Straßenbahn: FDP will »kritische Diskussion«

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Bad Vilbel (pm). »Es war ja nicht anders zu erwarten: die Analyse des Beratungsunternehmens Ramboll kommt zu dem Ergebnis, dass durch eine Verlängerung der Linie 18 bis zum Neubaugebiet Krebsschere … bis zu 2600 zusätzliche Fahrten pro Tag im umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr« zu erreichen sind«, schreibt die FDP über die Potenzialanalyse zur Straßenbahn.

»Nun ist es sicherlich interessant zu wissen, auf welcher Basis diese Zahl ermittelt worden ist«, so der Heilsberger FDP-Ortsbeirat Dr. Michael Rudolphi. Daher fordert die FDP Bad Vilbel eine kritische Diskussion dieser Studie. Politik und Bürgerschaft müssten verstehen, auf welcher Grundlage ein Projekt vorangetrieben werden soll, das nach ersten Schätzungen über 120 Millionen Euro kosten werde, und das berechnet zu heutigen Preisen.

Es sei auffallend, dass sich vor allem Stimmen von außerhalb erfreut bis begeistert zum Studienergebnis äußern, so zum Beispiel die Mobilitätspolitikerin der Grünen im Frankfurter Römer, Katharina Knacker. Dabei sollte sich nach Auffassung der FDP die hiesige Politik vor Augen führen, dass vor allem Bad Vilbel von den Baumaßnahmen, den Eingriffen in den Straßenraum und den innerstädtischen Verkehr und den technischen Risiken gerade durch die Steigung am Schöllberg betroffen sei. Auch durch die Baumaßnahmen auf den Hauptverkehrsstraßen wäre mit Behinderungen zu rechnen.

»Bad Vilbel sollte sich ein eigenes Bild machen, ob die Verlängerung der Linie 18 bis zur Krebsschere wirklich der Königsweg ist. Die Studie sieht vor allem eine stark wachsende Verkehrslast durch 8000 neue Arbeitsplätze allein im Gewerbegebiet Krebsschere, daneben auch durch eine wachsende Wohnbevölkerung. Die so entstehende Verkehrslast könne durch Busse nicht mehr aufgefangen werden, dies könne nur eine Straßenbahnlinie leisten. Es entsteht der Eindruck, dass es nur um die Verkehrsströme zwischen Bad Vilbel und Frankfurt geht. Aber Bad Vilbel entwickelt sich mehr und mehr zu einem eigenständigen Zentrum, das auf seinen Straßen eine Fülle von Verkehrsströmen abbilden muss, mit Vilbus, Rad- und Autoverkehr. Die Konkurrenz um den Straßenraum darf daher nicht einseitig zugunsten der Straßenbahn aufgelöst werden, das ist nicht im Interesse von Bad Vilbel«, warnt Andreas Bauditz vom FDP-Verkehrsausschuss.

Man frage sich auch, ob die neu entstehenden Arbeitsplätze in der Krebsschere wirklich nur durch die Straßenbahnverlängerung bedient werden könnten, zumal der viergleisige Ausbau der S-Bahn einen Attraktivitätsgewinn bringe, der in der Studie nicht weiter behandelt werde. Die Vorhersage von Verkehrsströmen sei ein äußerst schwieriges Geschäft. »Die Problematik von Kosten-Nutzen-Analysen ist, dass sie zu oft von optimistischen Annahmen ausgehen und später von massiven Kostensteigerungen überholt werden«, so Bauditz.

Bus als Alternative

»Eine höhere Kapazität kann auch mit Bussen durch eine kürzere Taktung der Abfahrzeiten erreicht werden. Neuralgische Punkte wie der Abschnitt zwischen Alter Frankfurter Straße und Zollhaus können entschärft werden, um der Verspätungsanfälligkeit zu begegnen,« ergänzt Rudolphi. »Busse haben zwei unschlagbare Vorteile: Streckenführungen können schneller angepasst werden, wenn sich neuer Bedarf ergibt. Bei Stromausfällen steht die Straßenbahn still, Busse fahren weiter.« Werden Busse mit umweltfreundlichen Antrieben eingesetzt, so entfalle ein oft zugunsten der Straßenbahn angeführtes Argument.

»Setzt man die derzeit geäußerten Investitionskosten von 120 Millionen Euro für die Verlängerung der Straßenbahn nach Bad Vilbel ins Verhältnis zu den täglich 2600 zusätzlichen Fahrten in einem Zehn-Jahreszeitraum, so wird jede zusätzliche Fahrt mit 15 Euro subventioniert. Und das sind nur die investiven Kosten. Es geht hier um Steuergelder, die teilweise auch von Bad Vilbel aufzubringen sein werden. Die Stadt sollte sich schon jetzt mit den Haushaltsbelastungen auseinandersetzen, die auf sie und ihre Bürger zukommen.

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