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Ulrich Rabl

Ein streitbarer Konmunalpolitiker

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Bad Vilbel(pe). Nicht nur beim politischen Gegner, auch in den eigenen Reihen sorgte der Grüne Ulrich Rabl für Unruhe. In den letzten Jahren war es allerdings ruhig um ihn geworden, denn er hatte sich aus der Kommunalpolitik zurückgezogen. Jetzt ist der 74-Jährige nach schwerer Krankheit verstorben.

Den Mitgliedern von CDU und FDP in der Bad Vilbeler Stadtverordnetenversammlung und Stadtrat Klaus Minkel (CDU) schwoll der Kamm. Denn kurz zuvor hatte der Grüne Ulrich Rabl den Mehrheitsvertretern vorgehalten, dass die Büchereibrücke weit teurer kommen würde, als öffentlich angegeben. Das wollte damals, als die Debatten um dieses Großprojekt auf dem Höhepunkt waren, niemand der Befürworter hören. Entsprechend emotionsgeladen fielen die Retourkutschen aus.

Vielleicht auch deshalb, weil nur wenige Kommunalpolitiker Bilanzen und Zahlenkolonnen so gut lesen und interpretieren konnten wie Ulrich Rabl. Der ehemalige Direktor der Berliner Bank in Frankfurt kannte sich mit Zahlen aus, Bilanzen und Geschäftsberichte waren irgendwie sein Ding. In seiner Rolle als Oppositionspolitiker hatte er naturgemäß seine eigene Art, die Zahlen zu deuten. Aber auch seinen ihm eigenen Stil, diese Zahlen mit Nachdruck, bisweilen sogar recht lautstark, vorzutragen. Entsprechend war das Echo. Die Wortgefechte, die er sich mit CDU-Politikern und Minkel lieferte, sind legendär. In den Reihen der Mehrheitsfraktionen galt er, wie ein Kollege geschrieben hat, als Störenfried. Stadtverordnetenversammlung an. Die Partei erhielt so viele Stimmen, dass er ins Parlament einzog, zwar nicht gleich, aber am 1. Juni 2002 als Nachrücker.

Bei den folgenden beiden Kommunalwahlen 2006 und 2011 wurde er dann jeweils direkt ins Stadtparlament gewählt, dem er bis zum Ende der Wahlperiode im März 2016 angehörte. Angesichts seines Interesses an Zahlen wundert es nicht, dass er im Haupt- und Finanzausschuss Sitz und Stimme hatte und Mitglied der Betriebskommission der Stadtwerke war. Zudem hatte er im Jahr 2011 für den Kreistag kandidiert, in den er im Oktober 2013 nachrückte.

Rabls politisches Engagement bei den Grünen endete, als die neue Liste für die Kommunalwahlen 2016 aufgestellt wurde. Im September 2015 nämlich gab es deshalb Turbulenzen, weil die Partei in einer emotionalen Mitgliederversammlung einen Generationswechsel vollzog. Daraufhin kündigten Ulrich Rabl und seine Frau Hannelore an, nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

In den vergangenen Jahren hatte sich Ulrich Rabl aus der Bad Vilbeler Kommunalpolitik zurückgezogen und widmete sich seiner Familie. Zudem war er vom Gericht als ehrenamtlicher Betreuer für Senioren bestellt worden. Am Montag ist bekannt geworden, dass Ulrich Rabl in der Nacht auf Sonntag nach schwerer Krankheit verstorben ist. Am 25. Oktober wäre er 75 Jahre alt geworden.

In einer Erklärung der Grünen schreibt Clemens Breest: "Ortsverband und Fraktion Bündnis90/Die Grünen drücken seiner Familie ihr herzliches Beileid aus. Sie werden Uli Rabl als einen streitbaren Kommunalpolitiker in Erinnerung behalten, der seiner Überzeugung treu geblieben ist."

P.S. Ulrich Rabl hatte in Sachen Büchereibrücke übrigens recht: Statt postulierter sieben Millionen kostete die Büchereibrücke letztlich elf Millionen Euro. (Archivfoto)

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