Bahnhof

Steile Rampen, fehlender Aufzug im Bahnhof

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Schildbürgerstreich oder Absicht? In der Unterführung des Bad Vilbeler Bahnhofs gibt es zwei leere Aufzugsschächte. Nicht nur drüber beschwert sich ein Vilbeler Bürger.

Der Bad Vilbeler Fritz Worster steht in der Unterführung zwischen den Bahnsteigen 5-7 und 8-9 und schüttelt den Kopf. "Darf ich Ihnen mal etwas zeigen", fragt er den Vertreter von der S-Bahn Rhein-Main, mit dem wir an diesem Tag unterwegs sind. Es geht um die Barrierefreiheit an den Bahnsteigen und Bahnhöfen in Okarben und Bad Vilbel. Jetzt ist die kleine Gruppe mit der VdK-Vorsitzenden Ellen Benölken und ihrem Mitarbeiter Reiner Weber vor einem der Aufzüge angekommen. Der funktioniert aber nicht. Als DB-Bahnvertreter Lars Brüning die Situation klärt, spricht ihn Fritz Worster an. In dem Moment, als er gerade telefoniert, zeigt Worster dem Redakteur, wo es seiner Ansicht nach hakt. "Hier drüben gibt es zwei Schächte, aber keinen Aufzug", sagt er und zeigt auf die Bretterverschläge. In der Tat: Die taktilen Leitsysteme für sehbehinderte Reisende sind im Boden eingebaut worden und führen geradewegs zu beiden Seiten zu den vorgesehen Aufzügen. Doch einen Fahrstuhl sucht man dort vergebens.

Für Senioren zu steil

Später gehen wir dann die Rampen hoch. "Sie mögen ja der DIN-Norm entsprechen", sagt Worster, "aber für mobilitätsbeschränkte Menschen sind sie nicht zu meistern". Der Bad Vilbeler sagt, die Norm sei das eine, die Realität das andere. "Man muss doch mal fragen, wie denn eine achtzigjährige Frau mit Rollator diese Rampen bewältigen will." Dazu brauche sie viel Kraft. Und die hätten sie und andere Senioren nun mal nicht. "Das ist schon gar nicht zu schaffen, wenn man einen Koffer oder einen Einkaufswagen dabei hat." An diesem Tag war es trocken. Aber bei Nässe seien die Rampen sogar gefährlich, meint der Bürger.

Der städtische Behindertenbeauftragte Hans-Joachim Prassel teilt die Einschätzung von Worster. "Die Rampen an der Unterführung des Nordbahnhofs entsprechen den DIN-Normen. Sonst wäre der Bahnhof überhaupt nicht abgenommen worden." Allerdings seien die Rampen mit ihrer Länge zwischen 80 und 100 Metern "schon recht sportlich". Der Behindertenbeauftragte räumt ein, dass diese Rampen durchaus nicht ungefährlich seien, weil sie nicht überdacht seien. Er fügt noch zwei Kritikpunkte hinzu: Die überhängenden Sträucher und die an den Handläufen angeschlossenen Fahrräder. Die Stadt habe die Deutsche Bahn angeschrieben und darum gebeten, die in die Handläufe wachsenden Brombeerhecken zu schneiden. Passiert sei nichts. "Am Ende hat es der städtische Bauhof gemacht." Es sei sowieso generell so, dass die Deutsche Bahn sehr langsam reagiere. Was den Aufzugsschacht angeht, meint Prassel, dass der aus Kostengründen nicht eingebaut worden sei. Er empfahl Worster, ihn mal anzusprechen, damit er dann tätig werden könne.

Schächte vorsorglich gebaut

Die Bahnunterführung ist in den Jahren 2011 und 2012 nicht etwa, wie man annehmen könnte, von der Deutschen Bahn, sondern von der Stadt beauftragt worden. Ein sächsisches Unternehmen hat das rund 7,5 Millionen Euro teure Bauwerk seinerzeit gebaut, zwei Millionen Euro davon hat die Stadt bezahlt, das Land hat 4,5 Millionen Euro, die Bahn lediglich eine Million Euro beigesteuert.

Seitens der Bauherrin Stadt heißt es, die Aufzugsschächte seien schon vorsorglich dort gebaut worden. Im Zuge des S-Bahnausbaus sollen die eigenen Gleise für die S-Bahn näher an das Bahnhofsgebäude verlegt werden. Wenn der dortige Bahnsteig gebaut werde, würden auch die Aufzüge eingebaut.

Zu den Rampen sagt Stadtsprecher Yannick Schwander weiter, bislang habe man darüber noch keinerlei Beschwerden gehört. Weder direkt bei der Stadt, noch bei der Bahn sei Kritik eingegangen. Die Rampen entsprächen der Norm und seien von den Aufsichtsbehörden abgenommen worden. "Es ist auf keinen Fall so, dass die Rampen zu steil sind. Die Normen sehen ja vor, dass ein bestimmtes Gefälle nicht überschritten werden darf." Wenn es nass und glatt werde, gehörten die Rampen zu den Stellen in der Stadt, die bevorzugt gestreut und geräumt würden. Bahn-Vertreter Brüning sagt: "Wo kein Bahnsteig ist, braucht man auch keine Aufzüge."

Während die Stadt bei den Rampen kein Problem sieht, dürfte sie sich über einen weiteren Vorschlag des Bad Vilbelers Fritz Worster durchaus mal Gedanken machen: An den Rampen Drängelgitter anzubringen. "Denn die Radfahrer rasen die Schräge runter und gefährden die Fußgänger."

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