschaffenheit der Vilbeler Streuobstwiesen gehen, sondern gemäß dem Titel auch um deren Aufgabe in der Zukunft. "Meiner Meinung nach werden Streuobstwiesen als Bindeglied zwischen Stadt und Land immer wichtiger." In seinem Vortrag wolle er den Begriff der Streuobstparklandschaft wiederbeleben. "Ist das nur ein Relikt? Oder können wir uns ein Modell für die Zukunft überlegen? Ich glaube, wir brauchen eines."

Neue Krankheit: Sonnenbrand

Wenn die Wälder immer weiter zurückgehen, werde der Wert der Streuobstwiesen als Naherholungsgebiet immer weiter steigen, ist sich Albrecht Denneler sicher. Für die Stadtbewohner würden diese mehr und mehr Erholungswert haben. "Ein Bindeglied zwischen Stadt und Land mit Ertragscharakter", beschreibt der Obstbau-Experte.

Doch stünden die Streuobstwiesen momentan vor großen Problemen. "Die Blätter eines Apfelbaumes lassen Wasser verdunsten. Dadurch werden die Früchte gekühlt. Wir stellen aber mehr und mehr fest, dass die Früchte sozusagen an Sonnenbrand leiden." Das sei eine völlig neue Krankheit, um die sich die Obstbauern wegen anhaltender Trockenheit Gedanken machen müssten. "Ich habe mir viel Zeit genommen, um mir zu überlegen wie unsere Streuobstwiesen in der Zukunft aussehen sollten und genutzt werden könnten."

Verschiedene Szenarien wolle er in seinem heutigen Vortrag darlegen und mit den Anwesenden diskutieren, doch ist eine zentrale Aussage bereits klar: "Wir müssen aktiv werden. Es muss in Zukunft mehr Menschen geben, die Freude daran haben, das Produkt der Bäume zu verarbeiten und die Wiesen entsprechend zu pflegen."

Los geht es mit Albrecht Dennelers Vortrag "Wie sehen unsere Streuobstwiesen im Jahr 2050 aus?" am heutigen Dienstag um 18 Uhr im Kultur- und Sportforum in Dortelweil. Wegen Corona ist die Platzanzahl begrenzt, Besucher werden gebeten, mit Mundschutz zu erscheinen. Auf der Ausschuss-Tagesordnung steht im Nachgang unter anderem auch der Beschluss über die Aufstellung des Bebauungsplans "Am Höllenberge" im Stadtteil Gronau. nma

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