Pendler-Chaos

Die Stau-Ampel zeigt Dunkelrot

Pendler-Verdruss in und um Bad Vilbel: Die Brücke zwischen Bad Vilbel und Dortelweil ist gesperrt. Ein Hoffnungsschimmer zeichnet sich zu Beginn der Sommerferien ab.

Von JKÖ

Frauke kennt das Problem genau. "Der Verkehr ist aktuell eine Katastrophe", sagt die 48-jährige Angestellte aus Okarben, die nicht mit vollem Namen in der Zeitung erscheinen will. Jeden Morgen pendelt die Sekretärin von ihrer Wohnung in Okarben ins Büro in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) Frankfurt. Im Normalfall ein Weg von rund 20 Minuten. "Aktuell staut es sich auf der B 3 ins Unermessliche, weil der Durchgangsverkehr durch Dortelweil nach Bad Vilbel hinzukommt."

Nord-Süd-Verbindung gekappt

Tatsächlich ist seit knapp zwei Wochen eine wichtige Nord-Süd-Verbindung in der Kurstadt gekappt: Die Brücke zwischen der Kernstadt und Dortelweil muss saniert werden. Der Verkehr wird über die B 3 umgeleitet.

Die Stauampel für Bad Vilbel zeigt seither Dunkelrot. "Anfangs habe ich noch jeden Morgen gegoogelt, wie sich die Stausituation entwickelt", sagt die Pendlerin. Mittlerweile nutze sie sofort den Weg, den ihr das Netz meist als "die aktuell schnellste Route; Stau auf der B 3 wird vermieden" vorgeschlagen hat. Er führt über die A 5: Wie viele andere Pendler in Richtung Frankfurt biegt sie daher nicht scharf links auf die B 3 ab, sondern hält sich an der abknickenden Vorfahrtstraße rechts in Richtung Bad Homburg.

Pendler müssen geduldig sein

Für Pendler, die nach Bad Vilbel müssen, ist das jedoch keine Option. Für sie bleibt nichts anderes als Warten, zumal sie doppelt betroffen sind: Denn auch an der Kreuzung der L 3008, die von der B 3 in die Stadt führt, und der Friedberger Straße kommt es seither vor allem im Berufsverkehrs zum Chaos.

Yannick Schwander, Sprecher der Stadt Bad Vilbel, kennt das Problem. Lösungen, etwa durch eine temporär geänderte Ampelschaltung, immerhin ist das Abbiegen in Richtung Dortelweil an der "Tegut-Kreuzung" aktuell ohnehin keine gefragte Option, seien im Magistrat jedoch nicht diskutiert worden. "Verschiedene Dinge sprechen dagegen", erklärt Schwander. "Zum einen wird die Abbiegespur ja weiterhin benötigt, wenn auch nicht in normalem Umfang." Zum anderen wäre eine Ampelumstellung mit der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil abzusprechen gewesen, da die Schaltung an der Kreuzung mit den übrigen Ampeln entlang der Nordumgehung verzahnt sei. "Hier jedoch wäre eine temporäre Änderung zu aufwendig und letztlich zu teuer", erklärt Schwander. Genau beziffern könne er anfallende Kosten jedoch nicht.

Vorteil: Flexible Arbeitszeiten

Pendler müssen Geduld mitbringen, wenn auch nur noch wenige Tage. "Für die Baumaßnahme waren zwei Wochen angesetzt. Es spricht derzeit nichts dagegen, dass dies auch gehalten wird", erklärt Schwander. "Ende dieser, Anfang nächster Woche" solle die Brückensperrung aufgehoben werden. Jörg-Stefan Schmitt, Leiter der Unternehmenskommunikation der Firma Brother, pendelt von Petterweil in den Bad Vilbeler Rosengarten. "Die Verkehrssituation rund um die B 3 ist schon seit einiger Zeit furchtbar."

Über Nieder-Erlenbach geht's schneller

Ein zwischenzeitlich besonders schlimmer Flaschenhals an der Europäischen Schule in Dortelweil habe sich mittlerweile wieder gebessert; doch um sich den Stau-Ärger dauerhaft zu sparen, fährt der Petterweiler seit etwa drei Monaten über Nieder-Erlenbach nach Bad Vilbel.

"Ohnehin habe ich das Glück, dass ich viel am Telefon arbeiten und daher auch Stauzeiten nutzen kann", sagt Schmitt. Und auch als Unternehmen könne man helfen, den Pendler-Ärger zu minimieren: "Bei Brother etwa haben wir schon länger flexible Arbeitszeiten. Es hilft, wenn Kollegen erst gegen 9 Uhr losfahren können, wenn das Schlimmste schon vorüber ist."

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