Strategien gegen Wohnungsmangel

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Günstige Wohnungen baut die Stadt Bad Vilbel derzeit in Dortelweil. Das ist der SPD aber nicht genug: Sie will erreichen, dass auch leerstehender privater Wohnraum wieder vermietet wird. Eine Aufklärungskampagne soll das ermöglichen. Ob die aber zum Ziel führt? Im Rathaus zweifelt man daran.

Günstige Wohnungen baut die Stadt Bad Vilbel derzeit in Dortelweil. Das ist der SPD aber nicht genug: Sie will erreichen, dass auch leerstehender privater Wohnraum wieder vermietet wird. Eine Aufklärungskampagne soll das ermöglichen. Ob die aber zum Ziel führt? Im Rathaus zweifelt man daran.

Die Lösung gegen Wohnungsnot scheint so simpel zu sein: Wenn ältere Menschen alleine leben in einem großen Haus, könnten Wohnungssuchende einziehen – und Haus- und Gartenarbeit erledigen im Gegenzug für eine günstige Miete. "Hilfe statt Miete" nennt die SPD-Fraktion im Ortsbeirat Dortelweil ihre Aktion.

Geht es nach den Sozialdemokraten, startet die Stadt noch in diesem Jahr eine Aufklärungsaktion, die sich an die privaten Besitzer leerstehenden Wohnraums wenden soll. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats hat SPD-Fraktionschef Rainer Fich die Idee vorgestellt als Antrag für den Haushalt. Denn 2019 sollten dafür 3000 Euro fließen.

Bad Vilbel solle "neuen, teils auch für die Verhältnisse des Rhein-Main-Gebiets, günstigen Wohnraum" schaffen, sagt Fich. Das gelte insbesondere für Dortelweil, wo an der Konrad-Adenauer-Allee wie auch an der Ecke Lehnfurther Weg hinterm Friedhof gebaut werde. "Völlig außer Acht gelassen werden jedoch die vielfachen privaten Leerstände", findet Fich. Sie böten "eine große Chance zur Deckung des Wohnraumbedarfs". Mit der Aufklärungsaktion wollten die Sozialdemokraten Vermieter anregen, leerstehenden Wohnraum zu vermieten.

Ähnliches Projekt ohne Erfolg

Natürlich solle niemand zum Vermieten gezwungen werden, betont der SPD-Mann. Doch die Aufklärung könne "hier und da zum Vermieten anregen", hofft er. Denn Eigentümer seien "nicht selten älter und gelegentlich schon hilfsbedürftig". Diese könne man zum einen in Kontakt mit Vermietern bringen, um Vertrauen zu schaffen. Andererseits bestehe die Möglichkeit, dass die neuen Mieter einen günstigen Mietzins im Gegenzug für Hilfe in Haus und Garten eingeräumt bekämen – was wiederum dem Vermieter helfen könne. "Die Idee ist sicher nicht neu", räumt Rainer Fich ein. "Sie macht aus unserer Sicht bei den hohen marktüblichen Mietpreisen auf der einen Seite und einer älter werdenden Gesellschaft mit Unterstützungsbedarf auf der anderen Seite aber großen Sinn."

Seine Kollegen im Ortsbeirat signalisieren rundherum Zustimmung. Es sei sicher "nicht einfach, aber lohnenswert es zu probieren", findet Grünen-Ortsbeiratsmitglied Clemens Breest. "Das Thema ist ein schwieriges", warnt Ortsvorsteher Herbert Anders (CDU). Aber auch er sagt nicht nein, sondern: "Wir sollten es aufnehmen und im Sozialausschuss besprechen."

Als "Verstärkung" dafür fordert Rainer Fich die anderen Ortsbeiratsmitglieder auf, den Antrag mitzutragen. Allerdings deutet sich dafür keine Unterstützung an. Zumal die SPD den Vorstoß als Haushaltsantrag gestellt hat. "Stellen Sie ihn doch nächstes Mal erneut als thematischen Antrag", schlägt Ortsvorsteher Anders dem SPD-Mann vor. Der sieht es ein – und zieht den Vorstoß daher zunächst zurück.

Im Sozialressort der Stadt winkt man allerdings bereits ab: "Als nicht erfolgversprechend" stuft Sozialstadträtin Heike Freund-Hahn (FDP) ein solches Projekt ein. Sie verweist auf Erfahrungen: Schon 2017 habe man mit "Wohnen für Hilfe" eine ähnliche Idee für Geflüchtete und ältere Menschen vorgestellt und wollte auch konkret Mieter an Vermieter vermitteln. "Eine tatsächliche Vermittlung ist trotz intensiver Bewerbung und vielfachem Interesse auf der Seite der Geflüchteten leider nicht zustande gekommen", sagt Freund-Hahn.

Wolle man ein solches Projekt noch breiter auf alle unterstützungsbedürftigen Menschen ausweiten, müssten sehr viele Institutionen mit ins Boot und "eine Art Vermittlungsportal" geschaffen werden. Ein Konzept und langfristig personelle Ressourcen seien dafür notwendig, erklärt die Sozialstadträtin. Schließlich sollten Vermieter und Mieter ja auch langfristig betreut werden können. Mit den von der SPD geforderten 3000 Euro könne jedoch gerade einmal ein geringfügig Beschäftigter für etwa drei Monate finanziert werden.

Den besonderen Knackpunkt, dass die Stadt letztlich die Vermieter nicht absichern könne, sieht auch Ortsvorsteher Anders. Besonders ältere Menschen vermieteten leerstehenden Wohnraum oft deshalb nicht, weil sie Sorge hätten, dass sie mit möglichen Problemen mit Mietern nicht klar kämen.

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